11.03.2010 · Was die Zahnbürste nicht mehr schafft, versucht beim Bleaching die Chemie: Zähne weiß machen. Zahnärzte bieten es an und spezielle Studios. Die Preise sind unterschiedlich.
Von Petra KirchhoffZähne haben viele schlechte Eigenschaften. Nicht nur, dass sie Löcher bekommen und irgendwann ausfallen, sie dunkeln im Laufe des Lebens auch nach. Das hängt mit dem dünner werdenden Zahnschmelz zusammen. Verdunkelungsgefahr kommt aber auch von Farbstoffen aus Kaffee, Tee, Rotwein und Zigarettenrauch, die sich im Zahnschmelz ablagern.
In Zeiten, in denen sich Menschen Körperhaare ausrupfen, Falten wegspritzen und Acryl auf Fingernägel pinseln lassen, wird das natürlich nicht ohne weiteres hingenommen. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande die ersten Bleaching-Studios nach amerikanischem Vorbild aufmachten. Knapp zehn Jahre ist das her.
Gutes Zusatzgeschäft
Reine Bleaching-Studios sind heute aber nur noch selten zu finden. Sie gelten in der Unterhaltung als zu teuer. Oft bieten Zahnarztpraxen, die sich auf ästhetische Zahnheilkunde spezialisiert haben, das Bleaching an. So auch Zahnarzt Robert Weinreich, der einen separaten Versuch mit einer Bleaching-Lounge am Opernplatz in Frankfurt wieder aufgegeben hat und inzwischen in seiner Zahnarztpraxis bleicht. Aber auch konventionelle Zahnärzte fertigen, wie man auf Anfrage erfährt, Schienen an, in die sich Patienten zu Hause das Bleichgel füllen. Das Zusatzgeschäft nimmt jeder gerne mit.
Eher eine Ausnahme in der Branche ist Manuela Knappmann, Zahnmedizinische Fachassistentin, die an der Nordendstraße in Frankfurt ein kleines Studio (Smiling Point) betreibt und so ungewöhnliche Dienstleistungen anbietet wie eine kosmetische Zahnreinigung nur für die Frontzähne oder eine Reinigung der dritten Zähne. Knappmann hat sich, wie sie zugibt, das Geldverdienen mit Zahnkosmetik leichter vorgestellt. Nach wie vor arbeitet sie parallel als Bleacherin für Zahnarztpraxen.
Preise zwischen 300 und 800 Euro
Genau dort sieht die Landeszahnärztekammer Hessen, die 4300 Zahnärzte im Bundesland vertritt, das Zähnebleichen auch am besten aufgehoben. Denn beim Bleaching könnten unbehandelte kariöse Zähne beschädigt werden. Das Weißmachen funktioniert so: Wasserstoffperoxid oder Carbamidperoxid wird auf die Zähne gepinselt. Dunkle Pigmente, die sich angelagert haben, oxidieren dadurch, die Färbung verschwindet.
Das gilt aber nur für gesunde und eigene Zähne. Künstliche Zähne und auch Kunststofffüllungen lassen sich nicht aufhellen, so dass das Bleichen bei diesen Zähnen zu einem fleckigen Resultat führt. Dies alles gilt es zu bedenken, bevor man den Eingriff plant und viel Geld ausgibt. Die Preise liegen zwischen 300 und 800 Euro. Das günstigste Angebot in Frankfurt fanden wir für 299 Euro inklusive professioneller Zahnreinigung.
Diese empfiehlt Uwe Niekusch grundsätzlich vor jedem Bleaching. Niekusch ist Zahnarzt bei der Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit in Heidelberg, die im Zuge des Modellprojekts "Unabhängige Patientenberatung Deutschland" für Verbraucherfragen zuständig ist. Für unerlässlich hält Niekusch auch, Aufhellungspläne zunächst mit dem Zahnarzt zu besprechen und Bedenken wegen vorgeschädigter Zähne abzuklären. Dies muss nach Meinung des Verbraucherberaters aber nicht bedeuten, dass es der Zahnarzt anschließend auch macht.
Gesundheitlich unbedenklich
Ob Anbieter eine Zahnreinigung in einem ersten Gespräch empfehlen, sollte für Verbraucher ein Entscheidungskriterium sein. Ein Zertifikat zur Beurteilung von Bleaching-Anbietern gibt es leider nicht. Die Deutsche Gesellschaft für ästhetische Zahnheilkunde hatte im vergangenen Jahr in einem F.A.Z-Artikel kritisiert, dass viele ihrer Kollegen zwar ästhetische Behandlungen anböten, sich aber sich nur wenige dafür weiterbildeten und spezialisierten.
Die Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit stuft Bleaching bei korrekter Anwendung grundsätzlich als gesundheitlich unbedenklich ein. Die Überempfindlichkeit von Zähnen sei in der Regel nur von kurzer Dauer. Dies gelte auch für einen möglichen Härteverlust des Zahnschmelzes, dem mit Fluorid beizukommen sei. Aufpassen sollten dagegen Patienten bei allergischen Reaktionen.
Skepsis bei Licht und Laser
Skeptisch beurteilt Niekusch Bleichverfahren mit speziellen Lampen und Laserlicht, auch Power-Bleaching genannt. Dies führe nach neueren Erkenntnissen zu einer Erhitzung der Zähne. Unter Umständen werde das Zahnfleisch geschädigt. Außerdem sei nicht erwiesen, dass das Ergebnis besser ausfalle als ohne Licht. Diese Meinung vertritt auch Steffen Tschackert, Inhaber einer auf Zahnästhetik spezialisierten Praxis an der Goethestraße, der beim Bleaching auf Licht verzichtet. Die Landeszahnärztekammer spricht sich für keine bestimmte Methode aus. "Die jeweilige Methode hängt von der vorangegangenen Befunderhebung durch den Zahnarzt und die individuellen Bedürfnisse des Patienten ab", heißt es.
Informationen zum Thema Bleaching gibt es bei der Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit im Internet unter www.agz-rnk.de und telefonisch unter der Nummer 0 62 21/5 22 18 11. Das Beratungstelefon der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland ist gebührenfrei unter der Nummer 0 80 00/11 77 22 zu erreichen.
Kosmetik für die Zähne
Bleaching (Bleichen) ist ein biochemischer Prozess, bei dem Zähne mit Hilfe von Wasserstoffperoxid aufgehellt und Verfärbungen aufgelöst werden. Zahnärzte und spezielle Studios bieten es an. Dort kostet das Bleichen, das bei richtiger Handhabung und gesunden Zähnen als unbedenklich gilt, im Schnitt zwischen 300 und 800 Euro. Die Kassen beteiligen sich daran nicht. Füllungen, Kronen und Brücken lassen sich nicht aufhellen. Empfohlen wird vorher grundsätzlich eine professionelle Zahnreinigung.
Nicht für die Ewigkeit
Auch zu Hause wird gebleicht. Dafür fertigt der Zahnarzt eine Zahnschiene aus Kunststoff an, in die der Verbraucher das Bleichmittel füllt und über mehrere Wochen regelmäßig trägt. Die Kosten hierfür beziffert die Landeszahnärztekammer Hessen mit 150 bis 250 Euro pro Kiefer. Zudem gibt es spezielle Zahnweiß-Präparate wie etwa beschichtete Folien, die auf die Zahnfront geklebt werden. 56 Stück (White-Strips) kosten in der Apotheke um die 45 Euro.
Für die Ewigkeit sind auch aufgehellte Zähne nicht. Abhängig von der jeweiligen Pflege und Ernährung ist nach zwei bis vier Jahren der alte Farbzustand wieder erreicht. (hoff.)