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Bildung Frankfurt wird zum Zentrum der Finanzwissenschaft

14.03.2005 ·  Das „House of Finance“ und die „Hochschule für Bankwirtschaft“ möchten in die Spitzenliga der internationalen „Business Schools“ aufsteigen. Der ideale Standort ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Von Benedikt Fehr
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Konkurrenz belebt das Geschäft. Mit ungeahntem Elan nutzen die beiden Frankfurter Universitäten den Umbruch im deutschen Hochschulwesen, um die europäische Bankenmetropole zu einem Mekka der modernen Finanzwissenschaft zu machen.

Die Johann Wolfgang Goethe-Universität baut dazu das „House of Finance“ als ein Kompetenzzentrum für alle Fachgebiete rund ums Thema Geld auf; als Teil dieses Projekts ist Ende Februar mit der „Goethe Business School“ eine privat finanzierte Institution für die Weiterbildung von Managern gestartet. Ähnlich ambitioniert legt die private „Hochschule für Bankwirtschaft“ (HfB) von Herbst an vier neue „Master“- sowie zwei Doktoranden-Studiengänge auf. Zu den Forschungs- und Ausbildungsschwerpunkten der HfB, die unlängst den Rang einer Universität zuerkannt bekommen hat, zählt das rasch an Bedeutung gewinnende Feld „Quantitative Finance“.

Das Pfund des Standortvorteils

Beide Hochschulen haben sich zum Ziel gesetzt, in die Spitzenliga der internationalen „Business Schools“ aufzusteigen. Dazu nutzen sie entschlossen die Chancen, die der tiefgreifende Umbau des deutschen Hochschulwesens bietet: rasche Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse, das Angebot neuer Studiengänge und die Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen. Zudem wuchern nun beide Hochschulen mit dem Pfund ihres einmaligen Standortvorteils: der Nähe zu der Vielzahl von Finanzdienstleistern in Frankfurt, dem führenden Bankenplatz in Kontinentaleuropa. Der enge Kontakt zwischen Wissenschaft und Praxis kommt allen Beteiligten zugute, Studenten, Wissenschaftlern, Banken, Börsen, Investmentfonds, Ratingagenturen sowie Institutionen wie Bundesbank, Europäischer Zentralbank und dem EU-Ausschuß für Versicherungsaufsicht. Allerdings: Vieles steht in Frankfurt erst am Anfang, ist bislang bloß Zukunftsmusik. Bis zum Anschluß an die internationale Spitzenklasse ist der Weg noch weit und steinig.

Das „House of Finance“ ist gleichermaßen ein räumliches und ein organisatorisches Konzept. Räumlich ganz im realen Sinne: Demnächst sollen auf dem neuen, großzügig-grünen Campus im Frankfurter Westend die Arbeiten an einem Institutsneubau beginnen. Der Komplex, dessen Kosten auf 25 Millionen Euro veranschlagt werden, wird moderne Hör- und Seminarsäle, eine Bibliothek sowie Arbeitsräume für Wissenschaftler beherbergen. Nach dem Vorbild angelsächsischer Elite-Universitäten soll die Ausstattung hohen Ansprüchen genügen.Schließlich will man aus aller Welt sowohl erstklassige Professoren als auch Top-Studenten anlocken. Zudem sollen sich hier auch gestandene Manager im Armani-Anzug fortbilden.

Universität Frankfurt hat den Wettlauf gewonnen

Als organisatorisches Konzept sieht das „House of Finance“ die Zusammenführung mehrerer Fachdisziplinen vor. Schon jetzt lehren und forschen am Frankfurter Fachbereich Wirtschaftswissenschaften rund ein Dutzend Professoren zu Themen wie „Finanzen“ und „Geld und Währung“. Dem Dekan ist es dabei gelungen, mehrere renommierte junge Wissenschaftler nach Frankfurt zu holen, wobei viel Wert auf internationale Erfahrung gelegt wurde. Das spiegelt sich darin, daß die Frankfurter Wirtschaftsfakultät in den deutschen Ranglisten zur Forschungsqualität nun in der Spitzengruppe liegt.

