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Betriebsrat enttäuscht Aufschub für „Rundschau“

Zwei Investoren haben die Absicht bekundet, die „Frankfurter Rundschau“ zu übernehmen. Von 450 Mitarbeitern sollen wohl nur 30 weiterbeschäftigt werden.

© Fricke, Helmut Insolvenzverwalter Frank Schmitt

Um Zeit für Verhandlungen mit zwei an einer Übernahme interessierten Investoren zu gewinnen, wird die „Frankfurter Rundschau“ bis mindestens 28. Februar weiter erscheinen. Diesen Termin nannte gestern der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Schmitt nach einer Betriebsversammlung. An diesem Donnerstag läuft die für das vorläufige Insolvenzverfahren geltende Dreimonatsfrist ab, innerhalb deren Angebote vorgelegt werden können. Wie Schmitt ausführte, hat man sich mit den bisherigen Gesellschaftern, der Mediengruppe M. DuMont Schauberg und der SPD-Medienholding DDVG, darauf verständigt, den Betrieb einen Monat weiterzuführen. „Wir wollen die Tür offen halten für weitere Gespräche.“

Zwei Investoren haben laut Schmitt die Absicht bekundet, die „Rundschau“ zu übernehmen: der Verlag dieser Zeitung und das türkische Medienhaus Estetik Yayincilik, das zudem die Druckerei weiterführen will. Weitere Interessenten seien wegen des aus ihrer Sicht hohen kaufmännischen Risikos abgesprungen, sagte Schmitt. Mit dem Verlag der F.A.Z. seien die Gespräche schon „sehr weit“. Der wolle die „Rundschau“ in gewohntem Umfang mit etwa 30 Redakteuren weiterführen. „Es soll eine vollwertige Zeitung sein, kein Lokalblatt“, sagte Schmitt. Auch die linksliberale Ausrichtung sei weiterhin gewünscht. Möglicherweise könne der überregionale Teil wie bisher von der „Berliner Zeitung“ zugekauft werden. Schmitt zeigte sich verhalten optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin die ,Frankfurter Rundschau’ am Kiosk sehen.“

Druckerei wird wohl nicht weitergeführt

Das türkische Medienunternehmen Estetik Yayincilik hat sein Interesse bisher nur unverbindlich per E-Mail bekundet, wie Schmitt weiter berichtete. „Der Gläubigerausschuss hält es nicht für tragfähig.“ So habe Estetik Yayincilik für die Übernahme der Büro- und Geschäftsausstattung und des Grundstücks keine Banksicherheiten nennen können.

In jedem Fall würde wohl ein großer Teil der etwa 450 Arbeitnehmer entlassen. „Wir können uns leider keinen Investor schnitzen“, sagte Schmitt. Zur Qualifizierung und Vermittlung der Mitarbeiter, die nicht übernommen würden, werde zum 18. Februar oder 1. März eine Transfergesellschaft gegründet, die die beiden bisherigen „Rundschau“-Gesellschafter mit rund sechs Millionen Euro finanzieren. Sollte der Vertrag mit dem F.A.Z.-Verlag geschlossen werden, würde dieser am 1. März den Betrieb übernehmen.

Die Druckerei in Neu-Isenburg mit etwa 250 Mitarbeitern würde in diesem Fall nicht weitergeführt. Nachdem schon der Springer-Konzern seinen Auftrag gekündigt hatte, geht der Druckerei nun auch der Auftrag des „Handelsblatts“ verloren. In Neu-Isenburg soll die Wirtschaftszeitung noch bis Ende März, die „Frankfurter Rundschau“ bis Ende April gedruckt werden.

Der Betriebsratsvorsitzende Marcel Bathis zeigte sich enttäuscht. „Es sind mindestens 400 Arbeitsplätze gefährdet.“ Anstatt die vermutlich bald auf der Straße stehenden Kollegen für zwölf Monate in einer Transfergesellschaft aufzufangen, hätten die bisherigen Eigentümer nur für sechs Monate Hilfe zugesagt. Auch werde es keine „vernünftige Abfindung“ geben.

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Quelle: rsch./trö., F.A.Z.

 
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