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Computerspiele Außerirdische in New York, Jobs in Frankfurt

19.08.2010 ·  Die europäische Computerspiele-Branche trifft sich auf der Gamescom in Köln. Crytek stellt sein neues Spiel vor, und auch bei den anderen Frankfurter Entwicklern herrscht Aufbruchstimmung.

Von Tim Kanning, Köln
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New York liegt in Trümmern. Außerirdische haben die Stadt eingenommen, und nun müssen die Menschen sie zurückgewinnen. Menschen ist etwas untertrieben - „Super Soldiers“ in Nano-Anzügen schickt der Frankfurter Computerspiele-Entwickler Crytek aus, um die Menschheit zu retten. Zweieinhalb Jahre hat der Primus unter den deutschen Entwicklungsstudios gebraucht, um das neue Spiel herzustellen. Ursprünglich war es für Ende 2010 vorgesehen, tatsächlich kommt es wohl im März 2011 heraus.

Auf der Computerspielemesse Gamescom, die noch bis Sonntag in Köln läuft, ist das von vielen langersehnte neue Produkt der Frankfurter erstmals auszuprobieren. Entsprechend groß ist der Andrang am Crysis-Stand. Das Spiel ist erst ab 18. Deshalb muss der Verleger Electronic Arts Crysis 2 in einem geschlossenen Raum präsentieren - ein Schicksal, das viele der großen neuen Produktionen auf der Messe teilen. Vor dem Raum bildet sich selbst am Presse- und Fachbesuchertag schon eine lange Schlange. Eine Viertelstunde dauert es, bis sich der Tross in den Raum mit 36 Computern vorbewegen kann.

„Es geht darum, Hype zu machen“

Hier können die Besucher schon einmal bei anderen Spielern über die Schulter spicken. „Fette Grafik“, entfährt es einem. Zwei Slowenen, die selbst für ein Entwicklungsbüro arbeiten, fachsimpeln eifrig. Bevor die Gäste selbst an die Computer dürfen, geht es erst weiter in einen Vorführraum, wo eine dreidimensionale Vorschau im Kinoformat gezeigt wird, denn wie so vieles auf der diesjährigen Gamescom ist auch Crysis 2 in 3D zu haben.

„Es geht darum, Hype zu machen“, sagt Courtney Endecott, der bei Crytek als sogenannter Talent-Manager arbeitet. Zweimillionenmal ging das erste Crysis weltweit über die Ladentheken, und das war nur für den PC erhältlich. Der Nachfolger läuft nun auf allen gängigen Konsolen, also auch der XBox oder der Play Station. Das macht den möglichen Markt noch einmal um einiges größer.

Endecott ist vor allem auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. 40 Stellen habe Crytek neu zu besetzen auf allen möglichen Positionen und außer in Frankfurt auch an den anderen Standorte, die die Frankfurter in den vergangenen Jahren aufgebaut haben.

14 Entwickler aus Rhein-Main

Doch nicht nur Endecott ist auf Bewerber-Suche. Auch am Gemeinschaftsstand des regionalen Verbands Gamearea Frankfurt/Rhein-Main haben mehrere der 14 beteiligten Unternehmen Vakanzen. Keen Games sucht an die 20 zusätzliche Kräfte, der Internetservice-Anbieter Claranet vier, und auch im Studio Deck 13 sind noch Stellen frei. Auf der gerade neu gestalteten Internetseite hat Gamearea-Vorstand Joerg Weber nun eigens ein Jobportal angelegt, um die Angebote in der Region zu bündeln.

In der Spielebranche scheint es kaum Grenzen für Wachstum zu geben. Denn die Kundschaft ist begierig nach immer neuen Produkten, und die Branche reagiert fleißig mit Innovationen. Alle paar Jahre kommt eine neue Generation von Konsolen und Spielgeräten auf den Markt, die wieder neue Spiele benötigt. Die Weiterentwicklung in 3D bedarf neuer Entwickler. Und in diesem Jahr versucht Microsoft mit seinen Kinect-Geräten, Nintendos Erfolg mit der Wii-Konsole zu wiederholen, bei der nicht mehr nur mit Tastatur, Maus oder Joystick, sondern mit dem ganzen Körper gespielt wird.

Gemeinschaftsstand der Gamearea

Hinzu kommt die Verlagerung von Spielen ins Internet. „Der Markt für Browsergames explodiert“, sagt Alexander Ganz, dessen Frankfurter Personalberatung Ganz & Stock sich auf die Gamesbranche spezialisiert hat. Mit Spielen, die direkt im Internet gespielt werden, ohne dass man irgendwas herunterladen muss, die grafisch wenig anspruchsvoll und in kurzer Zeit durchzuspielen sind, könne man auch Büroangestellte in der Mittagspause erreichen, die sich selbst nie als Gamer bezeichnen würden. Um all die Browsergames zu entwickeln, suchten viele Studios neue Mitarbeiter. Als Neueinsteiger sei es allerdings schwer, einen Job zu finden, die meisten suchten Entwickler, die schon fünf bis zehn Jahre Berufserfahrung hätten.

Auf dem Gemeinschaftsstand der Gamearea findet sich auch Joscha Sauer, der eigentlich Cartoon-Zeichner aus Frankfurt ist. Doch auch er will seine Reihe Nichtlustig jetzt weiterentwickeln. Noch im Laufe des Jahres soll eine sogenannte App herauskommen.

Die skurrilen Cartoons werden dann auch unterwegs auf dem iPhone erhältlich sein. Zum Beispiel der von dem Techniker, der dreimal vom selben Mann begrüßt wird mit dem Satz: „Gott sei Dank kommen Sie endlich, irgendwas stimmt mit dem Kopierer nicht.“

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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