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Bio-Händler Alnatura geht auch in „Katzensprunglagen“

 ·  Bio-Lebensmittler Alnatura aus Bickenbach überschreitet erstmals die Grenze von 500 Millionen Euro Umsatz. Noch in diesem Dezember soll eine weitere Filiale in Frankfurt, die sechste, öffnen.

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Nein, wenn Alnatura neuerdings mit dem Einzelhandelskonzern Migros zusammenarbeite, dann sei das kein Vorlauf für eine Übernahme der Bickenbacher durch die Schweizer. Dies hob Götz Rehn in Frankfurt hervor. Zweck der Kooperation, so fuhr der Gründer von Alnatura fort, seien vielmehr die Expansionspläne seines Hauses für die Schweiz. Und da sei Alnatura in der Schweiz als ausländisches Unternehmen auf einen starken einheimischen Partner angewiesen, um überhaupt an attraktive Ladenlokale zu kommen. Eine erste Filiale ist schon eröffnet - in Zürich-Höngg.

Dessen ungeachtet hat Migros durchaus Interesse an Übernahmen in Deutschland. So hat sich der Konzern erst vor einem Monat die Märkte des Lebensmittlers Tegut in Fulda, einem der ganz wichtigen Vertriebspartner von Alnatura, einverleibt. Für Rehn ist das aber kein Weg: Zahlungskräftige Interessenten gebe es für Alnatura immer - er denke aber nicht daran, zu verkaufen. Denn was er für Mensch und Umwelt tun wolle, könne am besten mit Alnatura erreichen.

Umsatzplus von acht Prozent geplant

Finanzielle Gründe, wie sie bei Tegut eine Rolle spielten, gibt es bei Alnatura ausweislich der guten Zahlen auch nicht, die Rehn für das Unternehmen vorlegen konnte, das er vor 25 Jahren gegründet hat. Denn im Geschäftsjahr, das zum 30. September abgelaufen ist, erwirtschaftete Alnatura einen Umsatz von 516 Millionen Euro. Das bedeutet eine Steigerung um elf Prozent im Vorjahresvergleich. Damit habe man sich deutlich besser entwickelt als der deutsche Lebensmittelhandel insgesamt, sagte Rehn weiter. Für das neue Geschäftsjahr geht er - bei konservativer Schätzung - von einem Umsatzanstieg um acht Prozent aus, fügt aber sogleich hinzu, dass es bei Alnatura keine verbindlichen Zielvorgaben wie in gewöhnlichen Handelsunternehmen gebe.

Zurzeit arbeiten 1810 Frauen und Männer bei Alnatura, im vorherigen Geschäftsjahr waren es noch 1660, ein Plus von 9Prozent also. Am Ende des gerade angelaufenen Geschäftsjahres werden es den Planungen zufolge 1950 sein.

Alleine in Hessen zählt der Händler 630 Beschäftigte, in der Zentrale in Bickenbach, in Alsbach und im Zentrallager in Lorsch sind es zusammen 350. Hinzu kommen die 280 Mitarbeiter in den 14 hessischen Filialen. Erfreut berichtete Rehn davon, dass in Bickenbach in jedem Jahr zwischen 10000 und 12000 Bewerbungen einträfen. Auf eine offene Stelle bewürben sich bis zu 200 Interessenten.

Alle Filialen der Handelspartner zusammengenommen, können Kunden in 3325 Märkten Alnatura-Produkte kaufen. Neben dem Vertrieb über Lebensmitteleinzelhändler wie eben Tegut oder Globus und Drogerieketten wie DM, verkauft Alnatura aber die inzwischen 1060 Produkte des Sortiments auch in immer mehr eigenen Dependancen. 70sogenannte Super-Natur-Märkte in 39 Städten sind es derzeit. Geht es nach Rehns Wünschen, werden es Ende des Geschäftsjahres 2012/2013 etwa 80 reine Alnatura-Märkte sein. Allerdings ist es für das Haus, wie für andere Einzelhandelsunternehmen auch, nicht eben leicht, in den Lagen, die erste Wahl wären, freie oder freiwerdende Ladenlokale aufzutun.

Modernisieren, Energiekosten senken

In Frankfurt hat das aber offenbar einmal mehr funktioniert. Hier soll noch in diesem Dezember ein sechster Markt eröffnen, diesmal an der Großen Bockenheimer Straße, nahe der Alten Oper. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist in Rhein-Main zudem eine Alnatura-Markt in Darmstadt hinzugekommen, der dritte in dieser Stadt. In Hessen ist Alnatura alles in allem 14 Mal mit einem eigenen Geschäft vertreten.

Bisweilen versuche man auch, in „Katzensprunglagen“ Fuß zu fassen, also nahe der eigentlichen Ideallage. In solchen Fällen brauche es bisweilen etwas länger, bis sich die betreffende Filiale etablieren und rentabel arbeiten könne, erläuterte Rehn. Wenn er aber in ein bestimmtes Quartier wolle und keine andere Chance habe, dann gehe Alnatura auch diesen Weg der Expansion.

Die Bickenbacher investieren nicht nur in neue Läden, sondern auch in die Modernisierung bestehender Filialen. Darunter waren zuletzt solche in Frankfurt, Darmstadt und in Mainz. Mit dem neuen Ladenkonzept will das Haus die Attraktivität für Kunden erhalten, aber auch den Energieverbrauch senken. Das gelingt offenbar wie geplant: In der ersten auf diese Weise umgestalteten Dependance verbrauche man nun fast ein Drittel weniger Energie, berichtete Rehn erfreut.

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