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Windenergie Windräder im Wald entzweien Naturschützer

 ·  Was der BUND befürwortet, löst bei Vogelschützern und Naturschutzbund zumindest zwiespältige Gefühle aus - bis hin zur offenen Ablehnung.

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Schon ein Blick auf die Windressourcenkarte der Landesregierung genügt. Er bestätigt die Einschätzung von Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich (CDU), wonach der Rheingau-Taunus zu den drei Kreisen in Hessen zählt, die für die Nutzung der Windenergie besonders prädestiniert sind. Der Hinterlandswald als das größte zusammenhängende Waldgebiet des Bundeslandes und das zum Rhein hin abfallende Rheingaugebirge sind im Hinblick auf den zu erwartenden Stromertrag ideal für die Aufstellung von bis zu 180 Meter großen Windrädern. Wenn zu den bislang knapp 700 Anlagen im Land tatsächlich weitere 1.500 kommen müssen, um die Energiewende zu schaffen und zwei Prozent der Landesfläche für die Erzeugung von Strom aus Windkraft zur Verfügung zu stellen, dann fällt dem Rheingau-Taunus eine bedeutsame Rolle zu.

Weithin sichtbare Windräder auf den bis zu 600 Meter hohen Kammlinien des Hinterlandswaldes werden also kaum zu vermeiden sein, wenn Hessen bis 2050 tatsächlich seinen Bedarf an Strom und Wärme vollständig aus erneuerbaren Energien decken will. Die Klimaschutzziele des Kreises sind sogar noch ehrgeiziger. Landrat Burkhard Albers (SPD) sind „20 Windräder lieber als ein Atomkraftwerk“, und mit dieser Position stellt er sich hinter den SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel. Für den ist die Energiewende nämlich keine ästhetische Frage. Er sagt, „ohne massiven Zubau von Windrädern“ werde es nicht gehen.

Ohne massiven Zubau von Windrädern werde es nicht gehen

Zu diesem Ergebnis ist auch eine Arbeitstagung des Kompetenzzentrums für Erneuerbare Energien in Geisenheim gekommen. Nach seiner Meinung sind rund 100 Windräder im Kreis zur Deckung des Strombedarfs ausreichend. Dazu werden Standorte im Wald benötigt, und die Förster haben zumindest auf Landesebene damit auch keine Schwierigkeiten. Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins und Abteilungsleiter im hessischen Forstministerium, stimmte in einem Interview mit dieser Zeitung der Auffassung zu, dass die höheren Mittelgebirgslagen bei der Suche nach Standorten für Windräder eine große Rolle spielen werden.

In die sonst einige Front der Naturschutzverbände treibt das aber einen Keil. Während der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen deutlichen Ausbau der Windenergie für vereinbar mit Umwelt- und Naturschutz hält, sehen das andere Verbände sehr viel kritischer. Inzwischen streiten die Umweltverbände nicht nur darüber, ob Windräder bisweilen auch in FFH- oder Vogelschutzgebieten stehen dürfen, sondern auch über die Mindestabstände zu Siedlungen und Gehöften. Dabei sind in Hessen die Unterschiede in den Positionen größer als in Rheinland-Pfalz, wo BUND und Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in einer gemeinsamen Erklärung hervorheben, dass die Energiewende „nicht zum ökologischen Nulltarif“ zu haben und mehr Vogel- und Fledermausschlag unvermeidbar sei.

Furcht unter anderem um ehemals intakte Landstriche

Konkret werden die unterschiedlichen Positionen an den Überlegungen, bei Geisenheim-Stephanshausen fünf Windräder im Wald aufzustellen. Der Arbeitskreis Wiesbaden/Rheingau-Taunus der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) nimmt das zum Anlass für heftigen Widerstand gegen Windräder in einem „der größten zusammenhängenden und bisher ungestörten Waldgebiete in Hessen mit einer einmaligen Naturausstattung“. Dieses Gebiet hätte es nach Ansicht der HGON verdient, als Kern eines größeren Biosphärengebiets ausgewiesen und womöglich zu einem Nationalpark weiterentwickelt zu werden, wie dies auch Greenpeace schon gefordert hatte. Die HGON hält es für befremdlich, wie „gestern noch heftig verteidigte Natur- und Kulturräume heute zu Windindustriegebieten werden sollen“. Die HGON verweist warnend auf ehemals intakte und jetzt mit Windrädern verbaute Landstriche wie Rheinhessen, den Hunsrück und den Soonwald. Das Niederwalddenkmal müsse im Rheingau das prägende Bauwerk bleiben. Das Rheingaugebirge müsse überdies als „Tabuzone“ ebenso wie das Biosphärenreservat Rhön und der Nationalpark Kellerwald gänzlich frei von Windrädern bleiben.

Differenzierter äußert sich die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die Windkraftanlagen im Wald nicht pauschal zustimmen möchte und immer eine Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung des Arten-, Natur- und Landschaftsschutzes fordert. Für den Bau der Anlagen und die Verlegung der Erdleitungen werde Wald gerodet, würden artenreiche Waldränder vernichtet und geschlossene, gesunde Forstbestände „angerissen“. Als Folge fürchtet der Verband „größere Waldzerstörungen“. Der Naturschutzbund Untertaunus fordert neben Vorranggebieten für Windkraft auch Vorranggebiete für den Erhalt der heimischen Biodiversität. Windräder dürften daher gerade nicht in Gebieten aufgestellt werden, die überregional für den Schutz von bedrohten Arten wie Schwarzstorch, Rotmilan und Fledermäusen von Bedeutung seien. Der ungeregelte Ausbau der Windenergie müsse durch eine landesweit einheitliche Planung ersetzt werden.

... daraus folgt möglicherweise: eine Veränderung der Identifikation mit der „Lebensart“

Inzwischen hat sich auch der Verband der Naturparke Deutschlands (VDN) zu Wort gemeldet. Der Hinterlandswald liegt vollständig im Naturpark Rhein-Taunus, und für solche Regionen fordert der VDN, das charakteristische Landschaftsbild, die Erholungseignung und die Arten- und Biotopvielfalt nicht durch Windräder zu beeinträchtigen. Eine flächenhafte Streuung von Einzelanlagen müsse deshalb zugunsten von Windparks verhindert werden. Noch kritischer als die Stellungnahmen der Bundes- und Landesverbände der jeweiligen Naturschutzorganisationen fallen nicht selten die Positionen der Orts- und Kreisverbände aus, die sich seit Jahren für den lokalen Natur- und Vogelschutz engagieren. Julia Hy-Keller vom Naturschutzbund Untertaunus sieht in den Plänen, Windräder auf dem Taunusrücken aufzustellen, die Gefahr, die gewachsene Kulturlandschaft zu zerschneiden und die Natur, das alte Landschaftsbild sowie die Identifikation mit einer „Lebensart“ drastisch zu verändern. Für den Ausbau der Windkraft würden wertvolle Ressourcen geopfert. Geschützte Tiere würden aus ihren Refugien verdrängt, alte Landschaftsformen nachhaltig verändert.

Hy-Keller warnt vor allem vor Gefahren für die Vogelwelt, sieht Weißstörche und Schwarzmilane, Rotmilane, Uhus und Fischadler bedroht. Nach ihrer Ansicht müssen die Bürger aktiv werden und selbst Energie sparen und erzeugen, unter anderem durch bessere Wärmedämmung, Solaranlagen und Wärmetauscher. Nur so könne die Kulturlandschaft bewahrt werden.

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Jahrgang 1961, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis.

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