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Business-Coaching im Auto : Der verschlossene Typ fährt SUV

  • -Aktualisiert am

Arbeitsplatz: Michael Biedenbach coacht seine Klienten im Auto. Bild: Röth, Frank

Business-Coach Michael Biedenbach braucht kein Büro: Er berät seine Klienten im Auto - für ihn ein perfekter Ort, um aus dem Alltag auszubrechen.

          Sich in Krisensituationen mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen ist etwas sehr Persönliches. Wer darüber mit einem professionellen Gegenüber spricht, sucht sich daher einen geschützten Raum. Das muss nicht immer ein Büro oder ein Zimmer sein. Der Business-Coach Michael Biedenbach verlegt den Ort seiner Gespräche gerne ins Auto. Beschäftigt man sich etwas eingehender mit der Branche, liegt das nah. Denn das Wort „Coach“ stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Kutsche“, ist also ein Mittel, um sich fortzubewegen oder voranzukommen - im doppelten Sinne.

          Für Michael Biedenbach ist das Cockpit eines Autos noch mehr. Er sieht darin einen vom Alltag losgelösten Raum und zugleich einen Ort, der öffnet. „Das Auto weckt bei uns Emotionen, beim Fahren fühlen wir uns oft frei, dabei kommen leichter Dinge an die Oberfläche, die ich fürs Coaching nutzen kann“, sagt er. Besonders stark seien die Gefühle, wenn der Gesprächspartner hinter dem Steuer eines Wagens sitze, den er schon immer gern einmal habe fahren wollen.

          Eine Stunde Beratung im Porsche für 300 Euro

          „Traumwagen-Coaching“ nennt der Bad Homburger das Geschäftsmodell und sagt, er habe Vergleichbares weder in Deutschland noch weltweit finden können. Auf dem unübersichtlichen Markt für Coaching sei es wichtig, sich eine Nische zu suchen und etwas Besonderes zu bieten. Dass er schon als Kind Autos liebte und heute gerne Sportwagen fährt, brachte ihn auf die Idee. Im Vorgespräch können sich seine Klienten ihren Traumwagen aussuchen. Er besorgt ihn dann für eine gemeinsame Tour. Das kann ein Oldtimer für eine einstündige Fahrt durch den Taunus sein oder ein Lamborghini für ein Wochenende, an dem es bis runter nach Italien geht. Eine Stunde in einem Porsche 911 durch den Taunus mit Gesprächsbegleitung kostet 299 Euro.

          Unternehmer und Führungskräfte aus ganz Deutschland sind seine Klienten, viele aus Banken und aus dem Vertrieb, in dem er selbst 20 Jahre lang tätig war, bis er sich zum Coach ausbilden ließ. Doch Biedenbachs Kunden sind nicht nur die typischen Sportwagen-Fahrer, manchmal sind es auch Nostalgiker. Mit einer Klientin ist er kürzlich in einer roten Ente, also einem Citroën 2CV, nach Marburg gefahren. Dort hatte sie einst studiert und dieses Auto gefahren. Auf den Spuren der Vergangenheit führte das Gespräch wie von selbst zu unerfüllten Lebensträumen und unbewussten Erwartungen. Einen IT-Unternehmer dagegen reizte die Geschwindigkeit. Er setzte sich auf der Rennstrecke in Spa in einen Porsche GT3 RS. Das Mental-Coaching fand auf der Hin- und Rückfahrt statt. „Er war danach so voller Adrenalin, da ist viel passiert.“

          Biedenbach arbeitet mit unterschiedlichen Techniken wie der systemischen Familienaufstellung und „Facereading“, bei dem er von der Gesichtsform auf Charaktereigenschaften schließt. Alles andere sei Intuition. „Ich gehe ganz unvoreingenommen in ein Gespräch hinein und vertraue darauf, dass etwas hochkommt.“ Tipps oder Urteile gebe er ohnehin nicht ab. Er schaffe nur Raum für eigene Erkenntnisse, sagt er. Selbst die Wahl des Traumwagens sagt dem Coach etwas über die Persönlichkeit des Fahrers. Ein Cabrio-Typ sei vom Charakter her offen und extrovertiert. „Ein sehr introvertierter Mensch wählt eher einen SUV, aus dem er aus sicherer Höhe auf die anderen herabschauen kann“, sagt Biedenbach. Mit ihm können die Klienten auch daran arbeiten.

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