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Wintereinbruch und öffentliche Verkehrsmittel : Ebbelwei-Express als Eisbrecher

Comeback der Senioren: Alte Bahnen befreiten die Leitungen vom Eis. Bild: Fricke, Helmut

Die ersten Straßenbahnen in Frankfurt fahren wieder. Nun wird aber Kritik an VGF wegen fehlender Ersatzbusse laut.

          Bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) heißen sie schlicht „Veteranen“: Sechs Museumsstraßenbahnen der Frankfurter Verkehrsbetriebe sind am Dienstag auf den Linien 11 und 16 im Einsatz gewesen, um die sogenannten Rumpfstrecken „freizufahren“. Fahrgäste haben sie dabei nicht befördert. Die mit wenig Elektronik ausgestatteten und darum nicht frostanfälligen Bahnen sollten die Oberleitungen vom Eis befreien, damit auch die modernen Fahrzeuge wieder eingesetzt werden können.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst am späten Nachmittag ging die Linie 11 zwischen Nied und Fechenheim wieder in Betrieb, auf der Linie 16 wurden Probefahrten absolviert. Am Mittwochmorgen sollen die Linien 14, 15 und 17 folgen, im Laufe des Tages sollen schließlich auch die verbleibenden Strecken 12 und 18 wieder bedient werden. Auch in Darmstadt fuhren die Trams wegen vereister Fahrleitungen gestern nur eingeschränkt.

          Zentimeterdicke Eisschicht auf den Oberleitungen

          Die empfindlichen Niederflurwagen der VGF drosseln die Motorleistung, wenn sie zu wenig Strom bekommen. Die alten Bahnen hingegen kommen auch mit geringer Strommenge weiter. „Die Veteranen sind bei dem Wetter geeigneter“, sagt der VGF-Sprecher. Nach dem Eisregen am Sonntag waren 45 Trams mit festgefrorenen Stromabnehmern mitten im Verkehr liegengeblieben. Am Montag und gestern wurden sie von den alten Zügen in die Depots geschleppt.

          Dass die Oberleitungen, die eine teils zentimeterdicke Eisschicht ummantelte, am Dienstag immer noch nicht komplett frei waren, begründet VGF-Geschäftsführer Michael Budig mit einer Fehleinschätzung: Um so schnell wie möglich den Betrieb ohne Einschränkungen aufnehmen zu können, habe man sich auf das gesamte Streckennetz konzentriert, statt zunächst nur die wichtigsten Verbindungen freizuhalten und Ersatzbusse einzusetzen.

          Jederzeit betriebsbereit

          Die Straßenbahn-Linien sind anfälliger als das U-Bahn-Netz. Dieses verläuft teilweise unterirdisch und ist somit geschützt, zudem fahren die U-Bahnen häufiger und verhindern somit ein Zufrieren der Oberleitungen. Bei den Straßenbahnen hingegen erleichterte die am Sonntag besonders niedrige Taktfrequenz die Eisbildung. Auch das Streckennetz der S-Bahnen ist nicht gefährdet, weil die hohe Spannung von 15.000 Volt die Oberleitung erwärmt. Reibungshitze entsteht außerdem durch die rund um die Uhr verkehrenden Fern- und Güterzüge.

          Am Dienstag dienten zwei Ebbelwei-Express und vier Bahnen der Fahrzeugtypen L, N, O und P, die in den sechziger und siebziger Jahren üblich waren, zunächst auf den wichtigsten Linien als Spurwagen. Diese Straßenbahnen stehen üblicherweise im Depot im Gutleutviertel und werden für sogenannte Museumsfahrten genutzt. Sie seien aber jederzeit betriebsbereit, sagte der Sprecher .

          Keine privaten Busse

          Auf der nach Oberrad führenden Linie 16, die den ansonsten relativ schlecht angebunden Stadtteil versorgt, wurden ab Südbahnhof Busse eingesetzt. Dass es auf anderen Routen keinen Ersatzverkehr gab, erklärt die VGF damit, dass ihr weder zusätzliche Fahrzeuge noch Busfahrer zur Verfügung stünden. Der Versuch, kurzfristig noch bei privaten Unternehmen Busse anzumieten, sei gescheitert. „Es ist letztlich eine politische Entscheidung, ob man die VGF für den Extremfall personell und materiell ausstatten will“, sagt der Sprecher. Diese Reserve würde dann aber möglicherweise über Jahre nicht gebraucht.

          Für Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) ist der Ausfall „außerordentlich misslich, gerade, wenn viele das Auto oder Fahrrad stehen lassen wollen, weil es zu gefährlich ist“, sagte er am Dienstagabend im Verkehrsausschuss. Für die Opposition kritisierte Klaus Oesterling (SPD), dass zu wenig Ersatzbusse führen. Der Nahverkehr sei durch „hoch gezüchtete“ Technik anfällig geworden: „Vielleicht kann man sich beim Straßenbahnbetrieb in Nowosibirsk erkundigen, wie die durch den Winter kommen.“

          Quelle: F.A.Z.

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