20.03.2009 · Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport wird künftig von Stefan Schulte geführt. Der 48 Jahre alte bisherige stellvertretende Vorstandschef löst zum 1. September Wilhelm Bender ab, der im Spätsommer aus Altersgründen ausscheidet.
Von Jochen RemmertDer Aufsichtsrat der Fraport AG hat den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte am Freitag zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Frankfurter Flughafenbetreibers berufen. Der 48 Jahre alte Schulte soll Wilhelm Bender zum 1. September dieses Jahres an der Fraport-Spitze ablösen. Bender wird dann die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht haben.
Neu in den Vorstand der Fraport aufrücken wird der bisherige Bereichsvorstand für die Bodenverkehrsdienste, Peter Schmitz. Der 58 Jahre alte Schmitz gehört dem Unternehmen des Flughafenbetreibers seit dem Jahr 2001 an. Davor war er mehr als 25 Jahre bei der Luftwaffe als Logistik-Experte tätig, zuletzt als Oberst im Generalstab.
Vorstand soll Fraport durch die Finanzkrise steuern
Der Aufsichtsratsvorsitzende und hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) äußerte in einer Mitteilung, er sei der Ansicht, mit Schulte und Schmitz sowie den weiteren Vorstandsmitgliedern Herbert Mai und Matthias Zieschang stehe eine Mannschaft zur Verfügung, die bestens für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben geeignet sei. Der neue Vorstand sei in der Lage, Fraport unbeschadet durch die Wirtschafts- und Finanzkrise zu steuern und die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Flughafens durch einen zügigen Ausbau zu gewährleisten. Der wirtschaftliche Erfolg sei dabei nicht nur für das Wohlergehen des gesamten Konzerns von entscheidender Bedeutung, sondern in erheblichem Maß auch für die Prosperität der Region und ganz Hessens.
Von Schmitz wie dem gesamten Vorstand erwartet der Aufsichtsrat Weimar zufolge ein tragfähiges Zukunftskonzept für die Bodenverkehrsdienste, das die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärkt und gleichzeitig den Anliegen der Arbeitnehmer gerecht wird. Der Aufsichtsrat setze hohe Erwartungen in die Führungsautorität und Sachkompetenz des neuen Vorstandsmitglieds. Diese Äußerung aus dem Aufsichtsgremium, in dem zur Hälfte Arbeitnehmervertreter sitzen, dürfte als Aufforderung an den Vorstand zu verstehen sein, den sich derzeit abzeichnenden Konflikt um die Tarife der rund 5000 Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste nicht weiter eskalieren zu lassen.
Von Fraport-Chef Bender sprach Weimar als einem „Urgestein unter den Persönlichkeiten der internationalen Airportlandschaft“. Als herausragende Leistungen in seiner Amtszeit nannte Weimar die Umwandlung des Flughafens in ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen, die 2001 mit dem Börsengang abgeschlossen wurde, und den Beginn des Flughafenausbaus. „Wilhelm Bender hat ein Stück erfolgreicher Flughafengeschichte geschrieben. Dafür gebührt ihm unser Dank“, äußerte der Staatsminister.
Sieben Milliarden Euro werden investiert
Der Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers hat sich in der Sitzung noch nicht abschließend auf die Verteilung der Zuständigkeiten im Vorstand festgelegt. Demnach ist auch noch nicht geklärt, welcher der Vorstandskollegen Schultes von September an die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden übernehmen wird. Dem Vernehmen nach soll dafür Arbeitsdirektor Herbert Mai vorgesehen sein.
Schulte sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er ungeachtet der weltweiten Wirtschaftskrise und der rückläufigen Passagierzahlen die Erweiterung des Frankfurter Flughafens um die neue Nordwestlandebahn und das Terminal 3 im Süden des Flughafengeländes für die wichtigste Aufgabe in den nächsten Jahre halte. Fraport wird dafür insgesamt rund sieben Milliarden Euro investieren.