Vermutlich noch in diesem Jahr kommen drei weitere Forschungslehrstühle hinzu. Sie werden von der Stiftung „Geld und Währung“ der Bundesbank in den nächsten zehn Jahren mit jährlich einer Million Euro finanziert. Die Universität Frankfurt hat sich im Wettlauf um diese Stiftungsprofessuren gegenüber den übrigen deutschen Universitäten durchgesetzt. Dank der vergleichsweise großzügigen finanziellen Ausstattung besteht die Aussicht, Spitzenkräfte von internationalem Format nach Frankfurt zu holen.

Grundlagen des modernen Risikomanagements

Weitere Zimmer im „House of Finance“ belegen fünf Professoren des Fachbereichs Jura, die sich auf Banken- und Kapitalmarktrecht spezialisiert haben. Eingebunden sind ferner das privat finanzierte „Center for Financial Studies“ sowie das „Institute for Law and Finance“. Beide Institute widmen sich bereits seit längerem erfolgreich der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. Ähnliches gilt für das „Frankfurt Math Finance Institute“, in dem sich Mathematiker und Ökonomen insbesondere den Grundlagen des modernen Risikomanagements widmen. Aufgrund der neuen Aufsichtsregeln für Banken (“Basel II“) und Versicherer (“Sovency II“) hat die Industrie großen Bedarf an gut ausgebildeten Spezialisten für dieses Fachgebiet. Zum „House of Finance“ zählt zudem das „E-Finance-Lab“, das zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt betrieben wird. Mit Unterstützung privater Unternehmen will das „Lab“ die hierzulande noch rückständige Industrialisierung des Finanzgewerbes voranbringen.

Im Wettlauf um internationale Anerkennung hat die Wirtschaftsfakultät Frankfurt im Januar einen wichtigen Meilenstein erreicht. Sie erhielt die Akkreditierung durch die AACSB International. In Deutschland noch weitgehend unbekannt, gleicht dies einem Ritterschlag: Die Association to Advance Collegiate Schools of Business - dafür steht die Abkürzung - prüft Business Schools in aller Welt nach strengen Maßstäben auf die Qualität ihrer Dienstleistung (als solche betrachtet man im Ausland die Ausbildungstätigkeit einer privaten Hochschule, die sich über Studiengebühren finanziert). Zur Zeit hat die AACSB, die renommierteste Akkreditierungsorganisation der Welt, ihr Gütesiegel rund um den Globus etwa 500 Wirtschaftsfakultäten erteilt. In Deutschland dürfen neben Frankfurt nur Mannheim und die Handelshochschule Leipzig damit werben. Um die Akkreditierung zu behalten, muß das „House of Finance“ in den nächsten fünf Jahren noch internationaler werden, sowohl was die Studenten und das Lehrpersonal anbelangt als auch hinsichtlich des Angebots von Studiengängen in der internationalen Wirtschaftssprache Englisch.

Maßgeschneiderte Fortbildung nach dem Prinzip Lernen - ein Leben lang"

Als weitere Meilensteine startet die Goethe Business School (GBS) Ende Mai in Zusammenarbeit mit der renommierten amerikanischen Business School „Duke“ ihren ersten Fortbildungslehrgang für Manager, den „Duke Goethe Executive MBA“ (Master of Business Administration). Über diesen berufsbegleitenden Studiengang werden sich 40 bis 60 Manager in knapp zwei Jahren fortbilden, teils in dichtgepackten Wochenendseminaren, teils in „Blockwochen“. Das Programm will höchsten Ansprüchen genügen, was sich im Preis von 46.500 Euro spiegelt. Im Herbst kommt in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsprüfer-Unternehmen KPMG ein weiterer neuer Studiengang hinzu, der „Master of Finance and Accountin“. Damit verwirklicht die GBS ein für Deutschland innovatives Konzept: Erstmals wird ein kompletter Studiengang samt Universitätsabschluß „in-house“, das heißt für die Mitarbeiter eines einzigen Unternehmens (KPMG), angeboten. Die Dozenten sind Uni-Professoren sowie Lehrbeauftragte von KPMG. Das ermöglicht „maßgeschneiderte Fortbildung“ nach dem Prinzip „Lernen - ein Leben lang“. Gelehrt wird an 32 Wochenenden innerhalb von zwei Jahren. Nach den Plänen der GBS soll dieser Studiengang in einiger Zeit als kostenpflichtiger „Prämienstudiengang“ jedermann offenstehen.

