28.05.2011 · In der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt arbeiten nach der Übernahme der Dresdner Bank noch etwa 640 Beschäftigte mehr, als das Kreditinstitut für nötig hält.
Von Tim Kanning, FrankfurtIn der Zentrale der Commerzbank in Frankfurt arbeiten nach der Übernahme der Dresdner Bank noch etwa 640 Beschäftigte mehr, als das Kreditinstitut für nötig hält. Zwar seien bis Ende März bereits 5300 Stellen in der gesamten Bank gestrichen worden und mit weiteren 2100 Mitarbeitern habe man bereits entsprechende Verträge ausgearbeitet, sagte der für die Integration zuständige Bereichsvorstand Markus Krebber am Freitag. Doch insgesamt hatte Vorstandsvorsitzender Martin Blessing den Abbau von 9000 Stellen ausgegeben. Von der Differenz von 1600 Stellen entfielen 40 Prozent auf die zentralen Einheiten, erläuterte Krebber.
Im Dezember hatte Krebber berichtet, der schwierigste Teil stehe noch bevor, weil die Möglichkeiten zum freiwilligen Ausscheiden weitgehend ausgereizt seien. Gestern sagte er dagegen, er gehe davon aus, dass ein großer Teil des noch ausstehenden Stellenabbaus über natürliche Fluktuation, also etwa das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern, erreicht werden könne. Wahrscheinlich müsse man Mitarbeitern, die in der Zentrale arbeiteten, aber auch Arbeitsplätze an anderen Orten anbieten. Betriebsbedingte Kündigungen schloss der Bereichsvorstand bis Ende 2013 aus.
Nicht nur feiern, auch beschweren
Vorstandschef Blessing sagte am Freitag bei einer Kundenveranstaltung, im Nachhinein sei „das Timing für die Übernahme der Dresdner Bank nicht gerade optimal“ gewesen. Genau vor 1000 Tagen, im September 2008, hatte Blessing die Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz angekündigt. Um die „erfolgreiche abgeschlossene Integration“ zu feiern, hatte die Bank 110 Kunden – stellvertretend für die elf Millionen Privatkunden, die die Bank nach eigenen Angaben nun hat – in den 49. Stock des Commerzbankturms am Frankfurter Kaiserplatz geladen.
Doch nicht allen versammelten Kunden war nur zum Feiern zumute. Gleich zwei nutzten die Fragerunde an Blessing, um sich über die Umstellung in ihrer Zweigstelle am Frankfurter Oeder Weg zu beschweren. Lange Schlangen hätten sich hier zuletzt in der ehemaligen Dresdner-Bank-Filiale gebildet, weil die Bankautomaten und die Kontoauszugdrucker nicht richtig funktionierten. Auch das Online-Banking sei auf dem neuen Portal der Commerzbank wesentlich komplizierter und unübersichtlicher als auf jenem der Dresdner Bank. In diesem Punkt gelobte der zuständige Vorstand Frank Annuscheit Besserung. Man wolle die Kundenbeschwerden in eine Überarbeitung des Internetbankings einfließen lassen.
„Der wichtigste Meilenstein auf dem Weg zu einer Bank“
Auch die Kundin Helga Budde, frühere ehrenamtliche Stadträtin in Frankfurt, die die Commerzbank zu einer Talkrunde aufs Podium geladen hatte, hielt mit Kritik nicht hinterm Berg. Zwar lobte sie die versammelten Vorstände dafür, dass sie die Kunden lange mit der Integration in Ruhe gelassen hätten und sie als alte Dresdner-Bank-Kundin ihre Kontonummer und Bankleitzahl behalten könne. „Aber die Mitarbeiter müssen noch lernen, dass ihr Arbeitgeber nicht die Bank ist, sondern der Kunde.“ Damit spielte sie darauf an, wie sehr die Mitarbeiter der Commerzbank in den vergangenen 999 Tagen mit der Integration beschäftigt waren.
2500 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen waren über die Osterfeiertage an der Übertragung von einer Milliarde Kundendaten, „dem gesamten Gedächtnis“ der Dresdner Bank, in die Computersysteme der Commerzbank eingebunden, wie Annuscheit berichtete. In einem alten Handelssaal an der Theodor-Heuss-Allee arbeiteten sie im Drei-Schicht-Betrieb. „Der wichtigste Meilenstein auf dem Weg zu einer Bank“, sagte Blessing.
Witz zur Umschuldung
Die Aussage der Veranstaltungsmoderatorin, der Aktienkurs steige wieder, nannte der Vorstandsvorsitzende selbst euphemistisch. Nachdem der Kurs Anfang der Woche auf ein Rekordtief von 2,80 Euro gerutscht war, lag er gestern bei 3,20 Euro. 2007, vor der Übernahme, war er fast zehnmal so hoch gewesen.
Auf die Frage einer Kundin, wie die Bank von einer „Haircut“ genannten Umschuldung Griechenlands betroffen wäre, antwortete der fast kahlgeschorene Blessing mit gewohnt norddeutschem Humor. „Bei mir wäre durch einen Haircut zumindest nicht mehr viel anzurichten.“