03.12.2007 · Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister hat eine weitere Eisenbahn-Neubaustrecke nach Köln ins Gespräch gebracht - eine für den Güterverkehr. Mehr als eine vage Idee ist das vorerst aber nicht.
Von Manfred KöhlerEine Stunde. Viel länger dauert die Fahrt mit der Eisenbahn von Frankfurt nach Köln nicht mehr, seit im Jahr 2002 die Neubaustrecke entlang der Autobahn A 3 in Betrieb genommen wurde. Es ist aber ein Zeitvorteil, von dem nur der Personenverkehr der Bahn profitiert. Die Güterzüge schlängeln sich weiterhin durchs Rheintal – langsam und laut, zum Ärger der Anwohner.
Nun hat der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) eine ganz große Lösung ins Gespräch gebracht: den Bau einer weiteren Neubaustrecke vom Rhein-Main-Gebiet nach Köln, speziell für den Güterverkehr. „Damit könnte den Anwohnern im Mittelrheintal langfristig eine Perspektive geboten werden“, äußerte Hering.
Verkehrszuwachs von 20 Prozent prognostiziert
Die Deutsche Bahn AG steht dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber. Konzernchef Hartmut Mehdorn habe wissen lasse, die Idee werde überprüft, teilte Hering mit. Eine Sprecherin des Konzerns bestätigte, der Gedanke werde bei künftigen Planungen als Anregung aufgenommen. Die Bahn hat freilich leicht reden. Sie müsste die Bahnstrecke nicht bezahlen. Das käme auf die öffentliche Hand zu; ein solches Bauvorhaben müsste in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden, der alle paar Jahre fortgeschrieben wird. Von der Planung bis zur Finanzierung können Jahre und Jahrzehnte vergehen – von einem Baubeginn oder gar einer Fertigstellung gar nicht zu reden. An der ICE-Strecke von Frankfurt nach Köln wurde mehr als ein Jahrzehnt geplant und gebaut, mehr als fünf Milliarden Euro wurden dabei ausgegeben.
Dass eine weitere Neubaustrecke für Güterzüge keine ganz abwegige Idee ist, zeigen schon wenige Zahlen. Wie es bei der Bahn hieß, verkehren im Durchschnitt 200 Güterzüge am Tag auf der rechtsrheinischen und weitere 70 auf der linksrheinischen Strecke. Die Achse entlang des Stroms ist damit schon jetzt einer der am stärksten belasteten Abschnitte des deutschen Schienennetzes. Für die nächsten zehn Jahre ist überdies ein Zuwachs in Höhe von 20 Prozent prognostiziert, wie die Sprecherin weiter sagte.
Eine Nutzung der vorhandenen Neubaustrecke entlang der Autobahn 3 nach Köln durch Güterzüge ist nicht möglich. Die Strecke ist speziell für den schnellen ICE gebaut. Schwere Güterzüge würden mit den Steigungen kämpfen, die die ICE mühelos nehmen, und sie brächten mit ihrer niedrigen Geschwindigkeit von vielleicht 80 Kilometern in der Stunde den gesamten Verkehr durcheinander – die Personenzüge beschleunigen dort bis auf 300 Kilometer je Stunde. Allerdings wäre es sicher schwierig, eine weitere Trasse zu finden. In Mainz war gestern vage von einer Führung der Güterzug-Neubaustrecke entlang der Autobahn 61 oder entlang der Autobahn 45, also an Siegen vorbei, die Rede, wobei der Ministeriumssprecher eilig hinzufügte, es sei nicht das Ziel, den Verkehr nach Hessen abzuwälzen.
Projekt „Leiser Rhein“
So oder so wird bis zum Bau einer solchen Neubaustrecke noch viel, sehr viel Wasser den Rhein hinunterfließen, wenn sie überhaupt je kommt. Unter der Überschrift „Durchbruch gegen Bahnlärm“ ließ Hering denn auch weiter wissen, dass nicht zuletzt dank seiner Vorarbeit der Bundestag am Freitag ein Programm zur Lärmminderung von Güterwaggons beschlossen habe. Im Bundeshaushalt 2008 seien dafür zehn Millionen Euro vorgesehen, alles in allem habe das Programm ein Volumen von 40 Millionen.
Im Pilotprojekt „Leiser Rhein“ sollten 5000 Güterwagen mit sogenannten Flüsterbremsen ausgestattet werden, außerdem werde nun daran getüftelt, wie „Dämpfungselemente“ an Schienen kombiniert mit Lärmschutzwänden funktionierten. So etwas kann ja auch nicht schaden, sollten die Güterzüge eines fernen Tages tatsächlich quer durch den Hunsrück statt durchs Rheintal nach Köln rattern.
Mehr Güter auf die Schiene!
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 03.12.2007, 21:57 Uhr