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Michael Hauck : Auch in hohem Alter den Finanzplatz fest im Blick

Zufrieden: Michael Hauck engagierte sich jahrzehntelang für die Frankfurter Börse und den Aktienmarkt, publizierte zu wirtschaftlichen Themen, schrieb Aufsätze, Bücher und hielt Vorträge. Bild: Wonge Bergmann

Der Bankier Michael Hauck hatte mit 15 Jahren keine Zukunft. Am Samstag wird er 90. Und ist froh, in diesen Zeiten nicht mehr als Banker zu arbeiten.

          Michael Hauck beginnt mit einem Geschenk und Worten des Bedauerns. Im Wohnzimmer seines Hauses in Sachsenhausen liegt sein neues Buch auf einem kleinen Tisch neben einer bunten Teetasse und einem Teller mit drei Stück Marmorkuchen. Es ist das erste und bisher einzige Exemplar, das davon eingetroffen ist, vor wenigen Minuten erst. „Ich schenke es ihnen“, sagt Hauck. „Ein weiteres Buch wird es von mir nicht geben.“ Das weiße Cover ziert seinen Namen, der Titel „Frankfurter Allerlei – Erlebtes und Erlerntes aus neun Jahrzehnten“ und ein Bild aus dem Jahr 1960, das eine Phantasie von Frankfurt von einem imaginären Blickpunkt hoch über Sachsenhausen aus zeigt. Er hat es selbst gemalt.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Präsent für den Gast ist für ihn eine Selbstverständlichkeit und zugleich der Beweis, dass er sich auch in hohem Alter treu geblieben ist: Hauck präsentiert sich als höflicher, netter Mann, der fröhlich über sein Leben plaudert – nicht langweilig, niemals selbstverliebt, durchaus kritisch, in keinem Moment verletzend und dabei stets unterhaltsam. Sein Buch soll leicht bekömmlich sein und Meinungen, Kritik, Anekdoten liefern. Von alldem gibt es genug in seinem Leben.

          „Ich habe viele Krankheiten überstanden“

          Michael Hauck sitzt in einem gemütlichen Sessel, neben ihm steht ein Rollator, an der Treppe ins Obergeschoss ist ein Lift montiert. Das Aufstehen fällt ihm schwer, er sieht nicht mehr gut, weshalb er das Malen aufgegeben hat und ihm die wichtigsten Medien vorgelesen werden – allen voran diese Zeitung, aus der ihm seine Frau rezitiert, jeden Tag. Auch das Hören fällt ihm schwer. Aber das Gedächtnis funktioniert einwandfrei. Viele Weggefährten, Ereignisse, Daten holt er daraus hervor und gibt sie wieder – nicht selten garniert mit dem Hinweis: „Das war lustig damals.“

          Es sind die schönen Erinnerungen, die hängengeblieben sind, dabei gab es nicht nur solche im Leben von Hauck. Nach dem Krieg, in dem er schon mit 15 Jahren als Flakhelfer, mit 17 als Soldat diente, kam er in französische Gefangenschaft. „Eigentlich hatte ich keine Zukunft“, sagt Hauck. Sein Tagebuch gibt Zeugnis davon, in dem er am 4. Mai 1946 notierte, er dürfe das Lager nicht verlassen. „Wieder nicht. Ich gebe auf.“

          Er gab nicht auf und kehrte zurück als kranker Mann: Tuberkulose. „Ich habe diese Krankheit und viele andere überstanden“, eine Krebserkrankung, einen Schlaganfall. Kürzlich war er erst wieder acht Tage im Krankenhaus, berichtet er und wünscht sich, künftig so wenig Zeit wie möglich dort verbringen zu müssen. Nach dem Krieg holte er das Abitur nach, studierte an der Goethe-Universität in Frankfurt und erhielt ein Stipendium für einen Aufenthalt in Amerika. „Ich hatte das Glück, in dieser Zeit eine Reihe großer Bankiers kennenzulernen“, darunter Siegmund Warburg, Hermann Josef Abs und Albert Hahn, über den Hauck sogar ein Buch verfasste. 1956 trat er als geschäftsführender Gesellschafter in die Bank der Familie, das Bankhaus Hauck, ein, in dem er bis zu seinem Ausscheiden 1993 erfolgreich wirkte. Zwar trägt das Unternehmen „Hauck & Aufhäuser“ mit Hauptsitz in der Frankfurter Kaiserstraße nach wie vor seinen Namen. Anteile daran hält er allerdings nicht mehr. „Ich habe mich überall konsequent rausgezogen.“

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