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„Call a bike“ Noch ist das neue Angebot der Bahn nicht kostendeckend

25.08.2003 ·  "Von der Alten Oper geht immer gut was weg", sagt Ralph Winn, Teamleiter des Fahrradverleihs "Call a Bike" der Bahntochter DB Rent. Gerade lädt er zusammen mit einem Kollegen wieder fünf Räder aus einem Transporter, um den Bestand an dieser Stelle wieder aufzustocken.

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"Von der Alten Oper geht immer gut was weg", sagt Ralph Winn, Teamleiter des Fahrradverleihs "Call a Bike" der Bahntochter DB Rent. Gerade lädt er zusammen mit einem Kollegen wieder fünf Räder aus einem Transporter, um den Bestand an dieser Stelle wieder aufzustocken. An einem Computer in Griesheim überwacht ein weiterer Kollege, ein "Disponent", die Bewegungen der Räder und schickt insgesamt fünf Fahrer kreuz und quer durch Frankfurt. Sie tauschen defekte Teile aus, prüfen den Luftdruck in den Reifen. Vor allem aber transportieren sie die Räder aus dem Stadtgebiet zurück an die sogenannten Meta-Standorte wie den Bahnhof und die Alte Oper. Denn Nutzer können sie ja spontan per Handy in der Innenstadt und benachbarten Stadtteilen ausleihen und an jeder beliebigen Kreuzung in diesem Gebiet wieder abstellen. "An den Bahnhof bringen wir oft zweimal am Tag zwanzig Räder", sagt Winn. "Und die sind sofort wieder weg."

Im Mai wurden nach München und Berlin auch in Frankfurt 700 silberrote "Callbikes" in Dienst gestellt. "Natürlich arbeiten wir noch nicht kostendeckend. Damit rechnen wir ab dem dritten Jahr", sagt Pressesprecherin Cornelia Rauchenberger. In Frankfurt hätten sich bisher 7300 Kunden registrieren lassen. Das sonnige Wetter sei für den Start perfekt, freut sich Winn. "In einem verregneten Sommer sähe es wahrscheinlich anders aus." Etwa 500 Fahrten täglich würden bisher gezählt. Gegen 20 Uhr sei die Frequenz am höchsten. Höhepunkte seien auch zwischen sieben und neun Uhr, wenn die Kunden zur Arbeit führen, zwischen 13 und 14 Uhr und ab 17 Uhr. Laut Bahn-Statistik ist der typische Kunde zwischen 18 und 35 Jahre alt und männlich. "Nicht selten im Anzug", ergänzt Winn.

Stefan Kins und Thomas Exler passen in die Statistik. Wie viele Pendler verbinden sie Bahn und "Callbike". Kins radelt jeden Morgen zum Hauptbahnhof, um von dort aus nach Heidelberg zu fahren. Noch zwei weitere Anwohner seiner Straße im Nordend nutzten das Angebot der Bahn. Er finde morgens immer ein Rad. Auch Thomas Exler, der im Gallusviertel als Designer bei der Deutschen Bahn arbeitet, benutzt das Rad täglich für den Weg zur Arbeit. Seit Mai sei es zweimal passiert, daß er keines gefunden habe.

Von Dezember bis März überwintern alle Räder im Lager. "Dann kommt das Schmuddelwetter, von den Autos würde Salzwasser auf die Räder gespritzt", sagt Winn, der in Fahrradkleidung vor der Alten Oper an sein teures Rad gelehnt steht. Jeden Tag fährt er damit von Bockenheim nach Griesheim zur Arbeit und am Wochenende 70 bis 80 Kilometer. Die "Callbikes" seien eher für Kurzstrecken geeignet. Ab und zu müßten trotzdem Räder außerhalb Frankfurts eingesammelt werden, etwa in Bad Vilbel und Zeppelinheim. Dreiviertel der Kunden benutzen das Rad nach Rauchenbergers Angaben jedoch nur etwa 20 Minuten, nur ein Viertel mehrere Stunden. Die durchschnittliche Nutzungszeit betrage eine Stunde.

Bei schlechtem Wetter, so zeigten die Erfahrungen in München und Berlin, steige der Wartungsaufwand, sagt Rauchenberger. Die Räder seien so gut und neu, daß es keine Probleme gebe. Es werde auch sehr selten ein Rad gestohlen. Die Teile seien so montiert, daß es schwierig sei, sie abzubauen. "Als es vor einigen Wochen warm wurde, gab es ein bißchen Vandalismus", sagt Winn. "Fälle, in denen alles kaputtgemacht wurde, was kaputtzumachen ist, kann man aber an zwei Händen abzählen." Die etwa 25 Reparaturen am Tag seien meist Folge des Gebrauchs, wie platte Reifen und abgesprungene Ketten.

Die wenigen Frankfurter Fahrradhändler, die auch Räder verleihen, haben damit schlechte Erfahrungen gemacht. "Rebicycle" in der Innenstadt verleiht seit zwei Wochen nicht mehr. "Ständig wurden Räder kaputt zurückgegeben", klagt der Geschäftsinhaber. "Die der Bahn sind nicht so leicht kaputtzukriegen." Deren Konkurrenz habe er nicht gespürt, da seine Räder billiger gewesen seien. Auch "Radschlag" im Nordend schränkt den Verleih ein. "Es macht keinen Spaß, Fahrräder zu verleihen", klagt eine Mitarbeiterin. Die häufigen Reparaturen seien nicht von der Versicherung gedeckt.

Auch "Die Radprofis" in Sossenheim spüren keine Konkurrenz. "Viele Kunden leihen Mountainbikes für lange Touren aus. Dafür sind die "Callbikes" nicht geeignet", sagt eine Mitarbeiterin. Auch Kinderräder gebe es ja von "Call a Bike" nicht. Nur Bahn&Bike im Hauptbahnhof habe wegen der "Callbikes" weniger Kunden, sagt Mitarbeiter Manfred Enishänsel.

Inzwischen gebe es Bitten aus nicht angeschlossenen Stadtteilen und Unternehmen, sie in das System einzubeziehen, sagt Rauchenberger. "Wenn es sich wirtschaftlich lohnt, machen wir das." Beispielsweise gebe es aus der Bürostadt Niederrad Anfragen, sagt Winn. Die Ortsbeiräte von Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim und Westhausen und von Dornbusch, Eschersheim und Ginnheim haben Verhandlungen mit DB Rent beantragt. SASKIA HEINEN

Unter der Telefonnummer 0800/5225522 kann man sich als Nutzer registrieren lassen. Die Räder kosten je Minute sechs Cent, mit Bahncard oder gegen eine Grundgebühr von 20 Euro vier Cent, jedoch maximal 15 Euro am Tag. Sie können in der Innenstadt, in Bornheim, Bockenheim, Sachsenhausen, im Bahnhofsviertel, Gallusviertel, Nordend, Ostend, Westend ausgeliehen und wieder abgestellt werden.

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