Während die GBS erst gerade gestartet ist, ist die 1990 gegründete private „Hochschule für Bankwirtschaft“ (HfB) bereits seit langem am Finanzplatz Frankfurt etabliert und integriert. Auf Initiative mehrerer Großbanken hin gegründet, ist die HfB seit je eng mit der Praxis verbunden - wovon die Studenten in Form attraktiver Stellenangebote profitieren. Seit einiger Zeit arbeitet die HfB daran, „Deutschlands führende, international ausgerichtete Business School“ zu werden. Wichtige Meilensteine auf diesem Weg waren der Aufbau eines Kompetenzzentrums für angewandte Finanzmathematik „Quantitative Finance“), an dem inzwischen fünf Professoren lehren, sowie die Zuerkennung des Promotionsrechts im vergangenen Herbst. Insgesamt lehren an der HfB knapp zwei Dutzend Professoren. Die Zahl der Studenten beträgt rund 900, davon 140 mit dem Ziel eines „Master“-Abschlusses.

Mit Fremdsprachentraining in die Europaliga

Dank ihrer internationalen Ausrichtung hat die HfB früh auf Bachelor- und Master-Studiengänge umgestellt. Die ersten „Bachelors of Business Administration“ haben bereits Ende April 2004 nach sieben Semestern Studium ihre Diplome erhalten. Feste Bestandteile des Angebots sind Fremdsprachentraining, mehrwöchige Auslandsaufenthalte und englischsprachige Studiengänge. Glück hatte die HfB mit der Wahl ihres Standorts im Frankfurter Ostend, unweit der inzwischen ansehnlichen Mainufer-Promenade: Der moderne HfB-Komplex liegt nur einen Steinwurf von dem Areal entfernt, auf dem demnächst der spektakuläre neue Büroturm für die Europäische Zentralbank errichtet wird.

An der HfB sind die Studiengänge teils berufsbegleitend, teils berufsintegriert, widmen sich sowohl der Grundausbildung als auch der Fortbildung. Die Studiengebühren reichen von 4750 Euro je Semester (bei sieben Semestern mit Abschluß Bachelor) bis zu 39900 Euro für den viersemestrigen Master-Studiengang „Frankfurt Executive MB“, der in Kooperation mit dem renommierten britischen „Henley Management College“ abgehalten wird. Im Zuge des angestrebten Aufstiegs in die Europaliga der Business Schools startet die HfB im Herbst vier zusätzliche „Master“-Studiengänge: „Quantitative Finance“, „Tax Accounting and Taxation“, „Insurance“ sowie „Mergers and Acquisition“

Zudem offeriert die HfB von Herbst an zwei mehrsemestrige Doktoranden-Studiengänge. Die HfB unterstreicht damit ihren neuen Status als Universität - womit sich mancher an der Frankfurter Wirtschaftsfakultät noch etwas schwertut. Doch zählt in der neuen Welt der Universitäten allein die Qualität der Dienstleistung - die Ausbildung. Dieser Wettlauf setzt kreative Energien frei. Das wiederum belebt das Geschäft.

Mehr Informationen unter: www.uni-frankfurt.de; www.hfb.de

Quelle: F.A.Z., 12.03.2005, Nr. 60 / Seite 61
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