25.03.2007 · Die chinesische Boomtown Shenzhen verlegt ihr Europa-Büro nach Frankfurt. Das ist ein Ergebnis der China-Reise des hessischen Wirtschaftsministers Alois Rhiel (CDU).
Von Thorsten WinterMit einigen Abkommen und Zusagen im Gepäck ist die von Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) angeführte Delegation aus China zurückgekehrt. So wird die Stadt Shenzhen in Frankfurt ihr Europa-Büro einrichten.
Die unweit von Hongkong gelegene Millionenmetropole ist schon freundschaftlich mit Frankfurt verbunden und betreibt bisher ein Partnerschaftsbüro in Nürnberg, das nach Angaben des deutschen Generalkonsuls in der chinesischen Provinz Kanton, Friedrich-Karl Bruns, einen aktiveren Austausch mit Shenzhen pflegt als die Stadt am Main.
Hessische Betriebe bei Aktivität in China unterstützen
Frankfurt kommt gleichwohl wegen des Flughafens und der verkehrsgünstigen Lage, des Messestandorts und seiner wichtigen Rolle als Finanzplatz mit der Europäischen Zentralbank und der Börse zum Zug, wie Rhiel nach Abschluss der Reise sagte.
Ein weiteres Ergebnis ist die Absicht, im Herbst bei der chinesischen Messe für Hochtechnologie eine gemeinsame Veranstaltung der Wirtschaftsförderungen von Frankfurt und der Region Frankfurt-Rhein-Main sowie der Hessen-Agentur anzubieten. Ziel der Veranstaltung ist es nach Angaben der Hessen-Agentur, hessische Betriebe für den chinesischen Markt zu sensibilisieren und sie bei ihrer Aktivität zu unterstützen sowie Unternehmen aus China für Investitionen in Hessen zu gewinnen. Zudem bietet das Wirtschaftsministerium mittelständischen Firmen an, sich an einem „kostengünstigen“ Gemeinschaftsstand bei der Messe in Shenzhen zu beteiligen.
Den Aufbau des Europa-Büros bezeichnete er als wichtigsten politischen Erfolg des Besuchs. „Aus der Sicht von Shenzhen stehen Frankfurt und Hessen für Europa“, sagte Rhiel. An der Delegationsreise nahmen 60 Vertreter aus Wirtschaft und Politik teil, darunter zahlreiche mittelständische Unternehmer. Shenzhen war die vierte und letzte Station nach Peking, Tianjin und Changcha. In Tianjin hat die Deutsche Börse AG einen Kooperationsvertrag mit der dortigen Tianjin Property Rights Exchange geschlossen – einer staatlichen Einrichtung, die in etwa mit der ehemaligen deutschen Treuhandanstalt vergleichbar ist und Staatsunternehmen privatisiert.
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Firmenübernahmen „absehbar“
Rund um den Hafen von Tianjin befindet sich eine Sonderwirtschaftszone, die nach Schanghai und Shenzhen der dritte Wachstumsmotor in China werden soll, wie Thorsten Giehler erläuterte, der bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) für die Entwicklung des Finanzsektors Chinas zuständig ist. Um die nötige Infrastruktur zu bezahlen, legt Tianjin einen umgerechnet 600 Millionen Euro schweren Industriefonds auf.
Vor diesem Hintergrund hatten das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und das chinesische Handelsministerium ein Projekt zur Förderung des nationalen Kapitalmarkts auf den Weg gebracht, das von der GTZ betreut wird. Künftig werden chinesische Unternehmen laut GTZ vermehrt in Deutschland und damit auch in Hessen mit dem Ziel auftreten, Firmenzusammenschlüsse zu erreichen oder Unternehmen zu übernehmen. Dies sei „absehbar“.
Im Rahmen der Delegationsreise wurde auch eine Willenserklärung zum Abschluss einer Partnerschaft zwischen den Geoparks Bergstraße-Odenwald und Zhangjiajie in der chinesischen Provinz Hunan unterzeichnet. Hunan und Hessen sind freundschaftlich verbunden. Ziel der Partnerschaft soll unter anderem der Austausch von Forschungsergebnissen und von Erfahrungen sein, wie geologische Relikte bewahrt werden können. Nicht zuletzt soll der Tourismus gefördert werden. Deutschland ist schon jetzt bei Chinesen ein sehr beliebtes Reiseziel. Neun von zehn Reisegruppen aus dem Riesenreich landeten in Frankfurt. Dies müsse sich der Geopark Bergstraße-Odenwald als Reiseziel zunutze machen, sagte der Repräsentant der Bergstraße in Schanghai, Alexander Bode.