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Automobilindustrie SPD: GM läßt Opel-Mitarbeiter für Management-Fehler büßen

14.10.2004 ·  Bei Opel in Rüsselsheim sollen fast 4.000 Stellen wegfallen. Konzernmutter General Motors läßt Opel-Mitarbeiter für Management-Fehler büßen, meint die hessische SPD-Vorsitzende Ypsilanti. Die Landesregierung äußerte sich besorgt.

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Der Autohersteller Opel steht vor einem drastischen Stellenabbau: Allein am Hauptsitz in Rüsselsheim sollen nach Angaben des Betriebsrats fast 4.000 Stellen gestrichen werden. Mit dem geplanten Stellenabbau bei Opel läßt die Konzernmutter General Motors (GM) nach Ansicht der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti die Mitarbeiter für Management-Fehler büßen. „Einmal mehr zahlen die Beschäftigten die Zeche für unternehmerische Fehlentscheidungen“, erklärte Ypsilanti am Donnerstag in Wiesbaden. Vom GM-Management sei zu erwarten, daß es künftig wie angekündigt konstruktiv mit Arbeitnehmervertretern zusammenarbeitet.

Wie der Mutterkonzern General Motors (GM) am Donnerstag mitteilte, werden in ganz Europa binnen zwei Jahre rund 12.000 Arbeitsplätze wegfallen. Der weltgrößte Autokonzern will damit seine Fixkosten in Europa bis 2006 um 500 Millionen Euro pro Jahr senken.

Die hessische Landesregierung reagierte mit tiefer Betroffenheit. „Wir sind in großer Sorge über Berichte, wonach auch im Opel-Werk Rüsselsheim einige tausend Stellen wegfallen könnten“, sagte Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in Wiesbaden. „Jetzt gilt es, das Schlimmste zu verhindern und das Ausmaß des Schadens zu begrenzen“. Er forderte General Motors auf, eine Bestandsgarantie für das Opel-Werk Rüsselsheim zu geben.

Krisengespräch bei Koch mit Clement

An diesem Freitag soll es auf Anregung von Koch zu einem Krisengespräch in Frankfurt kommen. Daran sollen Vertreter der Landesregierung und von Opel teilnehmen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat sein Kommen zugesagt.

Zahlen zu den Stellenstreichungen an den einzelnen Standorten nannte General Motors zunächst nicht. Diese sollen zunächst mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert werden. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Werks Bochum, Rainer Einenkel, sagte, an den Standorten Rüsselsheim und Bochum sollten jeweils 4.000 Jobs gestrichen werden. Weitere 2.000 Stellen würden an anderen deutschen Standorten wegfallen. Damit würde jede dritter Opel-Arbeitsplatz in Deutschland verschwinden.

Unklar blieb zunächst, bis wann die Stellen in Rüsselsheim wegfallen. Nach Angaben aus dem Betriebsrat in Bochum könnte die Umsetzung hier bis 2008 dauern. Andererseits erklärte General Motors, die 12.000 Arbeitsplätze europaweit sollten bereits bis 2006 gestrichen werden.

GM-Chef sagt konstruktive Gespräche zu

Der GM-Europa-Chef Frederick Henderson sagte in Rüsselsheim: „Wir werden mit den Betriebsräten konstruktiv an einer Lösung der jetzigen Aufgabe arbeiten.“ Er fügte hinzu: „Hier geht es nicht um Werksschließungen, dies sind kurzfristige Maßnahmen. Wir werden sie Standort für Standort umsetzen.“ Gleichzeitig wollte er Kündigungen und mittelfristig auch die Schließung eines Werks nicht ausschließen. „Wir schließen gar nichts aus.“ Es sollten aber andere Lösungen gefunden werden.

Der größte Autokonzern der Welt macht mit seinen europäischen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall seit Jahren hohe Verluste. Bei Saab in Schweden sollen 500 Stellen wegfallen, jeweils zur Hälfte in Produktion und Entwicklung, sagte Saab-Chef Peter Augustsson. Saab beschäftigt am Standort Trollhättan 5.600 Mitarbeiter. GM beschäftigt in Europa insgesamt gut 60.000 Menschen und mehr als 33.000 davon in Deutschland.

Hintergrund für das Sanierungspaket seien die flaue Nachfrage, der zunehmende Wettbewerb und eine verschärfte Preissituation, hieß es von GM. „Wir haben den schwachen Markt nicht vorausgesehen“, sagte GM-Europa-Vize Carl-Peter Forster. Besonders in Deutschland würden die Menschen zu wenig ausgeben, die Autohersteller müssten daher hohe Rabatte gewähren. Mit seinen neuen Modellen wie dem Astra liege Opel derzeit jedoch gut im Rennen, meinte der frühere Opel-Vorstandschef. Der Marktanteile stabilisierten sich. „Es wurden Fehler gemacht. Aber das Qualitätsproblem haben wir korrigiert.“

Opel steigt 2005 aus DTM aus - Neuer Saab aus Rüsselsheim?

Henderson bestätigte, daß die nächste Generation der Mittelklasse (Opel Vectra, Saab 9-3) entweder in Rüsselsheim oder im schwedischen Trollhättan gebaut werden solle. Das Verlierer-Werk könne, wenn es wettbewerbsfähig sei, zum Ausgleich die Produktion anderer Modelle übernehmen. Eine Entscheidung sei aber bisher noch nicht gefallen. Aus der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft DTM steige Opel nach Ende der Saison 2005 aus.

Am Donnerstagvormittag kamen in Frankfurt die europäischen GM- Arbeitnehmervertreter und die IG Metall zu Beratungen zusammen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement reiste nach Bochum, um sich mit NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück mit Betriebsräten und Vertretern der IG Metall zu treffen. Bei GM sind für kommenden Dienstag europaweite Proteste ohne Arbeitsniederlegungen geplant.

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