Home
http://www.faz.net/-gzg-748io
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bio-Händler Alnatura geht auch in „Katzensprunglagen“

Bio-Lebensmittler Alnatura aus Bickenbach überschreitet erstmals die Grenze von 500 Millionen Euro Umsatz. Noch in diesem Dezember soll eine weitere Filiale in Frankfurt, die sechste, öffnen.

© dapd Vergrößern Alnatura ist weiter auf Wachstumskurs

Nein, wenn Alnatura neuerdings mit dem Einzelhandelskonzern Migros zusammenarbeite, dann sei das kein Vorlauf für eine Übernahme der Bickenbacher durch die Schweizer. Dies hob Götz Rehn in Frankfurt hervor. Zweck der Kooperation, so fuhr der Gründer von Alnatura fort, seien vielmehr die Expansionspläne seines Hauses für die Schweiz. Und da sei Alnatura in der Schweiz als ausländisches Unternehmen auf einen starken einheimischen Partner angewiesen, um überhaupt an attraktive Ladenlokale zu kommen. Eine erste Filiale ist schon eröffnet - in Zürich-Höngg.

Jochen Remmert Folgen:  

Dessen ungeachtet hat Migros durchaus Interesse an Übernahmen in Deutschland. So hat sich der Konzern erst vor einem Monat die Märkte des Lebensmittlers Tegut in Fulda, einem der ganz wichtigen Vertriebspartner von Alnatura, einverleibt. Für Rehn ist das aber kein Weg: Zahlungskräftige Interessenten gebe es für Alnatura immer - er denke aber nicht daran, zu verkaufen. Denn was er für Mensch und Umwelt tun wolle, könne am besten mit Alnatura erreichen.

Umsatzplus von acht Prozent geplant

Finanzielle Gründe, wie sie bei Tegut eine Rolle spielten, gibt es bei Alnatura ausweislich der guten Zahlen auch nicht, die Rehn für das Unternehmen vorlegen konnte, das er vor 25 Jahren gegründet hat. Denn im Geschäftsjahr, das zum 30. September abgelaufen ist, erwirtschaftete Alnatura einen Umsatz von 516 Millionen Euro. Das bedeutet eine Steigerung um elf Prozent im Vorjahresvergleich. Damit habe man sich deutlich besser entwickelt als der deutsche Lebensmittelhandel insgesamt, sagte Rehn weiter. Für das neue Geschäftsjahr geht er - bei konservativer Schätzung - von einem Umsatzanstieg um acht Prozent aus, fügt aber sogleich hinzu, dass es bei Alnatura keine verbindlichen Zielvorgaben wie in gewöhnlichen Handelsunternehmen gebe.

Zurzeit arbeiten 1810 Frauen und Männer bei Alnatura, im vorherigen Geschäftsjahr waren es noch 1660, ein Plus von 9Prozent also. Am Ende des gerade angelaufenen Geschäftsjahres werden es den Planungen zufolge 1950 sein.

Alleine in Hessen zählt der Händler 630 Beschäftigte, in der Zentrale in Bickenbach, in Alsbach und im Zentrallager in Lorsch sind es zusammen 350. Hinzu kommen die 280 Mitarbeiter in den 14 hessischen Filialen. Erfreut berichtete Rehn davon, dass in Bickenbach in jedem Jahr zwischen 10000 und 12000 Bewerbungen einträfen. Auf eine offene Stelle bewürben sich bis zu 200 Interessenten.

Alle Filialen der Handelspartner zusammengenommen, können Kunden in 3325 Märkten Alnatura-Produkte kaufen. Neben dem Vertrieb über Lebensmitteleinzelhändler wie eben Tegut oder Globus und Drogerieketten wie DM, verkauft Alnatura aber die inzwischen 1060 Produkte des Sortiments auch in immer mehr eigenen Dependancen. 70sogenannte Super-Natur-Märkte in 39 Städten sind es derzeit. Geht es nach Rehns Wünschen, werden es Ende des Geschäftsjahres 2012/2013 etwa 80 reine Alnatura-Märkte sein. Allerdings ist es für das Haus, wie für andere Einzelhandelsunternehmen auch, nicht eben leicht, in den Lagen, die erste Wahl wären, freie oder freiwerdende Ladenlokale aufzutun.

