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Banken Verdi: 15.000 Arbeitsplätze bei Banken gefährdet

09.02.2006 ·  Verdi fordert, daß Banken zu einer „innovations- und wachstumsfördernden Unternehmenspolitik“ zurückkehren sollten und die Belegschaft stabil halten müßten. Die Gewerkschaft rechnet bis 2008 weiter mit Stellenabbau.

Von Christian Siedenbiedel
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Rund 15.000 Arbeitsplätze in den Banken werden nach einer Prognose der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bis 2008 noch wegfallen. Das geht aus einer Befragung von Betriebsräten hervor, die Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong gestern im Frankfurter DGB-Haus vorgestellt hat. Wie bei der Deutschen Bank sei es selbst bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken mittlerweile üblich, daß Stellen abgebaut würden, obwohl die Erträge wieder kräftig stiegen, sagte Foullong. Die Gewerkschaft fordere, daß die Institute zu einer „innovations- und wachstumsfördernden Unternehmenspolitik“ zurückkehrten und zumindest die Belegschaft stabil hielten.

Die Ankündigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, 500 neue Stellen in Deutschland schaffen zu wollen, klinge ja gut, sagte Foullong. Die Gewerkschaft werde jetzt aber genau beobachten, ob den Worten auch Taten folgten. Insgesamt sei noch nicht zu erkennen, daß die höheren Erträge bei den Banken zur einer Verbesserung der Beschäftigungssituation führten. „Im Gegenteil“, so Foullong, „die verbliebenen Mitarbeiter müssen jetzt um so mehr arbeiten - viele sind nur noch kaputt, wenn sie abends nach Hause kommen.“ Man beobachte in der gesamten Branche eine „Trendwende bei den Worten, nicht bei den Taten“.

Im vergangenen Jahr sind nach Verdi-Schätzungen rund 13.000 Arbeitsplätze im deutschen Kreditgewerbe gestrichen worden. Von 2000 bis 2004 seien es 71.800 Stellen gewesen. Davon entfielen mit 42 450 mehr als die Hälfte auf das private Bankgewerbe, das seine Belegschaft damit um 16,8 Prozent verringerte. Die öffentlichen Banken strichen 19 250 oder 5,6 Prozent aller Stellen. Bei den Genossenschaftsbanken fielen 10.100 oder ebenfalls 5,6 Prozent aller Arbeitsplätze fort.

„Fünf Prozent mehr Lohn“

Für die anstehenden Tarifverhandlungen, die am 16. Mai in Frankfurt beginnen, will die Tarifkommission der Gewerkschaft Anfang April die Forderungen festlegen. „Meine persönliche Einschätzung ist, daß wir zwischen vier und fünf Prozent mehr Lohn verlangen werden“, sagte Foullong. Es gebe eine vergleichbare Gewinnsituation wie in der Metallindustrie, deshalb sehe man Spielraum für deutliche Gehaltssteigerungen.

Mit ihrem Anstoß für ein Gesetz, das Unternehmen mit guten Geschäftszahlen betriebsbedingte Kündigungen verbieten soll, ist die Gewerkschaft offenbar nicht recht vorangekommen. Foullong, der die Initiative vor knapp einem Jahr in Frankfurt vorgestellt hatte, sagte gestern, es habe einige Gespräche mit Politikern in Berlin gegeben. Die große Koalition sei aber anscheinend zurückhaltend.

Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder „bröckelt“ auch in der Bankenbranche, gab Foullong auf Nachfrage zu. Der Organisationsgrad liege bei knapp 20 Prozent. Eine „Trendwende“ habe es lediglich in der Versicherungsbranche gegeben: Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder aus diesem Wirtschaftszweig sei im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent gestiegen. Auch für die Versicherungsbranche befürchte Verdi einen weiteren Stellenabbau, rund 10 000 Arbeitsplätze könnten in den nächsten drei Jahren verlorengehen. Darin seien mögliche Stellenstreichungen im Zuge des Umbaus der Allianz noch nicht eingerechnet.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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