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Banken Wer Mitarbeiter wirbt, kann einen Smart gewinnen

 ·  Trotz der Finanzkrise sind viele Banken auf der Suche nach guten Mitarbeitern. Von Fachkräftemangel will zwar niemand reden, aber einige Banken beweisen Einfallsreichtum, um an die besten Köpfe zu kommen.

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Bonuszahlungen für besondere Leistungen sind in der Bankbranche gang und gäbe und machen inzwischen bei vielen Angestellten einen großen Teil des Gehalts aus. Dass das Salär aber gleich um ein Auto aufgebessert wird, dafür muss ein Mitarbeiter schon etwas ganz Besonderes bieten – zum Beispiel einen neuen Kollegen. Angestellte der Commerzbank können bis zu 3000 Euro an Bonuszahlungen hinzuverdienen, wenn sie ihrem Arbeitgeber ein fähiges Talent auf eine freie Stelle vermitteln. Wer zwischen November und Ende März einen Bekannten an die Bank vermittelt hat, der dann auch eingestellt wurde, nimmt zudem noch an einer Verlosung teil und gewinnt mit etwas Glück einen Smart.

Das Konzept „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ ist schon alt. Eine Commerzbank-Sprecherin sagt, dass die Aktion in dem Haus schon seit den neunziger Jahren laufe. Zu neuem Leben habe sie aber erst seit ein, zwei Jahren wieder gefunden, seit die wirtschaftliche Entwicklung wieder besser laufe. In den vergangenen zwei Jahren habe man auf diese Weise etwa 200 Mitarbeiter deutschlandweit finden können, für unterschiedliche Positionen im Haus.

„,Mitarbeiter werben Mitarbeiter‘ ist günstiger als ein Headhunter“

Die Vorteile liegen für die Sprecherin auf der Hand: „Die Mitarbeiter kennen das Haus und können sagen, wer in das einzelne Team passt.“ Und auch finanziell lohne sich die Methode für die Bank: „,Mitarbeiter werben Mitarbeiter‘ ist günstiger als ein Headhunter.“ In den nächsten Jahren soll sich die Zahl der Stellen, die auf diese Weise neu besetzt werden, verdoppeln. Für dieses Jahr hat die Commerzbank der Sprecherin zufolge weltweit 1300 Stellen zu besetzen. Die Gebietsfiliale Frankfurt hat angekündigt, dass sie 55 neue Mitarbeiter sucht, vor allem Wertpapierspezialisten, Privat- und Geschäftskundenbetreuer.

Auch die Deutsche Bank setzt laut Kristina Flügel, Projektleiterin Professional Ressources, auf das Konzept „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“. Zwar könne man hier keinen Smart gewinnen, aber die Prämie liege auch hier bei 3000 Euro. Flügel weiß, dass gerade im Private Banking, also dem Geschäft mit vermögenden Kunden, die Konkurrenz der Häuser nicht nur um Kunden, sondern auch um geeignete Berater gewachsen ist. Derzeit stünden etwa 100 Stellen in verschiedenen Geschäftssparten offen.

„In einigen Regionen ist es schwerer, in anderen leichter, geeignetes Personal zu finden“, sagt Flügel. „Aber in Frankfurt ist es immer schwierig.“ Laut Alexander Schneider, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung Region Frankfurt/Hessen-Ost, wurden in seinem Gebiet im vergangenen Jahr 30 Berater eingestellt. Er betont aber: „Wir sind limitiert dadurch, dass wir nicht genug qualifizierte Mitarbeiter finden.“

Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens

Dabei müsste der Arbeitsmarkt für Bankmitarbeiter doch gut gefüllt sein. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi wurden seit dem Jahr 2000 im Kreditgewerbe rund 100.000 Stellen gestrichen. Laut Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes lag die Beschäftigtenzahl in seiner Branche im Jahr 2000 noch bei rund 775.000, 2006 nur noch bei rund 681.000. Im Zuge der Finanzmarktkrise ist zudem vor allem von Investmentbanken von erheblichen Stellenstreichungen zu hören. Allein die Dresdner Bank baut vor allem bei ihrer Investment-Tochter Dresdner Kleinwort derzeit 450 Stellen ab.

Doch Angebot und Nachfrage passen offenbar nicht immer zueinander. Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank, erläutert: „Sie können nicht einfach einen Investmentbanker zu einem Berater für Firmenkunden umschulen. Die sind meist schon von der Mentalität her sehr unterschiedlich.“ Auch in seinem Haus sind derzeit 250 Stellen zu besetzen, insbesondere im Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft. Ein Sprecher versichert zwar, dass man keine Probleme habe, geeignete Bewerber für die Positionen zu finden. Aber auch hier macht man sich Gedanken darum, wie man für die potentiellen Mitarbeiter attraktiver werden kann.

Das Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken will sich dafür mehr als Allfinanzgruppe positionieren. Zur DZ-Bank-Gruppe gehören schließlich neben der Bank selbst auch noch Partner-Institute wie die R+V Versicherung und die Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Wir wollen die Durchlässigkeit verbessern, so dass ein guter Mitarbeiter, der sich zum Beispiel bei uns in einer Abteilung bewährt hat, leichter auf eine freie höhere Stelle bei der Union Investment aufsteigen kann und umgekehrt“, sagt Kirsch.

Klaus Beinke, Leiter der Sparte „Firmenprogramme & Services“ an der Frankfurt School of Finance, weiß, dass immer mehr Banken sich dadurch attraktiver machen wollen, dass sie ihren Mitarbeitern von vornherein aufzeigen, welche Möglichkeiten sie innerhalb des Unternehmens haben können. Beinke organisiert unter anderem Weiterbildungen für Geldinstitute und sagt: „Die Häuser buchen häufig nicht mehr einzelne Seminare, sondern gleich ganze Reihen für einen Mitarbeiter.“ Gerade für die Betreuung vermögender Privatkunden sei sehr „komplexe Beratungskompetenz“ erforderlich, sagt Beinke. Über die Fortbildungsreihen schaffen sich die Banken dann praktisch ihre eigenen Fachkräfte.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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