Modernisieren, Energiekosten senken

In Frankfurt hat das aber offenbar einmal mehr funktioniert. Hier soll noch in diesem Dezember ein sechster Markt eröffnen, diesmal an der Großen Bockenheimer Straße, nahe der Alten Oper. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist in Rhein-Main zudem eine Alnatura-Markt in Darmstadt hinzugekommen, der dritte in dieser Stadt. In Hessen ist Alnatura alles in allem 14 Mal mit einem eigenen Geschäft vertreten.

Bisweilen versuche man auch, in „Katzensprunglagen“ Fuß zu fassen, also nahe der eigentlichen Ideallage. In solchen Fällen brauche es bisweilen etwas länger, bis sich die betreffende Filiale etablieren und rentabel arbeiten könne, erläuterte Rehn. Wenn er aber in ein bestimmtes Quartier wolle und keine andere Chance habe, dann gehe Alnatura auch diesen Weg der Expansion.

Die Bickenbacher investieren nicht nur in neue Läden, sondern auch in die Modernisierung bestehender Filialen. Darunter waren zuletzt solche in Frankfurt, Darmstadt und in Mainz. Mit dem neuen Ladenkonzept will das Haus die Attraktivität für Kunden erhalten, aber auch den Energieverbrauch senken. Das gelingt offenbar wie geplant: In der ersten auf diese Weise umgestalteten Dependance verbrauche man nun fast ein Drittel weniger Energie, berichtete Rehn erfreut.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schweizer Verlage Die Währung und die Bücher

Eine Drohung steht im Raum: Die Frankfurter Buchmesse könnte ohne die Schweiz stattfinden. Die eidgenössischen Verlage verzweifeln am teuren Franken und hoffen auf den Staat. Mehr Von Jürg Altwegg, Genf

18.04.2015, 20:16 Uhr | Feuilleton
Fest im Sattel Das Fahrrad als Design-Objekt

Für viele Menschen ist das Fahrrad auch Ausdruck eines nachhaltigen Lebensstils geworden. Passend zu diesem Lebensgefühl gibt es auf dem Markt viele neue Modelle – zum Beispiel aus Bambus. Mehr

14.04.2015, 19:54 Uhr | Stil
Druck in Britannien Aldi und Lidl brocken Tesco Milliardenverlust ein

Die deutschen Discounter Aldi und Lidl haben in Großbritannien einen Preiskrieg entfacht. Der britischen Supermarktkette Tesco macht das schwer zu schaffen: Sie verbucht den größten Verlust ihrer Firmengeschichte. Mehr

22.04.2015, 11:21 Uhr | Wirtschaft
Frankfurt Wochenstart an der Börse: Der Dax gibt nach

Der deutsche Leitindex verlor diese Woche 0,7 Prozent auf 11.955 Zähler. Börsianer gingen allerdings davon aus, dass der Markt seine jüngste Rekordjagd schon bald wieder aufnehmen könnte. Mehr

23.03.2015, 14:36 Uhr | Finanzen
Wahlen in Finnland Heimweh nach Helsinki

Der frühere EU-Kommissar Olli Rehn kehrt nach vielen Jahren in Brüssel wieder in die finnische Politik zurück. Seine Zentrumspartei liegt in den Umfragen vorn. Am Sonntag wählen die Finnen. Mehr Von Ann-Dorit Boy, Helsinki

18.04.2015, 13:17 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.11.2012, 18:30 Uhr

Neue Leidtragende an der Odenwaldschule

Von Werner Breunig

Nach Beginn der Abwicklung der Odenwaldschule geht es um Hilfe für die neuen Leidtragenden. Was geschieht mit den Schülern, die in die dreizehnte Klasse kommen? Nur auf den ersten Blick liegen Lösungen für die 69 externen Schüler vor. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --