03.07.2009 · Vor allem mittelständische Baufirmen trifft es. Bauunternehmer, deren Auftragsbücher zu Jahresbeginn noch gut gefüllt waren, berichten, dass ihnen die Folgeprojekte abhandenkommen - auch, weil die Finanzierung unsicher geworden ist.
Von Rainer SchulzeVon dem Büroturm an der Eschersheimer Landstraße ist nur noch ein Gerippe übrig. Seit rund einem Monat ruhen die Arbeiten im Frankfurter Nordend, wo ein 74 Meter hohes und fast 40 Jahre altes Hochhaus eine neue Fassade bekommen soll. Doch der Investor und Eigentümer, die Landesbank Baden-Württemberg, hat die Arbeiten nach dem Abbruch der alten Verkleidung eingefroren. „Wir versuchen, durch eine neue Ausschreibung eine Verbesserung der Kosten zu erzielen“, sagt eine Sprecherin. Noch im Sommer soll es auf der Baustelle weitergehen.
Dass Bauvorhaben in Zeiten der Wirtschaftskrise aufgeschoben werden, ist bei Bürogebäuden keine Seltenheit. „Hinter allen Projekten, die noch nicht begonnen wurden, steht ein Fragezeichen“, sagt Carsten Ape, Frankfurter Niederlassungsleiter des Immobilienmaklers CB Richard Ellis. Wegen der Kreditklemme und der allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen warten die Bauherren ab, bis sich die Situation entspannt. Oder die Vorvermietungsrate, von der der Baubeginn abhängt, wird über den früher gewöhnlich bei 30 Prozent liegenden Wert angehoben – zum Teil auf bis zu 50 Prozent.
Wirtschaftsbau
Vor allem mittelständische Baufirmen leiden darunter. Bauunternehmer, deren Auftragsbücher zu Jahresbeginn noch gut gefüllt waren, berichten, dass ihnen die Folgeprojekte abhandenkommen – auch, weil die Finanzierung unsicher geworden ist. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie berichtet von einem Einbruch im Wirtschaftshochbau. „Die Aufträge sind im April deutschlandweit um mehr als 40 Prozent weggebrochen“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Heiko Stiepelmann, der die Talsohle im Baugewerbe erst für 2010 erwartet. Im gesamten Hochbau waren die Aufträge im April fast um ein Viertel rückläufig.
In Hessen sieht die Situation kaum rosiger aus. Im April sind bei den Bauunternehmen 13 Prozent weniger Hochbauaufträge eingegangen als im April 2008. Im Januar sind die Aufträge im Wirtschaftsbau um 53,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen, im Februar gab es ein Minus von 32,7 Prozent. Die Lage zeigte sich im April mit einem Plus von 6,6 Prozent, das vor allem mit Investitionen der Bahn zu erklären ist, etwas freundlicher. Die von der öffentlichen Hand erteilten Aufträge waren in den ersten vier Monaten des Jahres ebenfalls deutlich rückläufig, im Februar sogar um 72,2 Prozent.
Impulse im Tiefbau
Die Hoffnungen des Baugewerbes ruhen zum Teil auf dem Konjunkturpaket II. Es zeichnet sich ab, dass besonders die Handwerksbetriebe von den Investitionen, die in erster Linie in Schulbauten fließen, profitieren werden. Denn da die Kommunen unter Zeitdruck stehen, werden vornehmlich kleinere Reparaturen erledigt, also Fassaden saniert oder Fenster ausgetauscht. Davon profitieren kleinere Handwerksbetriebe im Trockenbau. Dass ganze Turnhallen, Kindertagesstätten oder Schulbauten errichtet werden, ist hingegen eine Seltenheit. Entsprechend dünn wird die Luft für die traditionell mittelständischen Bauunternehmen.
„Wir erleben ein riesiges Hauen und Stechen im Hochbaubereich“, sagt Rainer von Borstel, Hauptgeschäftsführer des hessischen Baugewerbeverbands. Einige Unternehmen, die im ersten Halbjahr noch ausgelastet gewesen seien, hätten nun schon Kurzarbeit angemeldet. Borstel hat die Hoffnung, dass noch „das ein oder andere Projekt“ angeschoben wird. „Aber ich bin skeptisch.“
Noch ist vom Konjunkturpaket II in den Auftragsbüchern nichts zu sehen. Allein im Tiefbau sind erste Impulse der staatlichen Konjunkturhilfe bemerkbar. Im März sind die Aufträge gegenüber dem Vorjahresmonat um 55,6 Prozent gestiegen, im April lag der Wert um 18,5 Prozent über dem des Vorjahres.