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Anwälte in Frankfurt : In der Krise soll guter Rat nicht billig werden

Global Player: Hans-Josef Schneider, geschäftsführender Partner der Großkanzlei Clifford Chance Bild: Helmut Fricke

Der Feldzug begann Anfang der neunziger Jahre. Amerikaner und Briten entdeckten den deutschen Markt der Wirtschaftskanzleien. Sie haben ihn längst, gerade am Finanzplatz Frankfurt, erobert. Die Krise erfordert nun neue Geschäftsmodelle. Topanwälte, die 500 Euro je Stunde berechnen, bangen um ihre Jobs.

          Hans-Josef Schneider war am 15. September 2008 in New York, als Lehman Brothers Insolvenz anmeldete. Der Schock im Finanzdistrikt sei mit den Händen greifbar gewesen, erinnert sich der deutsche Managing Partner der internationalen Großkanzlei Clifford Chance. Die Ausläufer dieses Bebens sind auch heute in den Räumen der Kanzlei im Hochhaus IBC an der Mainzer Landstraße noch zu spüren. Die Rezession trifft die Großkanzleien nun, da sie in den zuvor so einträglichen Geschäften der Unternehmens- und Immobilientransaktionen und bei der Gestaltung neuer Finanzprodukte überaus engagiert waren, stärker als die mittelständisch orientierten, auf Deutschland konzentrierten Kanzleien.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie sehr freilich der Zusammenbruch der Investmentbank die Krise beschleunigte, wisse heute noch keiner so genau, sagt Schneider. Der Weg werde noch lang sein, das Vertrauen der Kunden zu den Banken und zwischen diesen wiederherzustellen. Aber es gebe die ersten Anzeichen, dass das Räderwerk wieder in Bewegung gerate.

          Schneider hat die Erfahrung und die Perspektive, Zeichen zu deuten. 1982, nur drei Jahre nach seinem Eintritt als junger Anwalt, wurde er Partner in der damals schon europaweit agierenden Sozietät Pünder, Volhard und Weber; 17 Jahre später stimmte er mit dafür, sich mit Clifford Chance aus London zusammenzuschließen. Der 58 Jahre alte Anwalt und Notar, promovierter Spezialist für große Immobilienprojekte, hat zu viele Schwankungen der Märkte erlebt, um voreilig Prognosen zu wagen. Dass die Krise diesmal tiefer geht als einige Rezessionen zuvor, daran zweifelt er nicht. Die Gefahr, ganze Geschäftsfelder für eine international operierende Sozietät wie Clifford Chance könnten auf Dauer wegbrechen, sieht er dennoch nicht. Derzeit verlagerten sich die Aufgaben eher, etwa im Segment der Unternehmensbeteiligungen. Während Börsengänge und Unternehmenskäufe in den großen Dimensionen früherer Jahre nahezu völlig ruhten, nutzten Mittelständler diese Phase, relativ günstig einzusteigen.

          Verstärkt Suche nach gemeinsamen Lösungen gefragt

          Die Volumina solcher Beratungsmandate, das räumt Schneider ein, könnten die Einbußen in dem in den vergangenen Jahren so einträglichen Geschäft der Transaktionen allerdings nicht wettmachen. Aber auch die Krise selbst eröffne neue Möglichkeiten für die juristischen Berater. So nehme zum Beispiel gegenwärtig in Banken und unter Investoren die Bereitschaft zu, bei notleidenden Immobilienprojekten nicht, wie es zu Beginn der Krise gerade in den Vereinigten Staaten geschah, den „Schlüssel zurückzugeben“ und das Geschäft abzuwickeln, sondern gemeinsam nach anderen Lösungen zu suchen.

          „Gemeinsam“ bedeutet mit juristischer Expertise. Der Rat und das internationale Netzwerk von Clifford Chance waren auch gefragt, als es galt, die Milliardenlöcher auszuleuchten, die das Engagement am amerikanischen Kreditmarkt in die Bilanzen einiger Landesbanken oder Hypothekenbanken gerissen hatte. An den diversen Rettungsschirmen, die der Staat aufgespannt hat oder noch aufspannen will, arbeitet Clifford Chance gleichfalls mit.

          Stundensatz von 500 Euro und mehr beim Honorar

          Den in der Branche für einiges Aufsehen sorgenden „Capital Call“ Anfang des Jahres, als die globale Führung von Clifford Chance weltweit rund 400 Partner bat, insgesamt 60 Millionen Pfund aufzubringen, will Schneider nicht so gedeutet wissen, dass ein Liquiditätsengpass bestanden habe. Die Sozietät sei eigenkapitalfinanziert, ohne Bankverbindlichkeiten. Ziel war es laut dem Deutschland-Chef lediglich, Vorsorge zu treffen, um gegen „mögliche Umsatzschwankungen“ gewappnet zu sein. Von dem Stundensatz von 500 Euro und mehr beim Honorar mögen die internationalen Kanzleien vorläufig nicht herunter. Allein schon, um zu zeigen, dass die Qualität der Beratung hochwertig sei.

          Allerdings verhandelten die Mandanten nun stärker über das Honorar als noch vor einem Jahr, berichtet der Deutschland-Chef von Clifford Chance. Ungeachtet dessen gelte weiterhin: Die beratenden Teams müssten in Größe und Zusammensetzung zu dem Schwierigkeitsgrad und der Komplexität der Aufgabe passen.

          Schneider hält auch nichts davon, in die Geschäftsfelder kleinerer Kanzleien oder der sogenannten Boutiquen vorzustoßen, die sich auf wenige Rechtsgebiete spezialisiert haben. Eher wolle man in wachsenden oder stabilen Märkten präsenter werden: Gerade hat Clifford Chance Büros in Kiew und Abu Dhabi eröffnet.

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