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Ausbau des Flughafens „Jedes Jahr 400 Tote wegen Lärms“

09.09.2006 ·  In Folge des geplanten Flughafenausbaus würden in der Region rund 100.000 Menschen zusätzlich erkranken, ergibt sich aus einer Studie des Mediziners Arved Tietze.

Von Helmut Schwan
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Der Ausbau des Flughafens würde laut einem von der Fraktion der Flughafen-Ausbaugegner (FAG) in Auftrag gegebenen Gutachten im Umland das Risiko von Erkrankungen und Todesfällen erheblich erhöhen. Der Hildesheimer Mediziner Arved Tietze hat auf der Basis anderer Studien zu den Folgen von Lärm- und Schadstoffbelastungen prognostiziert, in der Region sei mit rund 100.000 zusätzlichen Erkrankungsfällen zu rechnen, wenn die Kapazität von derzeit rund 500.000 wie geplant auf etwa 660.000 Flugbewegungen im Jahr gesteigert werde. Tietze erwartet etwa 40.000 Bluthochdruckpatienten und 4000 an Asthma leidende Kinder. Mehr als 400 Menschen würden jedes Jahr aufgrund der Belastungen einen Herzinfarkt erleiden und daran sterben.

Der Vorsitzende der FAG-Fraktion, Rainer Rahn, sieht damit die Gutachten widerlegt, die der Flughafenbetreiber Fraport zur Genehmigung des Projekts eingereicht hatte. Diese kommen zu dem Ergebnis, daß die Belastungen nach dem Ausbau in den zulässigen Grenzen lägen und wegen der geplanten Schallschutzvorkehrungen keine gravierenden gesundheitlichen Folgen zu befürchten seien.

Zusammenhang zwischen Lärm, Stress und Blutdruck

Tietze stützt sich auf epidemiologische Untersuchungen, unter anderem jene des Lärmforschers Christian Maschke vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Maschke hat einen Zusammenhang zwischen Lärm, der vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen und dem Auftreten erhöhter Blutdruckwerte beobachtet. Eingeflossen sind laut Tietze auch die Erkenntnisse des früheren Chefarztes für Kardiologie am Frankfurter Universitätsklinikum, Martin Kaltenbach. Er hatte aus den Ergebnissen einer Studie im Umfeld des Flughafens gefolgert, der Lärm der Maschinen erhöhe die Gefahr des Bluthochdrucks. Die medizinischen Folgen von Lärm sind bisher nur wenig erforscht. Zehn Jahre dauert es laut Maschke mindestens, bis sich eine Krankheit manifestiert.

Rahn, der selbst Einwendungen im Planfeststellungsverfahren erhoben hat, wird nach eigenen Worten das Gutachten der FAG beim Wirtschaftsministerium einreichen. Dieses will bis Ende nächsten Jahres entscheiden, ob der Ausbau des Flughafens zu genehmigen ist.

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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