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Sportartikel-Hersteller : Trainieren wie Sprintstar Usain Bolt

  • -Aktualisiert am

Stark: Der Sportanzug von Antelope Club stimuliert die Muskeln. Bild: Frank Röth

Ein Frankfurter Start-up hat innovative Sportbekleidung entwickelt. Sie soll das Training effizienter machen, damit jeder wie die Spitzensportler trainieren kann.

          Krawatte? Trägt hier niemand. Das würde auch nicht zum Standort passen. Das Büro des Start-ups Antelope Club befindet sich nämlich in einem Hinterhaus unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs. Die Schreibtische sind zu einer langen Tafel aneinandergereiht, irgendwie erinnert all das ein wenig an Google. Und das soll auch so sein. Denn Antelope Club will den großen Vorbildern aus dem Silicon Valley in nichts nachstehen.

          Gründer Kay Rathschlag, studierter Betriebswirt, ist sportbegeistert. Vor einigen Jahren wurde er auf eine Technologie aufmerksam, die im Reha-Sport seit über 60 Jahren eingesetzt wird: elektrische Muskelstimulation (EMS). Durch die Simulation der Impulse, die normalerweise vom Gehirn ausgehend über die Nervenbahnen geleitet werden und die Muskulatur anspannen, lassen sich Muskeln nach Verletzungen wieder aufbauen. Auch im Spitzensport wird EMS eingesetzt, Olympiasieger Usain Bolt trainiert beispielsweise mit der Technologie. Durch die Verstärkung der natürlichen Muskelkontraktion wird sein Training effektiver.

          Startkapital zu finden, war problematisch

          EMS bildet die Grundlage für das Unternehmen, das Rathschlag mit einem weiteren Betriebswirt und einem Sportwissenschaftler vor zwei Jahren gründete. Antelope Club entwickelt spezielle Sportbekleidung mit einem Elektrogerät, das die elektrischen Impulse erzeugt und über Elektroden in die Muskeln leitet. Über eine App lassen sich die kleinen Stromschläge steuern. In die Entwicklung steckte das Unternehmen über eine Million Euro.

          Ein interdisziplinäres Team von Elektroingenieuren, Textilwissenschaftlern, Modedesignern und Hardware- sowie Softwareingenieuren entwickelte den Prototypen. Mittlerweile hat Antelope Club 25 Mitarbeiter. Rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen 2016 wollen sie ihr Produkt auf den Markt bringen. Das Unternehmen sieht einen Markt für leistungssteigernde Sportbekleidung – auch wenn der Anzug derzeit 1300 Euro kostet.

          Über viele Jahre hinweg hat Rathschlag sich ein Netzwerk in der Sportartikelbranche aufgebaut und Kontakte zu potentiellen Investoren geknüpft. Acht Business Angels unterstützen das Unternehmen, doch die Beschaffung des nötigen Startkapitals sei eine große Herausforderung gewesen, sagt Rathschlag. „In Frankfurt gibt es nicht das richtige Geld“, findet er. Die meisten Unternehmer scheuten eine riskante Investition. In den Vereinigten Staaten sei das anders.

          Eine App soll vor Übernutzung warnen

          Nach der ersten Investmentrunde startete Antelope Club über die Plattform „Indiegogo“ eine Crowdfunding-Kampagne, mit deren Hilfe bisher mehr als eine Million Euro für die Produktion zusammenkamen. Über die Plattform können Kunden in das Unternehmen investieren, indem sie im Internet die Sportbekleidung bestellen und vorab bezahlen – obwohl sie das Produkt erst erhalten, wenn es auf den Markt kommt. Aufgrund des damit verbundenen Risikos erhalten die Kunden einen Rabatt. Gleichzeitig testeten die Unternehmer durch die Crowdfunding-Aktion die reale Nachfrage. Rathschlag fühlt sich dadurch in seinem Vorhaben bestärkt. Die Kampagne über „Indiegogo“ war im Jahr 2015 die erfolgreichste Crowdfunding-Aktion in ganz Deutschland.

          Nicht so erfolgreich war dafür Rathschlags Auftritt in der Vox-Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“. Dort haben Gründer die Chance, eine aus Unternehmern bestehende Jury davon zu überzeugen, in sie zu investieren. Extremsportler und Jurymitglied Jochen Schweizer hat zwar selbst gute Erfahrungen mit EMS gemacht – an den Bedarf für den Antelope-Sportanzug glaubte er dennoch nicht.

          Michael Behringer hat die Wirkung von EMS in mehreren Studien untersucht. Der Sportmediziner der Deutschen Sporthochschule in Köln wies den Anstieg verschiedener Blutparameter nach einem EMS-Training nach, die auf eine Intensivierung des Reizes schließen lassen. Eine Langzeitstudie gibt es noch nicht. „Um die Muskeln nicht überzustrapazieren, darf man es mit dem Training allerdings nicht übertreiben“, sagt Behringer. Doch davor warnt auch die App von Antelope.

          Noch lange keine Massenware

          Rathschlag ist überzeugt, dass die Menschen in Zukunft nicht mehr in Fitnessstudios gehen, sondern zu Hause trainieren werden. Durch eine Virtual-Reality-Brille könnten sie dann ihren Personal-Trainer sehen, glaubt er. Um dieser Entwicklung zu entsprechen, kann die Sportbekleidung von Antelope bereits jetzt die Fitnessgeräte in den Studios ersetzen. Wer im EMS-Sportanzug joggen geht, trainiert nicht nur die Beinmuskeln, sondern auch andere Muskelgruppen. Außerdem können die Stromstöße so eingestellt werden, dass es sich anfühlt, als laufe man bergauf. Dadurch, dass das Training anstrengender ist, kann Trainingszeit eingespart werden.

          Zurzeit liefert das Produkt ausschließlich die Muskelstimulation. In der nächsten Generation hingegen sollen mit Hilfe von Sensoren auch Trainingsdaten gesammelt und ausgewertet werden. Rathschlag meint, dass sowohl Fitnessstudios als auch Sportbekleidungshersteller die Digitalisierung verpasst hätten und diese Entwicklung nun aufzuholen versuchten. So erwarb Adidas im vergangenen Jahr die Fitness-App „Runtastic“ für 220 Millionen Euro. Auch die Fitnesskette „Fitness First“ kaufte ein Online-Plattform für das Training zu Hause vor dem Bildschirm.

          Die derzeitigen Kunden von Antelope Club sind sogenannte „Early Adopter“, weil sie ein Produkt im frühen Stadium der Marktreife erworben haben. Sobald Antelope Club eine größere Menge an Anzügen produziere, werde auch der Preis sinken, so Rathschlag. Wenn es nach ihm ginge, trainieren in Zukunft viele Menschen ein wenig wie Sprintstar Usain Bolt.

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