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Frankfurter Geschäftsleben : Der einstige Hoflieferant sagt ade

Zwei Generationen Ströhlein: Albrecht Wittner, Hans Werner Wittner (Mitte) und Sabine Wolfraum (geb. Wittner) Bild: Junker, Patrick

Ströhlein, der wohl älteste Herrenausstatter in Frankfurt, schließt sein Geschäft am Steinweg. Doch ein Nachfolger steht schon fest. Auch an anderer Stelle in der Stadt stehen Wechsel an.

          Auf Ströhlein folgt Picard Englisches Tuch und eine gewisse Gediegenheit – das finden die Kunden seit Jahrzehnten beim Herrenausstatter Chr. Ströhlein am Steinweg in Frankfurt. Das 1839 von Johann Christian Ströhlein gegründete Unternehmen, das 1950 mangels Nachfolger von der Familie Wittner übernommen worden war, schließt in wenigen Wochen. Der Räumungsverkauf läuft. Mit einer Mischung aus persönlichen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen begründet die Familie den Entschluss. Mit im Geschäft sind die Geschwister Albrecht Wittner und Sabine Wolfraum, ebenso Vater Hans-Werner Wittner, der im hohen Alter von 88 Jahren auch noch gerne nach dem Rechten sieht.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu Ströhlein kommen Männer, die Wert auf klassische Anzüge und gute Stoffe legen. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts belieferte das Modehaus europäische Fürstenhäuser und adlige Familien, weshalb Ströhlein lange als Hoflieferant betitelt wurde. Das erste Geschäft wurde an der Zeil eröffnet, wo es im Zweiten Weltkrieg Bomben zum Opfer fiel. Vor dem Steinweg folgte die Kaiserstraße als Zwischenstation. Der Firmenname Chr. Ströhlein solle erhalten bleiben, heben die Wittners hervor, auch bleibe das Haus am Steinweg, in dem Büro und Hausverwaltung untergebracht sind, in Familienhand. Dass mit Picard ein hessisches Lederwaren-Unternehmen einzieht, das ebenfalls inhabergeführt ist, freut den Senior-Chef. „Es musste auch menschlich passen.“ Weniger erfreut sein dürften die Nachbarn im neuen Geschäftsquartier Maro. Picard war als erstes Geschäft an die Neue Rothofstraße gezogen. Die Einkaufsstraße tut sich bisher schwer. Mit Picard zieht bereits das vierte Geschäft aus.

          Liebesdienste Home zieht um

          Beim ersten Versuch vor sechs Jahren hat es nicht geklappt, nun aber hat Goran Djukic mit seinem Geschäft „Liebesdienste Home“ am Oeder Weg unweit von seinem jetzigen Standort den Zuschlag für seinen Traumladen, wie er sagt, gefunden. Djukic übernimmt an der Ecke zur Finkenhofstraße die Räume der Modedesignerin Lika Schmodsien, die mit ihrem Atelier nach Offenbach gezogen ist. Früher verkaufte das Pianohaus Atzert an dieser Stelle Steinway-Klaviere. Djukic hat fortan also viel Platz für Kleinmöbel, Wohnaccessoires und Feinkost. Er spricht von einem „Gute-Laune-Kaufhaus“, zu dem künftig auch eine eigene Abteilung für Blumen gehört. Blumen hatte Liebesdienste bis vor kurzem noch in einem separaten Geschäft verkauft. Bei den Möbeln will der Händler bleiben – „skandinavisch und bezahlbar, aber nicht mehr so kleinteilig“. Dafür soll die Feinkost-Küche größer werden, mit ausreichend Platz für Veranstaltungen wie Verköstigungen und Lesungen. Jetzt aber wird erst einmal das bestehende Geschäft ausverkauft. „Je schneller alles weg ist, umso eher geht es los“. Ein Nachfolger für den derzeitigen Laden steht noch nicht fest.

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