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Bailly-Diehl : Von Hanau aus Rhein-Main erobert

Michael Bailly, Chef der Modehaus-Kette Bailly-Diehl, am Unternehmenssitz in Hanau Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Michael Bailly aus Hanau mischt erfolgreich mit in der Mode-Szene. Zwölf Bailly-Diehl-Geschäfte finden sich im Rhein-Main-Gebiet – und demnächst eine Vorzeigefiliale für die angesagte Taschen-Marke George Gina & Lucy aus Langenselbold.

          Michael Bailly kennt sich aus in Frankfurt. Seine Mutter arbeitete in der Stadt nach dem Krieg als Damenschneiderin. Als kleiner Junge saß er oft an ihrer Seite, und wenn etwas fehlte, dann flitzte er mal eben zu Wächtershäuser, Reichert’s Erben und Michels, wie er erzählt. Später lernte er Verkäufer – „in den Sechzigern hieß das noch so“ – bei Modestoffe Rogge an der Zeil. Das war eine Zeit, „als die feine Gesellschaft noch nähen ließ“, wie er sich erinnert, und Autos durch die Einkaufsstraße fuhren.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gleichwohl war es nicht Frankfurt, sondern seine Heimatstadt Hanau, in der Bailly 1974 an der Nürnberger Straße sein erstes Geschäft für Damenmode, die NB Boutique, gründete. Das Geschäft gibt es noch heute. Elf weitere Modefilialen für Damen und Herren – die kleinste nicht größer als 72 Quadratmeter, die größte mit gut 300 Quadratmeter Verkaufsfläche – sind im Laufe der Zeit hinzugekommen, davon vier in Frankfurt. Im nächsten Jahr will sich die Bailly Diehl Textil GmbH mit einer Filiale an den Flughafen wagen.

          „Diehl“ nur ein Phantasiename

          Inzwischen tragen alle Geschäfte den Namen Bailly Diehl, wobei der Zusatz „Diehl“ nur ein Phantasiename ist, wie der Firmenchef erklärt, aus der Not heraus geboren, weil die Schuhmarke Bally vor Gericht erfolgreich ihren Anspruch auf Namensschutz durchfechten konnte.

          Der Name Bailly stammt aus dem Französischen und geht auf die Hugenotten zurück, die im 16. Jahrhundert nach Hanau kamen und sich dort rege am Wirtschaftsleben beteiligten. Der Unternehmer legt jedoch Wert auf eine „hanauer-hessische“ Aussprache mit Betonung auf der ersten Silbe und doppeltem „l“.

          Bailly-Geschäfte haben meist gute Lagen. In Frankfurt sind sie am Steinweg zu finden, an der Schweizer und der Berger Straße, in Wiesbaden an der Wilhelmstraße. Alle tragen die klare Handschrift des Frankfurter Architekturbüros Kandora und Meyer. „In den meisten Fällen haben wir faire Vermieter“, betont der Unternehmer. Nur einmal, das war im Zuge des New-Economy-Hypes, habe er eine Filiale geschlossen – sie lag am Börsenplatz in Frankfurt –, weil die Miete immens gestiegen sei. „Das wäre für uns grenzwertig geworden.“

          Preise durchschnittlich bis gehoben

          Bailly Diehl verkauft Marken, vor allem italienische, die man nicht unbedingt kennt: A. Aglini, Bobi, Brodgen, Dondup, Iuno, Ivko, Maliparmi und Monocrom. Die Preise sind durchschnittlich bis gehoben. Hinzu kommt die Hausmarke Bailly Diehl, die 15 Prozent des Sortiments ausmacht. Allerdings erfinden die Hanauer die Modewelt nicht neu. „Wir arbeiten stilsicher an Damenmode, die es bereits gibt. Das heißt, wir individualisieren Prototypen mit Hilfe von Accessoires“, sagt der 65 Jahre alte Unternehmenschef.

          Bailly spricht nicht von Ziel-, sondern von Stilgruppen. Das seien Menschen zwischen 25 Jahren und Ende vierzig, die bereit seien, Geld auszugeben, aber nicht immer an die Schmerzgrenze gehen möchten. „Wir wollen auch die Kundin aus der Goethestraße anziehen“, sagt der Textilfachmann. „Sie soll bei uns ein genauso wertiges Gefühl haben wie dort, aber statt einer Bluse ruhig mal zwei Blusen kaufen.“

          Auf die Nische kommt es dem Hanauer an, auf ein klar zu erkennendes Profil. Es gebe viel zu viel gleiche Ware an unterschiedlichen Standorten. Davon will sich Bailly abgrenzen. Einer seiner Lieblingssätze lautet: „In der Unterscheidung liegt der Erfolg, in der Vergleichbarkeit kommt der Preiskampf.“ Anders als viele andere Häuser in der Branche hat die Bailly Diehl Textil GmbH im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von fünf Prozent verbucht. Nimmt man die neu entstandenen Flächen hinzu, waren es 13 Prozent, wobei das Damengeschäft besser läuft als das für Herren. „In der Abteilung haben wir die richtige Wertschöpfung noch nicht erreicht“, sagt der Unternehmer.

          Umsatz „im zweistelligen Millionenbereich“

          Umsatzzahlen nennt er nicht, nur so viel sagt er: „Wir liegen im zweistelligen Millionenbereich.“ Diesen erwirtschaften rund 150 Mitarbeiter, davon nur ein kleiner Teil, zehn Personen, am Sitz in Hanau. Hier werden allerdings sämtliche Textilien, die Bailly Diehl verkauft, gesichtet, etikettiert und auf die Filialen verteilt, im Jahr etwa 250 000 Einzelteile.

          Dass Bailly zusätzlich zu den eigenen Geschäften drei Filialen der Marke Timberland und noch bis Ende dieses Monats eine Baldessarini-Filiale am Opernplatz betreibt, erklärt der Unternehmer mit persönlichen Verbindungen. Er habe viele Bekannte und Freunde in der Mode-Branche.

          Nun wird aus Baldessarini demnächst Bailly Diehl – und infolge davon aus der jetzigen Filiale für Männermode hinter der Katharinenkirche ein Flaggschiff für die weltweit angesagte Taschen-Marke George Gina & Lucy. Eine erste GG&L-Filiale hat sich bereits im Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim bewährt. Außerdem verkauft Bailly die recht teuren Taschen, deren Markenzeichen ein dicker Karabinerhaken ist, in seinen Boutiquen.

          Vorzeigefiliale an der Katharinenpforte

          Auch in diesem Fall spielen persönliche Beziehungen eine Rolle. Eine der drei Gründerinnen des Labels, das viele nur deshalb für so erfolgreich halten, weil die Macher aus dem osthessischen Langenselbold ein so großes Geheimnis darum machen, ist Nicole Bailly, die Tochter des Unternehmers. Im September soll die Vorzeigefiliale an der Katharinenpforte eröffnet werden.

          Und dann? Dann sei erst einmal Schluss. Der Flughafen 2011 sei noch eine große Herausforderung. Sonst denke er nicht an weitere Expansion, sagt Bailly. Was nicht heißt, dass er nicht weiter mit offenen Augen durch die Stadt geht. Die Kaiserstraße sei so eine Lage, die würde ihn auch noch einmal reizen.

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