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Veröffentlicht: 06.02.2013, 23:23 Uhr

Wirtschaft in Hessen Geteilter Meinung über Subvention für Hauptschüler

Seit 2011 fördert das Land Hessen mit etwa 3,5 Millionen Euro im Jahr den nahtlosen Übergang von der Hauptschule in eine reguläre Lehrstelle. Die Einschätzungen, wie sinnvoll das Programm ist, sind allerdings sehr unterschiedlich.

von , Rhein-Main
© dpa Geschafft: Diese jungen Leute haben eine Lehrstelle gefunden, viele Hauptschüler hatten es lange besonders schwer.

Das Land Hessen versucht auch in diesem Jahr, mit einem eigenen Programm Hauptschülern unmittelbar nach dem Abschluss der Schulausbildung eine reguläre Lehrstelle zu verschaffen. Über Zuschüsse für die ausbildenden Betriebe soll ein kompletter Leerlauf oder der Weg in Warteschleifen, etwa in ein Berufsvorbereitungsjahr, vermieden werden.

Jochen Remmert Folgen:

Wie viele Anträge für dieses Jahr bereits vorliegen, ist beim zuständigen hessischen Wirtschaftsministerium gestern nicht zu erfahren gewesen. Die angelaufene Radiowerbung zum Thema deutet darauf hin, dass noch längst nicht so viele Förderungszusagen gegeben wurden, wie die im Haushalt für dieses Programm vorgesehenen 3,6 Millionen Euro zuließen. Noch bis zum 31. März könnten interessierte Betriebe Anträge beim in dieser Sache für ganz Hessen zuständigen Regierungspräsidium in Kassel stellen, heißt es weiter im Ministerium. Deshalb sei es auch noch viel zu früh, eine Einschätzung abzugeben oder gar Zahlen zu nennen.

Der Erfolg der „hessischen Qualifizierungsoffensive“

Im ersten Jahr des Programms 2011 sollten mit 3,4 Millionen Euro 750 Ausbildungsplätze für Hauptschüler gefördert werden. Eingegangen waren nach damaligen Angaben des Ministeriums 880 entsprechende Anträge von Betrieben.

Im vergangenen Jahr haben mit Hilfe des Programms, das Teil der „hessischen Qualifizierungsoffensive“ ist, 412 junge Frauen und Männer mit Hauptschulabschluss eine Lehrstelle gefunden, wie das Ministerium gestern auf Nachfrage wissen ließ. Sie zählen zu den 12 525 Hauptschülern, die sich im Ausbildungsjahr 2011/12 bei den Arbeitsagenturen in Hessen als lehrstellensuchend haben registrieren lassen. Ende September vergangenen Jahres waren von diesen nur noch 353 unversorgt, wie die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit mitteilte.

Die Vorteile sind nicht unerheblich

Im Jahr davor waren von 12 317 Hauptschülern zum entsprechenden Stichtag noch 252 nicht versorgt, also ohne Lehrstelle, Platz in einer Berufsvorbereitungsmaßnahme oder in einer weiterführenden Schule.

Die Vorteile des Programms sind für den Ausbildungsbetrieb nicht unerheblich: Im ersten Lehrjahr trägt das Land die Hälfte der Ausbildungsvergütung, im zweiten noch ein Viertel. Im dritten Jahr muss das Unternehmen dann die Vergütung selbst zahlen. Zulagen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld muss das Unternehmen die gesamte Ausbildung über allerdings allein tragen.

Alles in allem sind bislang durch das Programm „Ausbildungsstellen für Hauptschüler“ seit dem Start vor drei Jahren nach Angaben des Ministeriums gut 1160 Ausbildungsverträge gefördert worden. Das Programm wird es auch noch im nächsten Jahr geben, 2015 soll dann Schluss sein, wie es weiter aus Wiesbaden heißt. Der Grund: Wegen des demographischen Wandels geht die Landesregierung davon aus, dass auch in Hessen die Zahl der Ausbildungsbewerber deutlich zurückgehen und kein „Verdrängungsdruck“ mehr auf den Hauptschülern lasten werde.

Die Skepsis überwiegt

Charlotte Venema, Expertin der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände für betriebliche Personalpolitik, hält das Programm allerdings schon jetzt für verzichtbar. Es sei nicht einzusehen, weshalb ein Teil der Hauptschüler subventioniert werde. Der Arbeitsmarkt sei längst auch für sie ausreichend aufnahmefähig. Inzwischen suche vor allem das Handwerk sogar händeringend nach jungen Leuten für eine Ausbildung - auch nach Hauptschülern. Das Programm sei ohnedies nicht unbedingt das zielführendste Projekt, das das hessische Wirtschaftsministerium je angestoßen habe, führte Venema weiter aus.

Auch beim DGB Hessen/Thüringen überwiegt die Skepsis. Matthias Körner, lange Jugendsekretär und nun DGB-Regionsgeschäftsführer in Mittelhessen, findet das Programm sogar eher befremdlich. Denn es vermittle doch letztlich den Eindruck, Hauptschüler seien so schlecht qualifiziert, dass sie nur mit Prämien überhaupt zu vermitteln seien. „Man hätte lieber einmal die Qualifikationen der Hauptschüler herausstellen sollen. Es ist ja nicht so, dass die alle nichts können“, sagte Körner.

Bei der Handwerkskammer Frankfurt/ Rhein-Main ist man dagegen voll des Lobes für das Programm. Ein Sprecher sagte, es sei in den vergangenen Jahren ein „Riesenerfolg“ gewesen und das werde gewiss auch in diesem Jahr so sein.

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Quelle: F.A.Z.

 

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