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Logistik-start-up : Das Expresspaket in jeder Sekunde im Blick

  • -Aktualisiert am

Die Gründer des Logistik-Start-ups Cargo Steps: Entwickler Moritz Jäger, Geschäftsführer Rachid Touzani, Marketingchef Murat Karakaya (sitzend) und Softwarespezialist Tom Aniz (von links). Bild: Wolfgang Eilmes

Die Gründer von Cargo-Steps haben ein System entwickelt, das eilige Fracht genauestens verfolgt. Ganz nebenbei löst es auch das Problem von Leerfahrten.

          Wenn Rachid Touzani aus seinen großen Bürofenstern auf die Kaiserstraße in Frankfurt hinunterschaut, reihen sich dort vormittags die Lieferwagen von Paketdienstleistern dicht an dicht. Etwa 60 Milliarden Pakete und Päckchen werden im Jahr weltweit transportiert, der größte Teil davon von den Großen der Branche. „Nur sieben Millionen Packstücke werden per Express versandt, aber die machen die Hälfte des Umsatzes aus“, erläutert der Gründer der Internetplattform Cargo-Steps, die sich auf den Transport von eiligen Gütern spezialisiert hat.

          Wenn am Flughafen eine große Maschine ausfällt, weil ein beschädigtes Teil fehlt oder sensible Medikamente möglichst schnell zum Empfänger müssen, ohne die Kühlkette zu unterbrechen, lassen sich Unternehmen die schnelle Kurierfahrt eines kleinen Paketes von Frankfurt nach Berlin schon einmal 500 Euro statt wenige Euro Porto kosten, um den Transport um wenige Stunden zu beschleunigen. Auch wenn beim Autohersteller wegen eines fehlenden Teils die Produktion steht, muss es schnell gehen. „Technik-Unternehmen schicken sogar mehrmals täglich Kuriere mit wichtigen Teilen an Bord von Flugzeugen von Frankfurt nach China“, sagt Touzani.

          Trackingsystem soll Zeit sparen

          Eine Spedition, die solch schnelle Expressfahrten unternimmt, betreibt Touzani bereits seit zehn Jahren in Kelsterbach in unmittelbarer Nähe zum Flughafen. Dabei haben ihn zwei Dinge immer schon gestört: Um Kunden auf dem Laufenden zu halten, wo sich der Fahrer gerade befindet, ob er im Stau steckt und wann er definitiv ankommen wird, mussten oft viele Telefonate geführt, SMS-Nachrichten hin- und hergeschickt werden. Das kostete Zeit und war nicht immer zufriedenstellend. Zurück fuhren die Fahrer der unterschiedlichen Sub-Unternehmen, mit denen in der Branche gearbeitet wird, zudem fast immer leer.

          Der Unternehmer suchte nach Abhilfe. „Aber niemand hatte ein System zur direkten Transportverfolgung am PC, deshalb haben wir dieses Trackingsystem einfach selbst entwickelt“, sagt der Mittdreißiger. Gemeinsam mit seinem Freund Murat Karakaya, den er schon aus Rüsselsheimer Kindheitstagen kennt, und den IT-Spezialisten Moritz Friedemann Jäger und Tom Anyz gründeten sie Cargo-Steps, im Frühsommer erhielten sie dafür den Frankfurter Gründerpreis. 2016 haben die vier das Unternehmen gegründet, bis zum Jahresende 2017 wollen sie 700 Kunden haben und mit 1000 bis 1200 Fahrern arbeiten. Per GPS-Tracking kann der Transportunternehmer und der Auftraggeber auf einer Streckenkarte am Computer jederzeit durch dicke blaue Punkte verfolgen, wo genau sich ihr Kurier befindet.

          Schnelle Informationen und ein Foto

          Hat der seine Sendung abgegeben, verschwindet er sofort von der Karte. „20 Sekunden nachdem die Sendung abgeliefert worden ist, bekommt der Kunde die Information und ein Foto des entsprechenden Dokuments“, sagt Touzani und demonstriert auch das am Bildschirm. Der lückenlose Nachweis, wann ein Fahrer mit welcher Geschwindigkeit wo unterwegs war, sei so jederzeit gegeben.

          Zudem hat er mit seinen Partnern das System so weiterentwickelt, dass auch leere Rückfahrten vermieden werden können. Das spart Geld und schont die Umwelt: Sind für einen Expresstransport von Frankfurt nach Berlin oder umgekehrt also je 500 Euro fällig, bietet Cargo-Steps die Rückfahrt für 275 Euro an. Das eröffnet auch den Fahrern neue Verdienstmöglichkeiten. Das System verbindet unterschiedliche Subunternehmer miteinander. Vor allem aber, so sagt Touzani, werde die Umwelt weniger belastet, wenn 1200 überflüssige Autobahnkilometer eben nicht gefahren würden.

          Das System zur Vermeidung leerer Rückfahrten heißt Cargo-Steps Match. Ein Algorithmus überprüft in rasender Geschwindigkeit Routen, Kapazitäten, Zeitabläufe und verbindet so Aufträge für Fahrten miteinander. Das ist effizienter, reduziert den CO2-Ausstoß und halbiert im Idealfall die Zahl der Kurier-Fahrzeuge auf den Straßen. Die Gründer haben ihr System schon in Japan, Südafrika, Mexiko, Canada und den Vereinigten Staaten vorgestellt. Touzani selbst hat seine berufliche Laufbahn ursprünglich als Restaurantfachmann bei Steigenberger am Frankfurter Flughafen begonnen und nebenbei mit Kurierfahrten tagsüber etwas dazuverdient. Seine eigene Spedition hat er mit 24 Jahren eröffnet. Der Gastronomie ist er immerhin ein wenig treu geblieben, indem er nicht nur das Transportwesen effizienter zu gestalten versucht, sondern auch eine eigene Kaffee-Marke vertreibt. Neben dem Frankfurter Gründerpreis haben er und sein Team auch den Förderpreis der Gesellschaft zur Förderung des Forschungstransfers (GFFT) in der Kategorie „Bestes Start up“ gewonnen.

          Quelle: F.A.Z.

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