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Veröffentlicht: 14.05.2017, 18:04 Uhr

Auszeichnung im Römer Die Gewinner des Frankfurter Gründerpreises

Mehr als 7000 Unternehmen entstehen jedes Jahr in Frankfurt, drei davon wurden im Römer mit dem Gründerpreis der Stadt und insgesamt 30 000 Euro ausgezeichnet.

von David Wünschel und Ekaterina Kel, Frankfurt
© Wolfgang Eilmes Pakete verfolgen wie bei den Großen: Moritz Jäger, Rachid Touzani, Murat Karakaya und Tom Anyz (von links nach rechts) sind die Gründer von Cargosteps.

Die drei Ausgezeichneten: Der Entwickler einer cleveren Software für kleine Lieferdienste, ein Anbieter von Gratiskopien für Studenten und ein Lernförderzentrum, das auf aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung setzt.

Platz 1: Cargosteps - Eine Mitfahrzentrale für Pakete

Eins der ersten Dinge, die Gründer beherrschen müssen, ist der Elevator Pitch. In nur 30 Sekunden müssen sie in der Lage sein, ihre Geschäftsidee zu erläutern. Ganz so, als wenn sie mit einem Investor oder Kunden mit im Aufzug fahren, wo er ihnen nicht entkommen kann.

Für den schnellen Elevator Pitch ist die mehrstufige Geschäftsidee von Cargosteps zwar wohl zu komplex, nicht aber für den Frankfurter Gründerpreis: Das Unternehmen hat den ersten Platz belegt und wurde mit 12 500 Euro prämiert. Ihr Produkt soll kleinen und mittelgroßen Logistikunternehmen helfen, pakete in Echtzeit zu verfolgen und Lieferwägen gemeinsam zu nutzen – um dadurch mit großen Lieferdiensten wie DHL oder UPS konkurrieren zu können. Das Ziel: Eine Online-Plattform zur Vermietung leerer Transporter-Flächen an andere Spediteure und Paketdienste.

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Cargosteps wurde im September 2015 von Moritz Friedemann Jäger, Tom Anyz, Murat Karakaya und Rachid Touzani gegründet. Der Eigenbedarf brachte den Start-up-Stein ins Rollen: Touzani arbeitete zehn Jahre lang im von ihm gegründeten Logistik-Unternehmen und musste oft mit Fahrern und Kunden telefonieren, um den aktuellen Ort von Lieferungen zu klären. Durch die Cargosteps-Software soll dies entfallen. Sie trackt das Handy des Fahrers, der außerdem Infos, wie beispielsweise ein Bild vom Auslieferungsbeleg, in eine App einspeisen kann. So bleibt allen das telefonische Nachfragen erspart, und Lieferservice und Kunden können stets den neuesten Stand abrufen. „Fast wie beim DHL-Boten“, sagt Rachid Touzani. „Die Großen haben dafür eigene Lösungen, aber wir bieten die Software vielen kleinen und mittleren Firmen an.“

Die Gründer bringen unterschiedliche Expertisen mit: Friedemann Jäger und Anyz sind Software-Entwickler, Karakaya kümmert sich um das Marketing, und Touzani kennt die Logistik-Branche. Sechs weitere Angestellte arbeiten im Unternehmen. Zurzeit hat Cargosteps über 200 Nutzerfirmen, die über die Software täglich etwa 60 bis 70 Fahrten abwickeln. Bisher sind es hauptsächlich Expresslieferungen mit Sprintern und Pkws. Um noch mehr Kunden zu gewinnen, gibt Cargosteps seine Software bislang kostenlos weiter. Darum schreibt das Start-up noch rote Zahlen und wird hauptsächlich über Investoren und Ersparnisse finanziert. „Wir wollen erst wachsen und die Software entwickeln“, sagt Touzani. „Anders als ein Burgerladen können wir unser Produkt nicht direkt verkaufen.“

Wenn der Kundenstamm groß genug ist, folgt der nächste Schritt: Cargosteps will es ermöglichen, dass Lieferdienste die Plattform nutzen, um Leerfahrten zu vermeiden. Wer beispielsweise ein Paket von Frankfurt nach Berlin fährt, kann dann für die Rückfahrt auf der Plattform anfragen, ob jemand etwas von Berlin nach Frankfurt transportiert haben möchte. So könne der Logistikunternehmer seinen Ertrag laut Touzani fast verdoppeln. Für die Vermittlung will das Start-up dann eine Provision verlangen.

Die 12 500 Euro Preisgeld werden direkt wieder investiert: Die vier suchen einen Programmierer, der die Programmiersprache Python beherrscht, außerdem soll der alte Drucker im Büro ersetzt werden. Laut Touzani wird es noch eine Weile dauern, bis Cargosteps erste Profite einfährt. Er und die anderen Gründer seien aber von ihrer Idee überzeugt: „Wir wissen alle, dass dieses Unternehmen unsere Zukunft ist.“

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