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Aus dem Frankfurter Geschäftsleben Auf und zu, von hier nach dort

21.06.2011 ·  Der Möbelbranche geht es offenbar wieder besser. Gleich zwei Frankfurter Händler expandieren, und ein monegassischer Designer mit fürstlicher Kundschaft rollt demnächst an der Hanauer Landstraße seine Teppiche aus.

Von Petra Kirchhoff
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Wesner zurück

Die Brüder Peter und Ralf Heinemann verkaufen seit kurzem Sessel und Sofas unweit des Dialogmuseums an der Hanauer Landstraße. Mit 500 Quadratmetern ist Wesner Wohnkomfort ähnlich groß wie die Filiale in Kriftel – und weit entfernt von den 25 000 Quadratmetern, die Möbelcity Wesner einst in Höchst aufwies. Das Traditionshaus wurde von den Heinemanns im Mai 2007 aufgegeben. Danach gönnten sich die Brüder eine zweijährige Pause, in der sie durch die Welt reisten – auf der Suche nach Konzepten „jenseits von 20 000 und 40 000 Quadratmetern“, wie Peter Heinemann sagt. Sie entschieden sich schließlich für die Spezialisierung auf Möbel für bequemes Sitzen und Liegen. Hinzu kommen Tische und Stühle und auch ein Möbel-nach-Maß-Service. Zu den Marken zählen etwa Stressless und Eastborn (Boxspringbetten). Als Zielgruppe nennt Heinemann („bei 1000 Euro geht es erst los“) die obere Mittelschicht, die Wert auf Qualität lege.

Sofa&Co. zum Zweiten

Und noch ein Frankfurter Sitzmöbel-Spezialist expandiert. Ende Juli wird Daniel Derkes, Inhaber von Sofa&Co., an der unteren Berger Straße, unweit der Höhenstraße, ein zweites Geschäft eröffnen. Früher war hier ein Solarium, später eine Boutique. Der Frankfurter Unternehmer beschreibt sich als Spezialist für Möbel mit Funktion. Zu den Marken zählen Brühl, KFF und Kartell. Gerade erst hat Derkes mit Sofa&Co. sein Fünfjähriges an der Schweizer Straße gefeiert. In Bornheim wird es auf 180 Quadratmetern ein ähnliches Sortiment geben, das heißt: Sessel, Schlafsofas (ab 1000 Euro) und Wohnaccessoires. Die Berger Straße, die in Verruf steht, zur Fressmeile zur verkommen und inzwischen auch einige Leerstände hat, kann den neuen Mieter gut gebrauchen.

Teppichmode aus Monaco

Mode für den Fußboden, Fashion for Floors, so heißt übersetzt das Unternehmen, das im Juli an der Hanauer Landstraße Deutschlandpremiere feiern wird. In ehemaligen Geschäftsräumen der Automarke Jaguar an der Hanauer Landstraße – das Gebäude befindet sich auf dem Gelände der Union Brauerei– eröffnet Kamyar Moghadam, Teppichdesigner und -händler aus Monaco, sein erstes Geschäft (600 Quadratmeter) hierzulande. Der gebürtige Frankfurter ist Gründer des Unternehmens Fashion for Floors mit Sitz in Monaco und offizieller Hoflieferant des Fürstenhauses. Aktuell hat Moghadam eine handgestickte Bordüre aus Neuseelandwolle und Bambus-Seide für den Teppich in Auftrag gegeben, auf dem Fürst Albert II. und Charlene Wittstock am 2. Juli zum Traualtar schreiten werden. Aufregende „Floor Couture“ ist auch in Frankfurt zu erwarten. Angekündigt wird ein „impulsives Interieur“, etwa auch ein Untergrund mit Bienenwaben-Struktur im 3D-Look.

Leinen statt Locken bei Oska

Oska – diese vier Buchstaben stehen für einen weniger schillernden Neuling am Schweizer Platz. Oska ist eine internationale Marke für Damenmode, die es bisher nur vereinzelt in Frankfurter Geschäften gab. Nun also ein eigener Shop an der Oppenheimer Landstraße, just dort, wo man sich bis vor kurzem noch beim Friseur Hirtz die Haare schneiden ließ. Betrieben wird das aufwendig renovierte Geschäft (110 Quadratmeter) vom Ehepaar Martin Seidel und Lydia Jäschke, die schon in Siegen einen von weltweit 13 Oska-Partnershops haben. Vom Unternehmen selbst geführte „Flagships“ gibt es zudem in London, New York und München. Dort hat das Haus auch seinen Sitz. Lydia Jäschke ist gebürtige Frankfurterin, weshalb für die Geschäftsleute nur diese Stadt in Frage kam. Die Marke legt laut Seidel Wert auf Materialien wie Leinen, Hanf, Baumwolle, ebenso auf natürliche Farben. Das Unternehmen, das vorwiegend in Tschechien fertigt, besitzt eine eigene Färberei. Die Schnitte sind weit, das Design fällt eher in die Kategorie „alternativ“.

Goethestraße funkelt

Es funkelt wieder an Frankfurts Luxusmeile. Schneller als gedacht, ist der französische Glasspezialist Lalique zurückgekehrt. Messerbänkchen für den gedeckten Tisch, exotische Figuren, Karaffen und Vasen im Art-déco-Stil, die bei Sammlern sehr beliebt sind, gibt es jetzt in den Räumen der ehemaligen Modeboutique Jasmin an der Ecke zum Opernplatz. Erst im vergangenen Frühjahr hatte Lalique der Goethestraße den Rücken gekehrt. Den Rückzug begründet das Unternehmen mit „logistischen Gründen“. Der Mietvertrag war ausgelaufen, die Miete hätte um das „Drei- bis Vierfache“ angehoben werden sollen, wie es heißt. Die Neuauflage erfolgt in Kooperation mit Christofle, dem französischen Hersteller feiner Bestecke und Accessoires aus Silber, der auch mit einem Geschäft am Oeder Weg vertreten ist.

Railslide zieht um

Nicht ganz freiwillig verabschiedet sich Railslide nach vier Jahren vom Rossmarkt. Der größte und älteste Anbieter von Skate- und Snowboards in der Stadt – Railslide gibt es seit 20 Jahren – zieht in das ehemalige Ladenlokal von Jack Wolfskin an der Neuen Kräme. Der Grund: Ein Abriss und Neubau steht an, anschließend die übliche Mieterhöhung. Die Rückkehr sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. „Die Miete wäre definitiv zu hoch“, sagt Tobias Mertins, der bei Railslide für das Marketing zuständig ist. Auch die Kette Butlers ist betroffen und möchte den bestehenden Mietvertrag zum Ende des Jahres auflösen, wie es auf Anfrage heißt. Man suche nach einer Ausweichfläche in der Innenstadt. Gut 900 Quadratmeter Verkaufsfläche hatte Railslide am Rossmarkt. Der neue Laden umfasst gerade einmal ein Drittel davon, weshalb das Sortiment aufgeteilt werden soll. „Wir gehen davon aus, dass wir noch einen zweiten Laden aufmachen werden.“ Nun stehen die Railslider aber erst einmal vor einer ganz anderen Herausforderung: Sie müssen versuchen, etwas von der coolen Laden-Atmosphäre am Rossmarkt in das etwas putzige, denkmalgeschützte Haus an der Neuen Kräme hinüberzuretten.

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