01.08.2006 · Der Trend zu weniger Arbeitslosen in Hessen hat sich im Juli mit gebremstem Tempo fortgesetzt. Auffällig ist dabei die leichte Abnahme bei der Zahl der Erwerbslosen, die in den vergangenen Jahren im Juli stets merklich gestiegen war.
Von Jochen RemmertDie Lage auf dem Arbeitsmarkt entwickelt sich in Hessen erheblich besser als erwartet. Angesichts der Julizahlen der vergangenen Jahre hatten die Experten der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit damit gerechnet, daß auch in diesem Jahr die Arbeitslosigkeit vor allem aufgrund des Endes des betrieblichen Ausbildungsturnus und der Quartalskündigungstermine steigen würde. Den Angaben zufolge belastete gerade dieser Effekt in den vergangenen zehn Jahren im Juli stets die Situation. Im Durchschnitt wuchs die Zahl der als arbeitslos registrierten Männer und Frauen im Juli jedesmal um zirka 7000 an. Doch diesmal sind mit 284.040 sogar 725 Hessen weniger als im Vormonat ohne Arbeit gewesen.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich die Zahl der Arbeitslosen sogar um 11.552 reduziert. Im Juni waren lediglich gut 6700 Menschen weniger als arbeitslos registriert als im Vergleichsmonat 2005, die Verbesserung gegenüber dem Vorjahr hat sich also von Juni auf Juli noch ganz erheblich gesteigert. Im Monatsvergleich veränderte sich die Arbeitslosenquote zwar nicht, sie blieb bei 9,2 Prozent. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ist die Verbesserung aber immerhin erhalten geblieben: 2005 lag die Quote im Juli bei 9,6 Prozent.
Gewinn und auch Verlust an Arbeitsplätzen
Im Detail fällt bei den neuesten Arbeitsmarktdaten auf, daß sich die Zahl der für die Finanzierung der Sozialsysteme entscheidenden sozialversicherungspflichtigen Voll- oder Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse allmählich wieder stabilisiert. Die Arbeitsverwaltung zählt derzeit in Hessen 2,086 Millionen solcher Stellen. Die Experten rechnen sogar damit, daß in nächster Zeit wieder ein Zuwachs bei diesen zu verzeichnen sein wird. Außerdem scheint es so, daß Unternehmen zwar wieder mehr Personalbedarf haben, aber vorerst nicht langfristig einstellen wollen. Zumindest geht aus dem Zahlenwerk der Arbeitsverwaltung hervor, daß der nach wie vor massive Schwund an Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe auch durch starke Zuwäche bei den sogenannten unternehmensnahen Dienstleistungen ausgeglichen wird. Und das könnte nicht nur den Zahlen nach der Fall sein, denn zum Dienstleistungssektor werden auch sämtliche Leiharbeiter gezählt.
Und gerade auf diese setzen auch Industriebetriebe immer öfter. Der Verlust an Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe in Hessen beläuft sich den reinen Zahlen nach auf 11.500, damit gibt es in dieser Sparte noch knapp 447.000 Stellen. Dem stehen mehr als 333.000 Arbeitsplätze bei den unternehmensnahen Dienstleistungen gegenüber, was einen Zuwachs von 13.700 innerhalb eines Jahres bedeutet.
Nachfrage nach Fachkräften steigt
Die Zeitarbeitsfirma Adecco meldete, daß es zunehmend schwieriger werde, Fachkräfte zu finden und die Nachfrage etwa von Betrieben aus dem Maschinenbau und der Automobilbranche zu befriedigen. Diese suchten vor allem Techniker, Ingenieure und Konstrukteure, aber es seien auch Facharbeiter gefragt.
Die Zahl derer, die sich nach der Lehre arbeitslos gemeldet haben, ist im Juli um ein Drittel auf mehr als 6600 im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Das ist nach Einschätzung der Arbeitsverwaltung auch darauf zurückzuführen, daß Unternehmen den Appellen aus Politik und Gesellschaft gefolgt seien und über Bedarf ausgebildet hätten. Die Regionaldirektion plädiert ausdrücklich dafür, weiter über die betriebliche Notwendigkeit hinaus jungen Leuten die Chance zu geben, einen Beruf zu erlernen. Mit guter Ausbildung hätten sie eine weitaus größere Chance auf dem Arbeitsmarkt als ohne.