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Ankleiderin Unterwegs in Sachen gute Kleidung

25.03.2011 ·  Ihren Namen muss sie nur selten nennen, man kennt sie. Die Ankleiderin Mehtap Hatipoglu besucht und berät ihre Kunden oft an deren Arbeitsplätzen. 150 Stammkunden zählt sie derzeit.

Von Thomas Hahn
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Ihren Namen muss sie nur selten nennen, man kennt sie. Mehtap Hatipoglu, die gerade das Foyer des Hochhauses betritt, ist deutsche Türkin – oder türkische Deutsche. Sie spricht fließend Türkisch wie Deutsch, Letzteres ist allenfalls ein wenig hessisch gefärbt. Sie ist elegant aber nicht steif gekleidet: edle Bluse, Weste und Hose, als habe sie das Jacket des Hosenanzugs abgelegt. Der kleine Rollkoffer, mit dem sie das Hochhaus betritt, ist mit Taschen beladen. Sie trifft einen Kunden, Diskretion ist oberstes Gebot.

Nein, die 37 Jahre alte Frau tut nichts Verruchtes. Sie nennt sich Ankleiderin. Unter dem Label „Hatipoglu bespoke“ (bespoke steht für maßgefertigt) berät sie Herren, meist Anwälte und Geschäftsleute, nimmt Maß und entwirft Kleidung. Nähen kann sie zwar, aber selbst schneidert sie nicht, das übernehmen kleinere Ateliers in ganz Europa – allesamt Familienbetriebe, mit denen sie in engem Kontakt steht, wie sie sagt.

Leidenschaft für Farben und Stoffe

Ihre Kunden bestellen nicht nur Arbeitskleidung, den Anzug, sondern auch mal ein Polohemd für die Freizeit oder einen Smoking für den Abend. Die Ankleiderin und ausgebildete Farbberaterin bietet einen Service zwischen Maßschneiderin und Herrenausstatterin: Individuell gefertigte Kleidung nach eingehender Beratung, Liefern, Abholen zur Änderung, alles buchbar.

Die Leidenschaft für Farben, Gestaltung und Stoffe hat die aus Hannover stammende und im Rhein-Main-Gebiet lebende Frau von ihrer Mutter, die viel genäht hat. Die Eltern stammen aus der Türkei, lernten sich aber erst in Deutschland kennen. Ihr Vater wurde von seinem Vater nach Deutschland geholt, ihre Mutter von der älteren Schwester.

Zum ersten Mal nach Frankfurt kam Hatipoglu für das Studium „Internationales Management“, das sie am Main und in Maastricht absolvierte. Danach ging sie nach London und kümmerte sich dort um die Garderobe von Managern.

150 Stammkunden

Das Geschäft läuft. Hatipoglu zählt etwa 150 Stammkunden. Die meisten hat sie von ihrem früheren Arbeitgeber übernommen, einem amerikanischen Unternehmen der Branche. Dessen deutsche Niederlassung habe sie mit aufbauen sollen – jedoch ohne Einweisung in den hiesigen Markt. Die Arbeitsbedingungen seien nicht gut gewesen, die Zentrale habe kaum auf Anfragen reagiert. Irgendwann ging sie, die meisten anderen waren schon weg. Sie nahm ihre Kunden mit, eine Klausel dagegen gab es nicht.

Ein zu großer Kundenstamm kann dem Service allerdings schaden – vor allem der individuellen Beratung. Deshalb möchte sie nicht mehr als 200 Herren betreuen. Im Rhein-Main-Gebiet besucht Hatipoglu ihre Kunden nicht nur zu Hause, sondern auch in den Büros, wenn es gewünscht wird. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass viele Männer sich gerne Zeit nähmen, Kleidung nach eigenen Wünschen zu gestalten. Dafür sei es hilfreich, dass ihre Kunden die Fahrt zum Bekleidungsgeschäft sparten und auch das oft frustrierende Anprobieren nach dem Motto „Passt oder Passt nicht“ entfalle.

Jackett ändern? Kein Problem!

Der Kunde in dem Hochhaus, ein großer, schlanker Mann mit englischem Akzent, hat gleich mehrere Wünsche: Er hat abgenommen und möchte ein Jackett geändert haben, außerdem einen neuen Anzug und ein paar Hemden. Die Ankleiderin passt das Jackett schnell mit ein paar Nadeln an. Maßkleidung könne man immer ändern und neu anpassen, das sei ein Vorteil, sagt Hatipoglu, während sie das Jackett in eine Schutzhülle legt. Dann nimmt die Ankleiderin Maß für den Anzug. Der Kunde steht einmal locker da, einmal mit verschränkten Armen, um zu sehen, ob das Jacket auf dem Rücken spannt. Sie öffnet die Musterbücher mit Anzugs- und Futterstoffen, Kragen für Jackett und Hemd, Manschetten. Alles wählt der Mann einzeln aus.

Der Kunde geht fast immer von Hatipoglus Empfehlungen aus und arbeitet sich dann durch die Bücher, vergleicht Farben und Muster. Die Ankleiderin weiß, was er bevorzugt: „Vielleicht ein leichter Rosé-Farbton für das Hemd? Das Fischgrät-Muster mögen Sie ja nicht.“ Dann reicht sie die Mappe mit den Futtermustern: „Nehmen Sie sich Zeit, da toben Sie sich ja gerne aus“, sagt sie halb im Scherz.

„Je dunkler, desto konservativer“

Der Kunde schmunzelt und öffnet sein Jackett. Die Innenseite ist in einem auffälligen Malveton gehalten. Am Anzug sei das meiste Konvention, sagt er, es gelte „je dunkler, desto konservativer“. Das Futter biete ihm die Möglichkeit, seine Individualität auszuleben. In fünf bis sechs Wochen wird Hatipoglu ein zweites Mal den Kunden besuchen, um den Anzug genau anzupassen, erst danach wird er komplett gefertigt.

Dass zufriedene Kunden ihre Dienstleistung weiterempfehlen, ist für ihr Geschäft besonders wichtig, wie die Unternehmerin sagt. Denn sie habe zwar ein eigenes Label, könne es aber kaum werbewirksam platzieren: Schließlich solle der Anzug den Charakter und die Präsenz des Trägers unterstreichen – und nicht selbst im Vordergrund stehen, sagt sie.

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