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Bahn-Logistiktochter Zentrale von DB Schenker kommt nach Frankfurt

14.07.2010 ·  Die Entscheidung über den Sitz der Logistiksparte der Deutschen Bahn ist gefallen: Die neue Zentrale von DB Schenker wird in Frankfurt und nicht in Duisburg entstehen.

Von Manfred Köhler
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Die Deutsche Bahn AG stärkt ihre Präsenz in Frankfurt. Spätestens 2012 soll am Flughafen eine neue Zentrale ihren Sitz nehmen, die das gesamte Logistik-Geschäft des Konzerns steuert. Bisher fehlt es an einer solchen Zentrale, das Geschäft wird von Berlin, Essen und Mainz aus gelenkt. In der neuen Verwaltungseinheit, die die Funktion einer Holding hat, werden 330 Menschen arbeiten; die Arbeitsplätze werden von den bisherigen drei Standorten an den Main verlagert.

Die Bahn bekennt sich damit zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit zu Frankfurt als ihrem zweitwichtigsten Standort. Zwar liegt die Konzernzentrale am Potsdamer Platz in Berlin. Doch haben wichtige Tochtergesellschaften wie die für das Netz, den Fernverkehr und den Regionalverkehr schon jetzt ihren Sitz in Frankfurt, an der Theodor-Heuss-Allee neben der Messe und an der Stephensonstraße im Gallus. 2009 hat der Konzern aber zusätzlich den Silberturm gemietet, einst Sitz der Dresdner Bank. Dort soll die IT-Tochtergesellschaft residieren, außerdem wird dort der Konzernvorstand Büros haben.

Entscheidung über genauen Platz im Herbst

Die Logistik-Zentrale war notwendig geworden, weil sich das Frachtgeschäft der Deutschen Bahn schon lange nicht mehr auf Güterzüge beschränkt. 2002 hat der Konzern die traditionsreiche Spedition Schenker erworben. Seitdem umfasst das Logistik-Geschäft zum einen wie eh und je den Schienengüterverkehr, der freilich längst auch im Ausland betrieben wird, mit 34 000 Mitarbeitern. Dieses Geschäft wird von Mainz aus gelenkt, es firmiert neuerdings als DB Schenker Rail. Das Speditionsgeschäft, das den Namen Schenker - ohne weiteren Zusatz - trägt und seinen Sitz in Essen hat, ist weitaus größer. Dieser Konzernzweig ist mit 57 000 Menschen in 130 Ländern tätig und bietet Transporte zu Wasser, zu Lande und in der Luft an. Es handelt sich sogar um das zweitgrößte Luftfracht-Unternehmen der Welt, nach beförderten Tonnen gerechnet. Mit der neuen Zentrale soll die Zusammenarbeit beider Teile verbessert werden. Mit beiden Sparten zusammen erzielt der Konzern mehr als die Hälfte seines Umsatzes. Der klassische Personenverkehr mit ICE-Zügen und S-Bahnen kommt gerade noch auf ein Drittel. Die Deutsche Bahn bestätigte gestern die Entscheidung für Frankfurt nicht offiziell. Zunächst sollten die Mitarbeiter in Berlin und Essen informiert werden, hieß es. Das ist für den heutigen Mittwoch vorgesehen. In Mainz wurde bereits gestern der Belegschaft mitgeteilt, dass 175 Arbeitsplätze nach Frankfurt verlagert werden. Damit verbleiben etwa 1200 Stellen bei DB Schenker Rail in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, die dortigen Mitarbeiter werden auch weiterhin für das Deutschlandgeschäft auf der Schiene verantwortlich sein. Zudem werden als Ersatz mehrere Dutzend Stellen von Berlin nach Mainz verlagert. Bahnchef Rüdiger Grube hatte den Mitarbeitern in Mainz schon im März versprochen, dass das operative Geschäft dort bleibe.

Als Sitz der neuen Zentrale in Frankfurt sind sowohl das Airrail-Center, das neuerdings als „The Squaire“ firmiert, wie auch der neue Stadtteil Gateway Gardens im Gespräch; dort müsste erst noch ein Haus gebaut werden, so dass der Aufbau der Logistik-Holding erst 2012, nicht schon 2011 beginnen könnte. Die Entscheidung darüber soll bis Herbst fallen.

„Die Bahn pokert“

Um den Standort der Logistik-Zentrale war heftig gerungen worden. Berlin war früh aus dem Rennen gewesen; die Hauptstadt liege nicht zentral genug, hatte es geheißen. Sodann schied Hamburg aus. Zuletzt ging es mehrere Monate lang um die Wahl zwischen Duisburg und Frankfurt. „Oberbürgermeister, Minister, Landtagsabgeordnete - alle sind dabei“, hatte Klaus Vögele, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Schenker AG in Essen, im August 2009 gesagt. „Die Bahn pokert.“ Eine Zeitlang sah es so aus, als mache Duisburg das Rennen. Der Bund will seinen Anteil von einem Drittel an dem dortigen Hafen verkaufen, und DB Schenker war im Gespräch, den Anteil zu übernehmen. Damit verbunden war die Hoffnung, dass dann auch die Holding käme.

Für Frankfurt sprachen die zentrale Lage, zumal die Verwaltung so oder so in der Nähe des Flughafens unterkommen wird, und die Nähe zu anderen Teilen des Konzerns. Um die Ansiedlung hatten sich neben dem Frankfurter Wirtschaftsdezernenten Markus Frank auch Oberbürgermeisterin Petra Roth und Ministerpräsident Roland Koch (alle CDU) bemüht.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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