08.09.2008 · Die Solartochter des Mainzer Glaskonzerns Schott strebt an die Börse. Obwohl das „Umfeld nicht besonders aufregend“ ist, wie der Chef sagt. Doch setzt er darauf, dass das Geschäftsmodell zieht und Schott Solar auch in Amerika viel Erfolg haben wird.
Von Thorsten WinterAm Himmel über dem Japan-Center in Frankfurt ziehen nur Schönwetterwolken vorüber, ein paar Fußminuten weiter herrscht an der Börse nach heftiger Talfahrt fast eitel Sonnenschein. Ein Montag wie bestellt für ein Unternehmen aus der Solarbranche, das an die Börse will. So wie Schott Solar, Alzenauer Tochter des Mainzer Glaskonzerns Schott, der für Ceran-Kochfelder bekannt ist. Zwar mangelt es nicht an Solarwerten auf dem Kurszettel. Allein im Tec-Dax tummeln sich schon acht Unternehmen, mit deren Produkten sich aus Sonnenstrahlen Strom oder Wärme gewinnen lässt. Und in ein paar Tagen wird der Index noch mehr zum „Sonnen-Dax“, wenn zwei weitere Photovoltaik-Werte in den Index aufrücken. Dennoch stößt der Börsengang von Schott Solar auf großes Interesse: Einige Dutzend Gäste verfolgen die Firmenpräsentation durch den Vorstand im Japan-Center.
Vorstandschef Martin Heming wirkt mit seinem Vollbart und der randlosen Brille ohnehin eher gemütlich. Bei seiner Rede gibt er sich im schwarzen Anzug und weißen Hemd mit einer kirschroten Krawatte als Farbtupfer betont unaufgeregt. Während er sich mit der linken Hand leicht am Pult abstützt und die rechte Hand locker in der Hosentasche ruht, skizziert er die Geschäftsfelder der Schott Solar AG, ihre Wachstumspläne, die Verwendung der Erlöse aus dem Börsengang. Demnach steht Heming einem Branchenpionier vor, der seit 50 Jahren in Solartechnik macht: „Wir sind in Photovoltaik eingestiegen, als das Barrel Öl 17 Dollar gekostet hat.“ Derzeit kostet das Fass rund 105 Dollar.
Führender Anbieter für die solarthermische Stromerzeugung
Schott Solar versteht sich als führender Anbieter von wesentlichen Bauteilen für Kraftwerke für die solarthermische Stromerzeugung, sogenannten Receivern. Zudem entwickelt, fertigt und vermarktet das Unternehmen außer Solarzellen auch Photovoltaikmodule und andere Produkte, mit denen sich Sonnenstrahlen in nutzbare Energie umwandeln lassen.
Auf dem Receiver-Markt sieht Schott nur in Israel einen Konkurrenten. Bei den Photovoltaik-Produkten muss sich das Unternehmen aber mit vielen Mitbewerbern messen. Dessen ungeachtet ist dieses Geschäftsfeld noch das weitaus größere: In den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahrs erlöste Schott Solar mit der Photovoltaik 256 Millionen Euro – bei einem Gesamtumsatz von 311,1 Millionen Euro, gut die Hälfte davon spielte Schott in Deutschland ein. 55 Millionen Euro entfielen auf Receiver. Zum Vergleich: Vor Jahresfrist betrugen die Erlöse mit Photovoltaik-Produkten 183 Millionen Euro bei Umsätzen von 212,4 Millionen Euro. Dabei erwartet Schott starkes Wachstum gerade bei Receivern.
Unaufgeregt spricht nach dem Chef auch Jürgen Kaiser-Gewerns, der fürs Geld zuständig ist: „Sie sehen einen zufriedenen Finanzvorstand.“ Beide Geschäftsfelder sind profitabel, wie er hervorhebt. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 26,1 Millionen Euro in den ersten drei Quartalen, wobei das dritte Quartal besonders stark war. Dies soll „keine Eintagsfliege“ bleiben. Schließlich will auch Schott in den „Sonnen-Dax“.
800 der 1450 Mitarbeiter arbeiten in Deutschland
Das Unternehmen, das 800 seiner 1450 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt und die Zentrale von Alzenau nach Mainz verlegt, will an allen Standorten Personal aufbauen. Heming gibt zu, dass Wachstum hierzulande an der Förderung wie den Einspeisevergütungen für Solarstrom hängt. Doch werde die Branche nach 2020 keine Subventionen mehr benötigen, sagt er voraus. Derweil winken staatliche Anreize in den Vereinigten Staaten von Amerika: Barack Obama, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, will Abermilliarden in erneuerbare Energien pumpen. Am Freitag besuchte er ein Schott-Werk in Pennsylvania und hielt dort eine im Fernsehen übertragene Rede. Und wenn Obama nicht Präsident wird? Auch für diesen Fall ist Schott zuversichtlich: Auch die Republikaner wollen erneuerbare Energien steuerlich begünstigen, wie Heming sagt.