11.11.2008 · Bei Opel ist man derzeit auf den Mutterkonzern General Motors nicht gut zu sprechen. Dessen Forderung nach Lohnverzicht wird in Rüsselsheim abgelehnt.
Von Hanns MattesBei Opel in Rüsselsheim verhandeln Arbeitnehmervertreter und Management über Sparpakete und die Entwicklung der Automobilproduktion in den europäischen Werken des Mutterkonzerns General Motors (GM). Ergebnisse gibt es allerdings noch nicht. Das geht aus einer von Opel verbreiteten Mitteilung über die Verhandlungen des Unternehmen mit der Spitze des europäischen Betriebsrats von General Motors.
Nach Darstellung eines Opel-Sprechers gibt es schon seit längerem Gespräche zwischen beiden Seiten darüber, wie mit der schwierigen Marktlage umzugehen ist. Er bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass die in einem Standortsicherungsvertrag festgelegten Garantien zum Beispiel für das Stammwerk in Rüsselsheim nicht zur Disposition stünden; auch das Programm zur Entwicklung neuer Modelle werde nicht angetastet.
Skepsis
Allerdings hatte der Mutterkonzern die Forderung nach einer Lohn-Nullrunde erhoben und damit Kritik der Betriebsräte herausgefordert. Sie verweisen darauf, dass die Belegschaft in den vergangenen Jahren maßgeblich die Lasten der Sanierung von Opel getragen hatten. 2005 waren zum Beispiel mehr als 9.000 Stellen bei Opel gestrichen worden. Durch das Sparprogramm und auch eine neue Modellpolitik war es der Marke gelungen, wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Auch die Qualitätsprobleme, die den Ruf von Opel im vergangenen Jahrzehnt lädiert hatten, sind mittlerweile überwunden.
Dass im Europageschäft von GM mit den Hauptmarken Opel und Saab nun wieder rote Zahlen geschrieben werden, ist nach Ansicht der Hessen Resultat eines buchhalterischen Verschiebebahnhofs. Der marode Mutterkonzern GM – der sich durch eine verfehlte Modellpolitik an den Rand der Pleite manövriert hat – habe hohe Verluste aus Amerika den Europäern zugeschlagen. Und auch der Ankündigung der amerikanischen Regierung, GM finanziell unter die Arme zu greifen, wird in Rüsselsheim mit Skepsis begegnet. Die Europäer fürchten, das als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu Lasten der Alten Welt erhalten bleiben. Man sorgt sich in Rüsselsheim um das Internationale Technische Entwicklungszentrum: Aufträge für die Konzeption neuer Modelle, so die Befürchtung, könnten nach Amerika abgezogen werden.
Absatzkrise
In Deutschland wird es wohl keine Hilfen des Staats für die Automobilindustrie geben, wie sie Management und Betriebsrat von Opel in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert haben. Darin hatten sie sich für ein Kreditprogramm mit einem Volumen von 40 Milliarden Euro ausgesprochen. Zwar signalisierten sowohl Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) als auch SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel Unterstützung für das Anliegen, doch aus der CDU-Bundestagsfraktion kam postwendend die Ablehnung: Durch Verschrottungsprämien für ältere Autos und günstige Kredite für Neuwagenkäufe könne die Absatzkrise nicht ausgeglichen werden, sagte der Fraktionsgeschäftsführer Norbert Röttgen.
Aufträge für die Konzeption neuer Modelle nach Detroit??
Stefan Stahl (RadaDoll)
- 13.11.2008, 18:17 Uhr
Hanns Mattes Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Groß-Gerau.
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