06.07.2007 · Deutschlands größter BMW-Händler hat den Taunus entdeckt. Die Osnabrücker Weller-Gruppe will in neuen Häusern in Kronberg und Bad Homburg 4000 Autos im Jahr verkaufen.
Von Christian SiedenbiedelZuerst hat man mit 1000 geladenen Gästen gefeiert, dann noch ein Wochenende lang mit allen Auto-Interessierten aus dem Taunus: In Kronberg hat die Osnabrücker Weller-Gruppe, nach eigenen Angaben Deutschlands größter BMW-Händler, für fünf Millionen Euro ein zweistöckiges neues Autohaus ihrer Kette „B & K . . . alles klar“ eröffnet.
Ein weiteres, noch deutlich größeres, soll im November in Bad Homburg am Südring eröffnet werden. Es wird mit 200 Meter Länge und neun Meter Deckenhöhe das Flaggschiff und größte Haus der Kette sein. Die Kosten werden auf zehn Millionen Euro veranschlagt. Ersetzt werden durch die beiden neuen Prestigebauten ältere Autohäuser, die Weller vor zwei Jahren von der insolventen Kohlhas GmbH übernommen hatte.
Zahlungskräftige Kundschaft
Der Taunus ist für die überwiegend in Norddeutschland und Ostwestfalen tätige Gruppe der südlichste Vorposten. „Wir wachsen kontinuierlich, jedes Jahr kommen zwei oder drei Autohäuser dazu“, sagte Geschäftsführer Werner Söcker der F.A.Z.. Seit dem Gründungsjahr 1996, als Burkhard Weller vier Autohäuser des insolventen BMW-Händlers Brinkmann & Knoery übernommen und in „B & K . . . alles klar“ umbenannt hatte, habe die Gruppe ihr Geschäftsgebiet stufenweise ausgedehnt.
1998 wurde das Unternehmen größter BMW-Händler Norddeutschlands, bis 2005 kämpfte es sich bundesweit auf Platz eins hoch. In diesem Jahr seien noch Detmold und Bad Salzuflen dazugekommen, im vorigen Paderborn und Bad Driburg. Insgesamt komme die Kette jetzt auf 17 Autohäuser mit zusammen 750 Mitarbeitern.
„Bad Homburg ist für uns etwas ganz Besonderes“, sagte Söcker. Nicht nur, dass der Taunus mit seiner zahlungskräftigen Kundschaft für Premiumfahrzeuge ein besonders wichtiger Absatzmarkt ist. Auch die BMW-Eigentümerfamilie Quandt wohne schließlich zum Teil in der Champagnerluft-Stadt, somit stoße man in eines der Kerngebiete der Bayerischen Motorenwerke nördlich der Freistaatsgrenze vor. Und in Kronberg hat B & K die Premium-Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft: Jaguar Deutschland und einer seiner wichtigen Vertriebspartner, das Autohaus Kronberg, sind nur ein Stück weiter an derselben Straße angesiedelt.
„Erlebnisfiliale“ in Bad Homburg
Für beide neuen Häuser zusammen strebt die Kette einen Absatz von 4000 Fahrzeugen im Jahr an, wie Söcker sagte. Dabei wolle sie vor allem den Verkauf von gebrauchten Fahrzeugen erhöhen: „In der Kette haben wir das Ziel, dass immer auf ein verkauftes Neufahrzeug zwei Gebrauchte kommen.“ Das sei in den beengteren Kohlhas-Räumen bisher nicht möglich gewesen. In Bad Homburg, wo Lars Credo Filialleiter ist, komme man schon jetzt auf etwa 1000 Neufahrzeuge im Jahr. Die Zahl solle auf 1400 gesteigert werden, einschließlich der Gebrauchten wolle man die 3000 schaffen. In Kronberg soll das Autohaus unter der Leitung von Ralph Sänger etwa 350 Neuwagen und 700 Gebrauchte im Jahr verkaufen. Dafür würden zehn zusätzliche Mitarbeiter gesucht, in Bad Homburg werde man mindestens 15 zusätzliche Leute einstellen.
Außerhalb ihres angestammten Territoriums expandiert die Kette vor allem da, wo sie sich hohe Stückzahlen verspricht. Unter diesem Gesichtspunkt sei der Taunus sehr attraktiv gewesen, berichtet Söcker. Im ständigen Wettbewerb befinde man sich aber nicht nur mit Konkurrenzmarken und anderen BMW-Händlern. Auch die Niederlassungen des Konzerns selbst, wie es eine in Frankfurt an der Hanauer Landstraße gibt, spüre das Unternehmen bei seinen Geschäftsergebnissen. „Wo eine Niederlassung in der Nähe ist, sind die Erträge je Fahrzeug deutlich niedriger“, sagte Söcker. Gleichwohl habe man als unabhängiger Händler mit einer sehr persönlichen Betreuung und gutem Service gute Chancen.
In Bad Homburg beispielsweise will die Kette so etwas wie eine „Erlebnisfiliale“ schaffen: Die verglaste Halle wird von den Ausmaßen her für Veranstaltungen ausgelegt, außerdem soll es dort ein Bistro und ein Angebot für Kinder geben. Weitere Standorte südlich des Ursprungsgebiets könnte sich die Kette nach Söckers Worten vorstellen – allerdings sei eine Übernahme innerhalb des BMW-Vertriebsapparates meistens nur dann möglich, wenn irgendwo ein Händler zahlungsunfähig werde.
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Jüngste Beiträge