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400 Stellen auf der Kippe Sparkurs der Lufthansa trifft auch Rhein-Main

17.07.2009 ·  Das von der Lufthansa angekündigte Sparprogramm inklusive Stellenabbau sorgt an der Heimatbasis in Frankfurt für Unruhe. 400 Stellen in der Verwaltung sind bedroht. Verdi ruft die Lufthansa-Tarifkommission zusammen.

Von Jochen Remmert
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Das Sparprogramm inklusive Stellenabbau, mit dem die Lufthansa ihre mit Abstand wichtigste Konzernsparte, die Passagierfliegerei, wieder in die Gewinnzone bringen will, sorgt an der Heimatbasis in Frankfurt für Unruhe. Der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende Christoph Franz, der nun auch die Passage verantwortet, teilt den Lufthanseaten in einem offenen Brief unumwunden mit, dass die Passage in diesem Jahr nicht einmal mehr ihre Kosten erwirtschaftet, geschweige denn einen Gewinn. Seine Folgerung: bis Ende 2011 müssen die jährlichen Kosten um eine Milliarde Euro gedrückt werden. Das soll auch über den Abbau von 400 der 2000 Stellen in der Verwaltung der Passage passieren. Alles in allem arbeiten in der Passagiersparte der Lufthansa 27.200 Männer und Frauen.

Wie viele Stellen in Frankfurt wegfallen werden, sei zurzeit noch nicht zu sagen, heißt es aus dem Konzern. Wie viele von den Mitarbeitern der Passage-Administration hier beschäftigt sind, will die Lufthansa ebenfalls nicht mitteilen. Inoffiziell heißt es allerdings, dass ein Großteil dieser Jobs an der Heimatbasis in Frankfurt angesiedelt ist. Die Lufthansa gilt noch vor Bahn, Post, Rewe und Fraport mit 37.000 Beschäftigten als größter Arbeitgeber Hessens.

„Mitbewerber produzieren günstiger“

Der neue Passage-Vorstand Franz, der seit der Wiederbelebung der Swissair unter dem Namen Swiss als erfolgreicher Sanierer gilt, sagt in der Mitteilung an die Mitarbeiter unverblümt, dass die heikle Situation nicht etwa durch die aktuelle Krise entstanden ist, sondern durch längst vorher vorhandene strukturelle Schwächen: „Viele Mitbewerber produzieren heute zu deutlich günstigeren Kosten als wir und können mit günstigen Preisen wichtige Kundengruppen von uns abwerben“, schreibt Franz. Diese Analyse ist auch ein nicht eben schmeichelhaftes Zeugnis für seinen Vorgänger in der Position des Vorstands Passage, Wolfgang Mayrhuber. Dieser hatte den Job bis zur Erweiterung des Vorstands vor wenigen Wochen neben der Funktion als Vorstandschef innegehabt.

Sicher ist, dass vorstandsnahe Lufthanseaten das nun angekündigte Ergebnissicherungsprogramm „Climb 2011“ für längst überfällig halten. Beispielsweise hat die Lufthansa Cargo ihr jüngstes Ergebnissicherungs- und Sparprogramm schon Ende vergangenen Jahres aufgelegt.

Fraport: Kostenprüfung vernünftig

Das Schreiben von Christoph Franz, der bislang als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Mayrhubers gilt, enthält Passagen, die auch den Flughafenbetreiber Fraport interessieren müssen. Sie weisen den „Systempartner“ ziemlich deutlich darauf hin, dass die ohnedies nie leichten Verhandlungen mit der Lufthansa, beispielsweise über die Serviceleistungen rund ums Flugzeug zwischen Landung und Neustart, noch sehr viel härter werden. „Unsere Lieferanten – innerhalb und außerhalb des Konzerns – werden ihrerseits einen Beitrag leisten müssen“, äußerte Franz. Diese Verhandlungen über die Kosten für die sogenannten Bodenverkehrsdienste werden spätestens Anfang nächsten Jahres fällig, denn Ende 2010 läuft der alte Vertrag aus, bei dem die Lufthansa schon Einsparungen von deutlich mehr als 30 Millionen Euro durchgesetzt hatte.

Bei Fraport sieht man offiziell keinen Zusammenhang zwischen der nun angekündigten Radikalkur des Hauptkunden Lufthansa und den eigenen Geschäftsbeziehungen zu der Fluggesellschaft. Es sei sehr vernünftig, Kostenstrukturen zu überprüfen, das tue Fraport auch, beispielsweise bei den Bodenverkehrsdiensten, äußerte ein Sprecher.

Verdi-Konzerntarifkommission tritt zusammen

Gerold Schaub, in Hessen bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für den Fachbereich Verkehr zuständig, teilt diese Unbekümmertheit nicht. Für ihn steht fest, dass mit den Einlassungen von Franz auch der Druck auf Fraport deutlich gestiegen ist – und auch auf den Caterer LSG Sky Chefs. Die Gewerkschaft hält die Ankündigungen jedenfalls für so gravierend, dass in den nächsten Tagen auf Bundesebene die Spitzen der Verdi-Konzerntarifkommission für die Lufthansa zusammentreten werden, um die Konsequenzen des neuen Sparprogramms der Lufthansa zu prüfen.

Dass mit dem Sparprogramm auch Jobs der rund 15.000 Stewardessen und Stewards in Gefahr geraten, glaubt Joachim Müller nicht. Er ist Leiter Recht und Verwaltung bei der Organisation Unabhängiger Flugbegleiter (Ufo), die das Gros der Kabinenmitarbeiter der Lufthansa vertritt. In der Kabine fehlten eher noch Mitarbeiter, sagt er. Allerdings kann er sich vorstellen, dass der Trend zu weniger Flugzeugen mit mehr Kapazität gehe. Flugbegleiter brauche man da nicht weniger, möglicherweise aber Piloten.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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