02.04.2009 · Autogas ist viel billiger als Benzin und soll weniger CO2 produzieren, eigentliche eine feine Sache also. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.
Von Jochen RemmertDie Antwort der schwäbischen Sportwagenschmiede Porsche ist kurz. Eine Umrüstung auf zusätzlichen Autogasbetrieb sei werksseitig weder geprüft noch vorgesehen. Rüste ein Kunde trotzdem um, garantiere man für nichts mehr. Mit diesem schwäbisch sparsamen Statement auf eine sehr viel umfassendere Anfrage ist auch schon das größte Problem beschrieben, auf das Autofahrer treffen, wenn sie ihrem Benzinfahrzeug im Interesse des eigenen Portemonnaies und der Umwelt auf Autogas umrüsten wollen, das auch unter LPG für Liquified Petroleum Gas firmiert. Die Herstellergarantie geht damit verloren.
Jürgen Karpinski, der als Präsident des hessischen Kraftfahrzeuggewerbes für rund 3500 Autohäuser und Werkstätten spricht, sieht das gewaltige Potential das auch für sein Gewerbe in der Umrüstung steckt. Der Chef der Auto-Schmitt-Gruppe kennt aber auch die Tücken der Praxis: Da ist aus seiner Sicht erst einmal das Problem, dass auch Werkstätten die Umrüstung anbieten, die sich nicht eigens qualifiziert haben. Das aber sei unbedingt erforderlich, um kostspielige Schäden zu vermeiden.
„Ein verbindlicher europäischer Standard muss her“
Was Karpinski zufolge mindestens ebenso schwer wiegt, ist der Umstand, dass die Qualität der meist von ausländischen Herstellern angebotenen Anlagen sehr unterschiedlich ist. Im Falle eines Defekts sei es heute noch bisweilen schwierig, Gewährleistungsansprüche durchzusetzen. Der Vorteil, dass Autogas mit etwa 60 Cent je Liter nur halb so teuer ist, wie Super Plus Benzin, tröstet in einem solchen Fall auch nicht mehr. Für Karpinski ist daher zwingend: Es muss ein verbindlicher europäischer Standard her. Das aber könne noch Jahre dauern, befürchtet Karpinski. Die Befürchtung ist vielleicht auch deshalb nicht ganz unbegründet, weil der mächtige Verband der Automobilindustrie Erdgasautos klar solchen, die mit Flüssiggas fahren, vorzieht. Die Vorteile für die Umwelt seien beim Erdgas größer, lässt der Verband wissen.
Um die Unsicherheit des Kunden beim Umrüsten auf Flüssiggas zu beseitigen, bieten seriöse Betriebe in der Regel eine Versicherung gegen Motorschäden im Paket mit an. Je nach Motor und Zylinderzahl schlägt der Einbau einer solchen Anlage mit 1500 bis 3000 Euro zu Buche, in Ausnahmefällen auch mehr. Wenn die Qualitätsstandards der Bauteile und die Qualifikation der Werkstatt gesichert sind, sieht Karpinski in der Umrüstung durchaus eine Möglichkeit für Kunden, etwas für das eigene Budget und für die Umwelt zu tun. Denn obwohl die geringere Energieausbeute von Autogas dazu führt, dass der Motor auf Gasbetrieb rund 15 Prozent mehr Treibstoff verbraucht, ist unter dem Strich ein um zehn bis 18 Prozent geringerer CO2-Ausstoß zu erreichen, wie die Flüssiggasanbieter versprechen.
Selbst wenn nur ein Viertel der 3,2 Millionen in Hessen zugelassenen Autos (im Bund sind es 41,3 Millionen) für eine Umrüstung geeignet sind und davon nur die Hälfte tatsächlich umgerüstet würde, ergäbe sich demnach noch eine erhebliche Minderung der CO2-Belastung. Um den Alternativkraftstoff Flüssiggas zu fördern, hat der Bundesgesetzgeber in der Energiesteuerreform von 2006 eine steuerliche Begünstigung bis Ende 2018 festgeschrieben. Was allerdings danach passiert, ist noch völlig unklar.
Porsche denkt um
Denn inzwischen ist zumindest das Bundesumweltministerium zu dem Schluss gekommen, dass es mit der CO2-Entlastung durch Flüssiggas, das als Abfallprodukt bei der Erdölverarbeitung entsteht, doch nicht so weit her ist, wie ein Sprecher sagte. Eine Studie des TÜV Saarland legt nach Ansicht des Ministeriums sogar den Verdacht nahe, dass sich das Emissionsverhalten von nachgerüsteten Fahrzeugen verschlechtert. Diesen Standpunkt teilen ansonsten vor allem Erdgasanbieter, die eben nicht am Absatz von Flüssiggasanlagen interessiert sind, sondern am verstärkten Absatz von Erdgasautos.
Allerdings ist eine Umrüstung von Autos auf Erdgasbetrieb zwar technisch möglich, aber mit rund 5000 bis 6000 Euro schon bei kleinen Motoren schlicht zu teuer für die breite Masse der Autohalter. Für die Diskussion um Möglichkeiten zur raschen Senkung des CO2-Ausstoßes der Millionen von zugelassenen Autos, spielt diese Gasvariante daher wohl kaum eine Rolle. Zumal die Flüssiggas-Umrüstung den Vorteil bietet, dass der Benzinbetrieb auch danach möglich bleibt. Die Reichweite erhöht sich also, weil man jederzeit von Gas auf Benzin umstellen kann. Verloren geht lediglich ein Teil des Kofferraums für den zusätzlichen Tank.
Inzwischen setzt sich auch bei manchem Porschehändler die Erkenntnis durch, dass es selbst einer Nobelmarke nicht schaden kann, Kunden Möglichkeiten zu bieten, die Kosten zu senken. So bietet Porsche Mannheim die Umrüstung älterer Exemplare des Geländewagens Cayenne auf Autogas an – gemeinsam mit einem Umrüster, wie ein Mitarbeiter rasch hinzufügt. Diese Flexibilität mag auch mit Umständen wie diesem zu tun haben, dass der 521 PS starke Cayenne Turbo S einmal bei einem, zugegeben extremen, Volllasttest einer Zeitschrift mit fast 67 Litern Super Plus auf 100 Kilometer mit großem Abstand den höchsten Verbrauchswert aller geprüften Autos erzielte.