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Arbeitssuche Das Praktikum: Türöffner oder Trostpreis

 ·  Nach dem nächsten Praktikum ist Schluß. Simone Fecht hat keine Lust mehr. Die Betriebswirtin sucht seit eineinhalb Jahren nach einer festen Stelle. Sie weiß: Praktika führen nicht automatisch zum Ziel - auf den Studiengang kommt es an.

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Nach dem nächsten Praktikum ist Schluß. Simone Fecht hat keine Lust mehr. Die Betriebswirtin ist 28 Jahre alt und sucht seit mittlerweile eineinhalb Jahren nach einer festen Stelle. Anfang 2005 hat Fecht ihr Studium an der Fachhochschule Wiesbaden beendet. „Mit ganz guten Noten“, wie sie sagt. Doch jetzt macht die gebürtige Dortmunderin in einem Heidelberger Unternehmen gerade ihr drittes Praktikum seit Ende des Studiums. Geld bekommt sie kaum dafür. Was sie statt eines vierten Praktikums machen will, weiß sie nicht. Fecht sagt: „Im Moment gibt es kaum Jobs für Wirtschaftswissenschaftler.“

Solche Sorgen kennt Christian Weis nicht. Sechs Semester hat der Vierundzwanzigjährige an der Fachhochschule Gießen-Friedberg studiert. Jetzt ist er Ingenieur für Mikrotechnik. Der Mittelhesse absolvierte nur ein Praktikum während seiner Studienzeit, vorgeschrieben waren zwei, eines wurde ihm wegen seiner Feinmechaniker-Ausbildung angerechnet. Weis hat ziemlich schnell studiert; für sich und seine Kommilitonen sieht er beste Chancen. „Die Aussichten für Ingenieure sind zur Zeit gut.“

150 Euro im Monat als „Gehalt“

Von einer „Generation Praktikum“ zu sprechen, wie es die „Zeit“ kürzlich tat, ist für Kolja Briedis vom „Hochschul-Informations-System“ (HIS) in Hannover übertrieben. Briedis sagt: „Es gibt zwar einen Trend zum Praktikum, aber von einem Billiglohnsektor kann nicht die Rede sein.“ Vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftler müßten nach dem Studium viele Praktika absolvieren, weil sie nicht sofort einen Job fänden. „Bei den Ingenieuren ist die Nachfrage der Unternehmen inzwischen so groß, daß Praktika kaum mehr eine Rolle spielen“, sagt er. Laut einer HIS-Studie landen rund 86 Prozent der Universitäts- und 90 Prozent der Fachhochschul-Absolventen unmittelbar nach dem Studienabschluß in einem regulären Arbeitsverhältnis.

Simone Fecht gehört nicht dazu. Sie sehnt sich nach Planungssicherheit. „Der Wunsch nach einer Familie, einem festen Job und einer festen Bleibe steigt“, sagt die Betriebswirtin, die sogar auf einen Studienaufenthalt in Großbritannien verweisen kann. „Partnerschaften verkümmern zu Wochenendbeziehungen, und Freundschaften werden über E-Mails aufrechterhalten, nur um dem Faktor Mobilität gerecht zu werden.“

Allmählich frage sie sich außerdem, wie sie ihre Rechnungen begleichen und die Miete in Heidelberg zahlen solle. In ihrem Praktikum bekommt die Achtundzwanzigjährige 150 Euro im Monat. Drei Monate soll sie bleiben. Ohne ihre Eltern käme sie nicht „über die Runden“. Trotzdem sei ihr ein Praktikum lieber, als arbeitslos zu sein. Sie glaubt, daß viele Akademiker aus Angst vor einer Lücke im Lebenslauf auch unbezahlte oder schlechtbezahlte Praktika annähmen, „in der Hoffnung, in dem Betrieb aufzufallen und eingestellt zu werden“.

Hochtief achtet auf gute Noten

Auf solche Praktikanten setzt die Dresdner Bank. Dort griffen die Personalchefs „gern intern auf Praktikanten zurück, wenn die weiteren Qualifikationen passen“, sagt ein Sprecher. Wer aufgefallen sei mit guten Leistungen, habe bessere Chancen. Keine Rolle hingegen spielen die praktischen Erfahrungen zum Beispiel bei der Hochtief Construction AG mit Sitz in Frankfurt. Für das Bauunternehmen seien „gute Noten ausschlaggebend für eine mögliche Einstellung“, sagt Unternehmenssprecher Michael Schneider.

Alicia Henning absolviert mittlerweile ihr drittes Auslandspraktikum in China. Der 23 Jahre alten Psychologie-Studentin sind von einem Unternehmen 100 Euro für ein Praktikum geboten worden. Das war ihr zuwenig. „Unternehmen sollten keine Praktikanten einstellen, wenn sie sich keine leisten können. Das ist Ausbeutung“, sagt sie. Unter 400 Euro werde sie kein Praktikum mehr antreten - „es sei denn, Kosten für Unterkunft oder Lebensunterhalt werden übernommen“. Henning hofft, jetzt schon Kontakte zu knüpfen, die ihr später helfen, eine Stelle zu finden.

„Stelle als Lückenfüller“

Damit Praktikanten nicht ausgebeutet werden, rät Eva Peters, Leiterin des Hochschulteams der Arbeitsagentur in Frankfurt, zur Vermittlung über eine Zeitarbeitsfirma. „Bei einer Zeitarbeitsfirma werden die Praktikanten wenigstens nach Tarif bezahlt und die Kosten auf die Unternehmen umgewälzt.“ Die Verzweiflung der Studenten ist für sie verständlich: Bei den Unternehmen gebe es einige „schwarze Schafe“, die Praktikanten als Ersatz für Vollzeitangestellte einsetzten. „Der volkswirtschaftliche Schaden, der dadurch entsteht, ist enorm. Es gibt aber keine genauen Zahlen“, sagt die Arbeitsvermittlerin.

Der 27 Jahre alte Klaus Reuning, Mitglied in der Attac-Hochschulgruppe der Universität Frankfurt, war bei einem dieser „schwarzen Schafe“, wie er sagt. Während eines Praktikums habe er eine „Stelle als Lückenfüller“ übernehmen müssen. Der Politologe hat den Eindruck, in Deutschland würden immer mehr reguläre Arbeitsplätze durch Praktikantenstellen ersetzt, „für die die Unternehmen keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen“.

Ingenieur Christian Weis aus Ehrningshausen hat mittlerweile vier Jobangebote auf dem Schreibtisch liegen. „Wenn mich jemand haben will, sprechen meine Noten für mich, Praktika hab' ich ja kaum“, sagt er. Drei Angebote hat er ausgeschlagen. Das von einem Schweizer Unternehmen ist in der engeren Wahl.

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Von Matthias Alexander

Wenn das kein Grund zur Freude ist: Die Eintracht beendet die Saison auf dem sechsten Platz, der FSV Frankfurt geht eine Spielklasse tiefer sogar als Vierter durchs Ziel. Das ist ein schöner Imagegewinn für die Sportstadt Frankfurt. Mehr 1

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