13.11.2006 · In Frankfurt ist die neunte „Euro Finance Week“eröffnet worden. Nach Angaben der Veranstalter kommen 10.000 Besucher, davon 40 Prozent aus dem Ausland.
Von Christian SiedenbiedelMit einem Appell von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) an die Deutsche Börse ist die neunte „Euro Finance Week“ in Frankfurt eröffnet worden. Koch hob hervor, die Deutsche Börse könne durchaus auch allein erfolgreich bleiben. „Die Zukunft der Deutschen Börse hängt nicht von den aktuellen Fusionsgesprächen ab“, so Koch. Die Landesregierung unterstütze zwar grundsätzlich eine europäische Lösung im Prozeß der Börsenkonsolidierung, damit die europäischen Börsen ihre Identität behielten. Gleichwohl sei man sehr interessiert daran, daß die für den Finanzplatz Frankfurt wichtige Infrastruktur der Börse „nicht so leicht aufgegeben“ werde.
Zu dem bis Freitag dauernden Branchentreffen erwarten die Veranstalter bis zu 10.000 Besucher, davon 40 Prozent aus dem Ausland. Unter anderem werden im Laufe der Woche Delegationen aus Singapur, Kasachstan, Rußland und China erwartet. Als Höhepunkt gilt der seit vorigem Jahr in die Finanzwoche integrierte „Frankfurt European Banking Congress“ am Freitag, der in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann steht und zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Alten Oper erwartet wird. Freitag abend klingt die Woche mit der Finanzplatzgala, dem früheren Banken- und Börsenball, aus.
Schreckgespenst Globalisierung?
Koch wies darauf hin, in Hessen würden zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts von der Finanzindustrie erwirtschaftet, doppelt soviel wie in anderen Bundesländern. Er hob hervor, mit dem Regierungsvertrag der großen Koalition sei zum ersten Mal die Förderung des Finanzplatzes in eine nationale Regierungsvereinbarung aufgenommen worden. Das sei ein Erfolg. Gleichwohl gebe es bei den Rahmenbedingungen für den Finanzplatz noch Arbeit genug: Über Jahrzehnte hinweg sei etwa die Nachwuchsausbildung für den Finanzplatz in Frankfurt vernachlässigt worden. Da befinde man sich mit dem „House of Finance“ endlich in einem Aufholprozeß.
In einer Eröffnungsrunde zum Thema „Finanzplatz Frankfurt“ sagte der Präsident des „Center for Financial Studies“, Otmar Issing, zur Zeit werde viel über das Schreckgespenst der Globalisierung gesprochen. „Die Finanzmärkte gelten dabei als Inkarnation einer unkontrollierten Entwicklung - mit der Rede von Spekulanten und Heuschrecken wird das Bild des Ausgeliefertseins gegenüber finsteren Mächten erzeugt.“ Die Ökonomen dagegen wüßten, daß „erst in der internationalen Öffnung der Markt seine segensreiche Entwicklung voll entfalten“ könne.
Konferenz über die Bekämpfung von Geldwäsche
Christopher Pleister, der Präsident des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, verteidigte das Drei-Säulen-System des deutschen Bankwesens aus Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken gegen alle Kritik. Außerdem meinte er: „Die privatesten Banken sind eigentlich wir“ - bezogen auf Volks- und Raiffeisenbanken, weil diese die größte Zahl privater Eigentümer hätten.
Günter Merl, der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen, erteilte Spekulationen über Fusionen zwischen den Landesbanken eine Absage: „Ich sehe wenig Spielräume für horizontale Zusammenschlüsse, abgesehen vielleicht von kleineren Arrondierungen“, sagte Merl. Das größte Potential sehe er hingegen in der regionalen Zusammenarbeit zwischen Sparkassen und Landesbanken.
Weitere Höhepunkte bei der „Euro Finance Week“ sind eine Konferenz über die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung, die Konferenz des Komitees für die europäische Versicherungsaufsicht „Ceiops“ heute und ein „Moscow Investment Day“ mit dem Bürgermeister der russischen Hauptstadt am Donnerstag. Parallel zu den Veranstaltungen findet von morgen an auf dem Messegelände die Banktechnikmesse „European Banking & Insurance Fair“ statt. In Zusammenarbeit mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gibt es außerdem von morgen an in der Messehalle 5.1 eine Bank-Karrieremesse für Studenten, das „F.A.Z. Career in Finance Forum“.
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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