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Veröffentlicht: 18.05.2017, 18:00 Uhr

„Vergütung anders regeln“ Darum mangelt es an neuen Antibiotika

Sanofi in Frankfurt und Fraunhofer erproben ein mögliches Antibiotikum im Tierversuch - die Entwicklung braucht Zeit. Hersteller hadern mit Rabattverträgen und Preiserhöhungsverbot.

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© Frank Röth „Vergütung neuer Antibiotika anders regeln“: Sanofi-Forschungschef Jochen Maas

Jeder tragische Fall mit multiresistenten Keimen – wie jüngst am Uni-Klinikum Frankfurt – zieht den Ruf nach neuen Antibiotika nach sich, die diese Keime bekämpfen sollen. Nun ist es nicht so, dass hierzulande in den vergangenen Jahren keine Arzneien dieser Art neu auf den Markt gekommen wären. Aber immer wieder zeigen sich Bakterien unempfindlich gegen diese Antibiotika.

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Vor diesem Hintergrund suchen Forscher des Pharmakonzerns Sanofi in Frankfurt und der Fraunhofer-Gesellschaft seit gut drei Jahren nach neuen Wirkstoffen. Als Symbol für die Dringlichkeit neuartiger Antibiotika steht ein Neubau, den Bauarbeiter für die Fraunhofer- und Sanofi-Forscher in Gießen in Nachbarschaft naturwissenschaftlicher Institute der Universität hochziehen.

Wirkstoffkandidat im Tierversuch

Die 25 Mitarbeiter der Forschergruppe haben bereits einen ersten Erfolg vorzuweisen. Einen wirksamen Wirkstoffkandidaten haben sie aus der sogenannten Naturstoffbibliothek mit Bakterien und Pilzen gefischt. Doch bis aus dem Kandidaten eine zugelassene Arznei wird, dürften noch einige Jahre vergehen. Denn der Fortschritt braucht viel Zeit. Wie Sanofi-Forschungschef Jochen Maas sagt, testen die Forscher den möglichen Wirkstoff im Tierversuch. Nur: Das geschieht schon seit mehr als einem Jahr.

Frankfurt und Gießen sind zwei der 16Standorte in Deutschland, an denen Experten an neuen Antibiotika arbeiten, berichtet der Verband Forschender Arzneimittelhersteller. Rund um den Globus sucht eine riesige Zahl an Unternehmen und Instituten nach Wirkstoffen gegen Bakterien. Diese Arbeit trägt auch Früchte. Nachdem vor einem Jahrzehnt laut Maas die Notwendigkeit neuer Antibiotika in Frage gestanden und es keine Zulassungen gegeben hatte, sind seit dem Jahr 2010 immerhin elf Neuentwicklungen auf den Markt gekommen – allein fünf waren es in den vergangenen 30 Monaten.

Diese Mittel unterscheiden sich von den älteren in einem Punkt: Früher wurden vor allem Breitband-Antibiotika entwickelt, die Ärzte ohne Kenntnis des jeweiligen Erregers verschrieben, so konnten sich leichter resistente Bakterien entwickeln. Heute zielt jedes der neuen Mittel mindestens auf einen „Problemkeim“ und sie sollen nur an Kliniken, nicht aber an Apotheken geliefert werden. Bis 2020 werden wohl sieben weitere dieser neuen Antibiotika zugelassen.

Derweil beschäftigt Ärzte, Patienten, Politiker, Krankenkassen und Firmen die Debatte um eine eingeschränkte Verfügbarkeit von alten Mitteln, deren Patentschutz ausgelaufen ist. Solche Antibiotika kommen aus Asien, heimische Firmen haben sich aus der Produktion verabschiedet. Als Grund dafür geben sie die Rabattverträge der Kassen an. „Die Ausschreibungen verfolgten nur den Zweck, möglichst niedrige Preisangebote von Herstellern zu erlangen“, hebt der Verband der chemischen Industrie Hessen hervor. So hätten die Rabattverträge einen Preisverfall in Gang gesetzt. 20 Pillen des gängigen Wirkstoffs Amoxicillin kosten bei Versendern nur noch 16 Euro, davon bekommt der Hersteller einen Bruchteil.

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Hinzu kommt das seit 2010 geltende Verbot, Arzneien zu verteuern. Das setzt nicht nur großen Konzernen zu, sondern zum Beispiel auch dem Mittelständler Kreussler in Wiesbaden. „Bei den Preisen, die Kassen erwarten, ist es nicht mehr möglich, die Wirkstoffe hierzulande herzustellen“, heißt es in der Branche. Die Stada AG aus Bad Vilbel fertigt zwar Antibiotika ohne Patentschutz – aber mit Wirkstoffen aus China und Indien.

Angesichts dessen muss laut Maas klar sein: Neue Antibiotika dürften nur selten gegeben werden, sonst werden Keime bald auch gegen sie resistent. Innovation müsse sich aber lohnen. Deshalb fordert er neue Vergütungsmodelle. Anfang Mai sprach Maas dieses Thema bei einer Diskussion in Bad Homburg an. Anwesende Politiker von CDU und SPD hielten sich dazu aber bedeckt.

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