Protestierende Bauern haben im Frankfurter Bankenviertel einen eigenen Rettungsschirm für die deutsche Landwirtschaft gefordert. Nach einer Sternfahrt mit 200 Treckern versammelten sich nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes rund 2500 Bauern aus mehreren Bundesländern zu einer Kundgebung auf dem Opernplatz. Zuvor hatten Bauern ein lebendes Schwein vor die Börse getrieben. Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner zeigte sich an der bekannten Skulptur „Bulle und Bär“ mit der Sau, die auf dem Rücken die Aufschrift trug: „Banken haben Schwein gehabt.“ Sonnleitner sagte, die Bauern bräuchten ebenso ein Konjunkturpaket wie für Handwerker und Automobilindustrie.
„Nicht nur Opel, Commerzbank und Karstadt stehen auf dem Spiel, auch eine von Bauern getragene mittelständische und ländliche Wirtschaft“, sagte Sonnleitner vor den Demonstranten mit Fingerzeig auf die nahen Bankentürme. Neben 25.000 Opel-Mitarbeitern und 50.000 Karstadt-Beschäftigten seien auch 380.000 landwirtschaftliche Betriebe und ihre Familien in Deutschland systemrelevant. Auf Plakaten der Demonstranten hieß es: „Banker haben Rettungsschirme, Bauern Finanzlöcher.“
„Modernes Raubrittertum bei Milchpreisen“
Der erneute Protest nach der jüngsten Demonstration in Berlin solle auch dafür sorgen, dass die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Entlastung bei der Agrardiesel-Steuer „nicht kurz vor dem Ziel aus der Kurve fliegt“, erklärte Sonnleitner. Er forderte zudem, die EU-Betriebsprämie im Juli und nicht erst im Dezember auszuzahlen, um die in der Krise angeschlagene Liquidität vieler Betriebe rasch zu erhöhen. Deutschland solle die EU überdies zu mehr Marketing-Hilfen drängen. Discountern warf er ein „modernes Raubrittertum“ bei den Milchpreisen vor. Die Preise bei Milch seien im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel, die von Getreide sogar um die Hälfte gefallen.
Der Präsident des hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider, verlangte ein drittes Konjunkturpaket. In Hessen sorge sich fast ein Drittel der Betriebe um ihren Fortbestand, sagte Schneider. Darum sei ebenso das Land gefordert. Die Präsidentin des Landfrauenverbandes Hessen, Evelyn Moscherosch, sagte: „Es sind Existenzen sind gefährdet.“
Milch so billig wie seit 1948 nicht mehr
Neben Bauern aus Hessen waren bei der Kundgebung Landwirte aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. Unter die Demonstranten hatten sich auch einige Anhänger des Bundes der Deutschen Milchviehhalter gemischt, die auf Plakaten Sonnleitner und die Politik des Deutschen Bauernverbandes kritisierten.
Die Landwirte fordern „faire Preise“ für ihre Produkte. Der Hintergrund: Der Export von Schweinefleisch ist infolge der Wirtschaftskrise stark zurückgegangen. Zudem leiden Milchbauern unter dem Preisverfall bei Milchprodukten. Nach der jüngsten Verhandlungsrunde zwischen Großmolkereien und Handel kostet der Liter Vollmich inflationsbereinigt so wenig wie seit 1948 nicht mehr. In Norddeutschland erhalten Bauern zum Teil weniger als 20 Cent je Liter nach rund 33 bis 35 vor Jahresfrist; in Hessen liegen die Auszahlungspreise für Erzeuger etwas höher.
"Faire" Preise könnte man viel besser bezahlen...
Andreas Spengler (a.spengler)
- 29.05.2009, 16:17 Uhr

