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Deutsche Bank Unser Ackermann

22.12.2005 ·  Mit einem Tag Verspätung hagelt es Rücktrittsforderungen aus der Politik. Doch Josef Ackermann wird bleiben. Die Deutsche Bank wird ihren Chef behalten - und die Kapitalismuskritik ihren Lieblingsfeind.

Von Christian Siedenbiedel
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Er bleibt. Wer weiß, wie lange, wer weiß, warum. Als am Mittwoch kurz nach halb vier die Pressemitteilung des Aufsichtsrats der Deutschen Bank eintraf, man stelle sich voll und ganz hinter Vorstandssprecher Josef Ackermann, da war klar, zumindest an diesem Tag würde es mit einem Rücktritt nichts mehr werden.

Gegen halb fünf ließ Ackermann dann durch einen Sprecher ausrichten: „Der große Zuspruch und die enorme Unterstützung, die ich in den letzten Tagen und Wochen von Mitarbeitern, Kunden und Aktionären der Deutschen Bank erhalten habe, bestärkt mich darin, weiterhin als Sprecher des Vorstands die Geschäfte der Bank zu leiten.“ Aber hatte nicht auch Gerhard Schröder am Abend der Bundestagswahl im Fernsehen gesagt, er bleibe weiterhin Kanzler?

Breuers „Denkkappe“ und Rücktrittsforderungen

Am Mittwoch morgen hatte der Bundesgerichtshof bekanntgegeben, daß der Mannesmannprozeß wieder aufgerollt und der Freispruch für Ackermann und die anderen Beschuldigten aufgehoben werde. Das bedeutet wieder Anklagebank, Blitzlichtgewitter. Aufsichtsratschef Rolf Breuer ließ sich schon in einer Zeitung zitieren, er habe in der Frage der Ackermann-Nachfolge seine „Denkkappe“ auf. Man favorisiere einen Nachfolger aus der Bank, nur wenn das nicht möglich sei, werde man jemand von außen suchen. Eine späte Rache an dem Mann, der ihn selbst seinerzeit, vielleicht früher als er es sich gewünscht hätte, an der Spitze der Bank beerbte?

Aktionärsschützer forderten Ackermanns Rücktritt, Politiker schlossen sich an (siehe auch: Politiker fordern Ackermanns Rücktritt). Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hingegen mahnte, auch für Ackermann gelte die Unschuldsvermutung. Die Deutsche Bank hatte die Verlängerung von Ackermanns Vertrag mit Verweis auf das noch offene Verfahren zunächst verschoben. Am Mittwoch gab es Spekulationen, man könne ihn bis nach der Vorstellung der Zahlen im Februar im Amt lassen, dann könnte er den Applaus für seine betriebswirtschaftlichen Erfolge nach all den Angriffen noch genießen.

Arroganz der Mächtigen

Die Kapitalismuskritik verliert ihren Lieblingsfeind also noch nicht. Ackermann, das ist für sie der Mann, der die Bank immer mehr ins Ausland trieb, als Aufsichtsrat von Mannesmann Millionengeschenke verteilte; ein Manager, der nur auf die Rendite schielt und 6.400 Leute rausschmeißt, obwohl sein Unternehmen Rekordgewinne schreibt; ein Bankchef, der vor Gericht zwei Finger als Siegeszeichen hebt, und einen Fonds schließen läßt, statt ihn zu stützen.

Ackermann, das ist für sie der Zynismus der Globalisierung, die Arroganz der Mächtigen, die Kälte des beschleunigten Kapitalismus. Wer sollte die Rolle einnehmen, wenn er nicht mehr ist? Was war Karl-Josef Neukirchen von der Metallgesellschaft, bei dem hartgesottene Manager weinend aus Besprechungen gekommen sein sollen, hinsichtlich des Symbolgehalts gegen Ackermann?

Ackermann als allegorische Gestalt

Die Deutsche Bank ist ein Mythos. Sie gehört zu jenen Institutionen, mit denen jeder seine Erfahrungen gemacht hat. So wie mit der Bahn oder der Fußball-Nationalmannschaft. Nicht, daß jeder Kunde war. So wie auch nicht jeder Zug fährt oder in die Stadien geht. Aber doch so, daß die meisten Leute ein Bild von ihr haben. Und auch von der Kritik an der Deutschen Bank.

Im kollektiven Gedächtnis sind, wenn auch weniger Verwerfungen aus der Vorkriegszeit, so doch die Klischees der Achtundsechziger, die Vorwürfe zum Südafrika-Engagement aus den Achtzigern, die Peanuts-Rede Hilmar Koppers und die unglückliche Ausgliederung der Deutschen Bank 24 in Resten präsent. Das machte Ackermann geeignet, eine allegorische Gestalt zu werden.

Nur so konnte die Auseinandersetzung um seine Person zu einer Stellvertreterdiskussion werden. Die Emotionalität, mit der sie geführt wird, und die Unterschiedlichkeit der beteiligten Spieler fällt völlig aus dem Rahmen. Es geht um mehr: um den Sinn und die Vertretbarkeit des marktwirtschaftlichen Prinzips an sich, eine offenbar lange nur verschüttete Debatte.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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