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Veröffentlicht: 18.03.2017, 14:03 Uhr

Frankfurter Flughafen „Das wird dann knackig voll“

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport verliert 2016 Passagiere und hofft nun auf Billigflieger wie Ryanair. Gute Nachrichten kommen aus dem Ausland.

von , Frankfurt
© dpa Billiger fliegen: Sogenannte Low-Cost-Carrier sollen wieder mehr Passagiere zum Frankfurter Flughafen locken.

Am Frankfurter Flughafen ist die Zahl der Passagiere im vergangenen Jahr um 0,4 Prozent auf 60,8 Millionen gesunken und die Zahl der Flugbewegungen um 1,1 Prozent auf 462.885. Vor allem deshalb ist der Jahresumsatz des Flughafenbetreibers Fraport AG im abgelaufenen Geschäftsjahr um 0,5 Prozent auf 2,59 Milliarden Euro gefallen. Dass der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte gestern bei Vorlage der Geschäftszahlen 2016 trotzdem von einem Rekordergebnis sprechen konnte, ist Einmaleffekten geschuldet. Denn der operative Gewinn, also der vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, stieg 2016 vor allem deshalb um gut 24 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro, weil Fraport eine Entschädigung von 200 Millionen Euro für das gescheiterte Terminalprojekt in Manila auf den Philippinen zugesprochen wurde. Außerdem konnten die Frankfurter 10,5 Prozent der Anteile am Flughafen im russischen SanktPetersburg für 40,1 Millionen Euro verkaufen. Ein Viertel der Anteile hält Fraport weiter.

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Die Rückgänge bei Passagieren und Flugbewegungen in Frankfurt führte Schulte vor allem auf den Trend zu Billigfliegern im kontinentalen Flugverkehr zurück. Frankfurt verliere in erheblichem Maße Passagiere an Köln-Bonn und Stuttgart, also an Flughäfen, die sich schon früher für Discountfliegern wie Ryanair und Wizz geöffnet hätten. Intern ist in Frankfurt von jährlichen Passagierverlusten in niedriger einstelliger Millionenhöhe die Rede. Tatsächlich verfolgt etwa der Flughafen Köln-Bonn schon seit 15 Jahren eine an der Low-Cost-Fliegerei ausgerichtete Strategie. Inzwischen haben die Discountflieger dort einen Marktanteil von 40 Prozent, wie Flughafenchef Michael Garvens unlängst sagte. In Frankfurt liegt der Anteil hingegen – je nachdem, welche Airline man als echte Billigfluglinie zählt – zwischen zwei und vier Prozent. Die harsche Kritik des Hauptkunden Lufthansa an Fraport wegen des Anwerbens von Ryanair wollte Schulte im Detail nicht kommentieren.

Expansion nach Brasilien und Griechenland

Es sei aber doch wohl klar, dass ein Flughafenbetreiber auf die massiven Veränderungen des Marktes in Richtung Niedrigpreisfliegerei reagieren müsse. Deshalb will Schulte Frankfurt nicht nur als Drehkreuz für den Interkontinentalverkehr für Gesellschaften wie die Lufthansa weiterentwickeln, sondern auch zu einem leistungsfähigen Flughafen für den – vorerst noch – vornehmlich kontinentalen Low-Budget-Verkehr ausbauen. Mit den neuen Kunden hofft Fraport, in diesem Jahr die Zahl der Passagiere wieder um bis zu vier Prozent steigern zu können.Welche baulichen Veränderungen die neue Strategie nach sich zieht, sei noch nicht zu sagen, führte Schulte aus. Jedenfalls rechnet man spätestens für 2019 oder 2020 mit einem deutlichen Mehrbedarf an Terminalkapazität. Billig-Airlines wie Ryanair sollen im Terminal 2 untergebracht werden. „Das wird dann dort knackig voll“, sagte Schulte. Es sei deshalb an eine Erweiterung des Bus-Gates im nördlichen Terminal-Areal gedacht. Schulte zufolge zieht man aber auch in Erwägung, ein zusätzliches Pier zu erstellen. Konkreter wollte er nicht werden. Bei Fraport heißt es, dass an eine Art Schnellbau im Süden gedacht ist.

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Dabei könnte man auf das Vorfeld des im Bau befindlichen dritten Terminals zurückgreifen, das zum Großteil schon seit Jahren fertiggestellt und in Benutzung ist. Schulte hob aber hervor, dass Terminal 3 selbst auf keinen Fall ein Billigflieger-Terminal werde. Mit dem neuen Abfertigungsgebäude wolle man gerade was Komfort, Services und Noblesse betrifft, einen neuen Standard für die Branche setzen. Was das Auslandsgeschäft betrifft, zeigte sich Schulte erfreut, dass Fraport tags zuvor den Zuschlag für die beiden brasilianischen Flughäfen Porto Alegre und Fortaleza erhalten hatte. Noch vor Ostern werde man zudem 14 griechische Flughäfen übernehmen. Sorgenkind unter den Auslandsbeteiligungen ist das türkische Antalya. Dort ist die Zahl der Passagiere 2016 um fast ein Drittel abgesackt. Die dort sonst dominierenden russischen Urlauber sind wegen der Sanktionen gegen Russland und der Rubelschwäche ausgeblieben. In beiden Punkten zeichne sich aber Besserung ab, weshalb man in diesem Jahr wieder mit mehr Passagieren rechne, sagte Schulte.

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