09.09.2009 · Nachdem Frankfurt das Rennen um die „Games Convention“ gegen Köln verloren hat, steht der nächste Wettbewerb ins Haus. Um das Kreativ-Festival des Art Directors Club bewirbt sich auch München.
Von Patricia AndreaeEs ist scheinbar noch alles offen in der Frage, ob der Art Directors Club (ADC) sein Festival im Frühjahr in Frankfurt oder München ausrichten wird. So jedenfalls sagen Kenner der Szene, setzen aber gleich hinzu, es komme nun sehr darauf an, dass die Stadt Frankfurt, die Region und das Land Hessen deutlich machten, dass sie bereit seien sich zu engagieren. Welchen Umfang ein solches Engagement haben soll, das lässt sich offenbar nicht so recht beziffern – oder man möchte es nicht.
Es geht jedenfalls um einiges. Denn das Kreativ-Festival des ADC vom 12. bis 16. Mai 2010 umfasst die Tagung der Jury für die Auszeichnung der besten kreativen Leistungen des Jahres, eine Ausstellung der eingerichten bis zu 7000 Beiträge aus allen Sparten der Kommunikation, einen Kongress mit prominenten Kreativen und die „Awards Show“ für rund 2000 Gäste, eine „Awards-Night“ und mehrere kleine Parties und Empfänge sowie ein Rahmenprogramm mit Führungen und Präsentationen.
Der ADC-Award ist der wichtigste Preis für kreative Arbeiten aus Kommunikation und Werbung im deutschsprachigen Raum. In insgesamt 46 Wettbewerbskategorien werden die goldenen, silbernen und bronzenen ADC Nägel verliehen. Mehr als 10.000 Gäste aus der ganzen Republik und dem Ausland werden zu den Veranstaltungen rund um diese Preisverleihung erwartet. Da kann sich der Kreativ-Standort Rhein-Main von seiner besten Seite zeigen.
Ziel: „Top-Adresse“ für Kreative
Nachdem die Stadt im vergangenen Jahr einen umfangreichen Kreativwirtschafts-Bericht vorgelegt und die Absicht erklärt hat, zur „Top-Adresse“ für Kreative zu werden, besteht nun die Chance, dem einen Schritt näher zu kommen.
Claus Fischer, Geschäftsführer der Event-Marketing-Agentur Voss + Fischer, der zusammen mit Stefan Vogel von Ogilvy & Mather, für die Sektion Frankfurt im ADC die Bewerbung der Region vorbereitet, hebt hervor, wie wichtig es sei, Frankfurt für Kreative sichtbar zu machen. Denn in der Außenwirkung werde die Bedeutung der Stadt und der Region zu sehr von der Finanzwirtschaft dominiert. Dabei, sagt Gabriele Eick, Kuratoriumsvorsitzende des Frankfurter Marketing Clubs und Vizepräsidentin des Deutschen Markenverbands, sei Frankfurt immer noch Deutschlands Markenhauptstadt. Den Fokus einmal mehr darauf zu richten, lohnt nach ihren Worten jede Anstrengung. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass das auch in der Politik so gesehen werde: Wirtschaftsdezernent Markus Frank messe der Branche ebensoviel Bedeutung bei, wie sein Vorgänger Boris Rhein (beide CDU).
Im Büro des Wirtschaftsdezernenten laufen derzeit die Fäden für die Bewerbung zusammen. Gemeinsam mit der städtischen Tourismus und Congress GmbH wird an einem Konzept gearbeitet, das Tradition und Moderne repräsentieren soll. Als Orte für die verschiedenen Veranstaltungen kommen unter anderem die Messe, die Alte Oper und der Cocoon-Club in Frage, aber auch kleinere Lokationen beispielsweise an der Hanauer Landstraße, die sich ja immer mehr zur Werbemeile mausert. Eingebunden werden sollen aber auch die Hochschulen der Region wie die Offenbacher Hochschule für Gestaltung und die Darmstädter Hochschule für Kommunikations-Design.
Nachwuchs schwer zu finden
Denn gerade den Nachwuchs soll das ADC-Festival anlocken, zu dem auch die Junioren-Tage des Verbands gehören. Nachwuchskräfte zu finden gehört nämlich immer noch zu den größten Sorgen der Frankfurter Kommunikationsunternehmen. Heinz Huth, Mitinhaber der Agentur Huth+Wenzel, wünscht sich darum schon lange eine Kreativhochschule am Main. Ein ADC-Festival könne aber schonmal ein Schlaglicht auf die Stadt werfen und sie stärker ins Bewußtsein für junge Kreative rücken.
Im Wirtschaftsdezernat jedenfalls sieht man sich gut positioniert. Frankfurt habe schießlich eine hervorragende Infrastruktur und eine gut aufgestellte Szene, sagt eine Dezernatssprecherin. Dazu zählen auch das Branchenblatt „Horizont“, der Kommunikationsverband GWA sowie viele große und kleinere Agenturen. Das allein wird aber wohl nicht reichen, denn wie zu hören ist, winkt man in München schon mit dem Geldbeutel, um den ADC-Gipfel anzulocken – so wie seinerzeit in Köln, als es um die Computerspielemesse „Gamesconvention“ ging.