22.08.2005 · Der Autobauer Opel ist trotz seines radikalen Sparprogramms aus Sicht des Mutterkonzerns General Motors (GM) noch nicht über den Berg. Wann Opel wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreiben wird, läßt GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster offen.
Der Autobauer Opel ist trotz seines radikalen Sparprogramms nach Ansicht des Mutterkonzerns General Motors (GM) noch nicht über den Berg. „Wir haben schon viele Fortschritte gemacht und unsere Qualität und Produktivität sehr verbessert“, sagte der GM-Europa-Präsident und frühere Opel-Chef Carl-Peter Forster in einem Gespräch mit der dpa in Rüsselsheim. „Es gibt aber noch so unglaublich viel zu tun. Ein Tag Stillstand wäre bereits ein Rückschritt.“
Werksschließungen und weiterer Stellenabbau seien in diesem und im nächsten Jahr kein Thema. „Wir halten unsere Verträge ein. Allerdings können wir langfristig und über das Jahrzehnt hinaus keine Garantie abgeben. Ich schließe nicht aus, daß wir zudem in kleinen Teilbereichen flexible Lösungen brauchen.“ Im März hatte GM zur Sanierung seiner seit Jahren defizitären Tochter Opel den Abbau von 9500 der 32.000 Stellen beschlossen. Dafür erhielten die verbleibenden Mitarbeiter eine Arbeitsplatzgarantie bis 2010.
„Wir müssen den Konzernverbund weiter stärken“
Um Kosten zu sparen, müßten die Arbeitsprozesse weiter optimiert werden. Die europäischen Konzernmarken Opel, Saab und Vauxhall sollen stärker bei der Fertigung von Komponenten zusammenarbeiten und Synergien nutzen. „Wir müssen den Konzernverbund weiter stärken.“ So sollen etwa künftig gemeinsame Komponenten von den beiden Schwestermarken Opel und Saab entwickelt werden.
Wann GM in Europa, wo Opel die bedeutendste Marke für die Amerikaner ist, wieder schwarze Zahlen schreiben werde, ließ Forster offen. „Unser klares Ziel ist es, zurück in die Gewinnzone zu kommen. Wir müssen Geld verdienen und haben dafür nicht unbefristet Zeit.“
GM hatte im ersten Halbjahr in Europa einen operativen Verlust von 66 Millionen Dollar (umgerechnet knapp 54 Mio Euro) ausgewiesen. Traditionell läuft das zweite Halbjahr für die Branche wegen der mehrwöchigen Werksferien und der Feiertage vor allem im vierten Quartal schlechter als die ersten sechs Monate. Anfang des Jahres hatte der GM-Konzern angekündigt, es müsse mit einem Verlust von 500 Millionen Dollar in diesem Jahr in Europa gerechnet werden. Mittlerweile will der Autobauer die Summe weder bestätigen noch dementieren. Eine neue Prognose gebe es nicht, sagte Forster.
Opel-Export nach Amerika abgelehnt
Die Tochter Opel prüfe, in die derzeit vernachlässigte Oberklasse zurückkehren. „Wir beschäftigen uns intensiv damit und arbeiten an Konzepten.“ Bis 2010 solle es ein Modell oberhalb des Mittelklassewagens Vectra geben. Die auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) 2003 vorgestellte Oberklasse-Studie Insignia werde in dieser Form nicht realisiert.
Den vom Betriebsrat geforderten Export der Marke Opel nach Amerika lehnte Forster ab. „Das wäre ein wechselkursbedingtes Verlustgeschäft.“ GM verfüge über genügend Marken in den Vereinigten Staaten. Zudem werde künftig die amerikanische Marke Saturn stärker an Opel-Modelle angelehnt. „Wir verheiraten Opel mit Saturn. Saturn wird viel von Opel übernehmen.“
Forster, der gleichzeitig Chef der GM-Tochter Saab ist, verteidigte den laufenden Umbau der schwedischen Marke. GM hatte im Frühjahr entschieden, die neue Generation eines Mittelklasse-Saab bei Opel in Rüsselsheim zu bauen. „Saab ist zu klein, um allein erfolgreich sein zu können. Wir wollen die Marke erhalten, aber als voll integrierte Konzerntochter.“ Ein Verkauf der verlustreichen Marke sei aber kein Thema.