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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Windenergie in Hessen Ausbau der Windräder stockt

In ferner Zukunft will Hessen Strom und Wärme nur noch aus erneuerbaren Energien beziehen. Das Ziel steht schon im Gesetz. Aber noch hinkt Hessen bei der Windkraft hinterher.

© dpa Vergrößern Niedrigengergiestandort: In Hessen fehlen noch viele Windräder.

 In Hessen werden künftig viele Wind-Skylines zu sehen sein. 190 Meter oder höher sind die Windräder neuer Generation, die eine bessere Energieausbeute versprechen - die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt bringen es gerade mal auf 155 Meter. Tausende Rotoren werden sich vermutlich in wenigen Jahrzehnten fast überall im Land drehen, um Strom zu liefern.

Das Ziel der Landesregierung: Bis 2050 soll der komplette Bedarf an Strom und Wärme ohne Öl, Gas, Uran oder Kohle erzeugt werden. Zwei Prozent der Landesfläche sollen für die Windräder reserviert werden. Bisher gibt es nach Auskunft des Umweltministeriums 710 Anlagen im Land, zusammen haben sie eine Leistung von 790 Megawatt - vergleichbar mit der Leistung eines modernen Gas- oder Kohlekraftwerksblocks.

Geld ist da, Investoren gibt es genug

Hessen hinke der Entwicklung in Norddeutschland gewaltig hinterher, sagt Frank Matzen von der Beratungsfirma Ernst & Young. In Niedersachsen - deutscher Spitzenreiter bei der Windenergie - seien inzwischen rund 7000 Megawatt Leistung installiert. Das Ziel der hessischen Landesregierung zu erreichen, werde 21 bis 23 Milliarden Euro kosten, pro Jahr müssten 119 Turbinen gebaut werden. „Der Plan ist ambitioniert“, sagt Matzen. Geld sei aber da, Investoren gebe es genug: Die Energiewende sei ein Makrotrend - „wenn es irgendwo Wachstum gibt, dann dort.“

Allerdings gibt es auch Hindernisse. Im Gegensatz zu Offshore-Anlagen, deren Windräder sich auf dem offenen Meer drehen oder Turbinen, die im norddeutschen Flachland stehen, wo der Wind ungehindert pusten kann, gilt die hessische Landschaft als „Niedrigenergiestandort“. Es seien höhere und damit teurere Masten nötig, sagt Matzen. Seit einigen Jahren gebe es solche Anlagen, die auch mit weniger Wind auskommen.

Keine verbindlichen Regionalpläne

Hinzu komme, dass viele Windräder im Wald errichtet werden müssten, denn gut 40 Prozent von Hessen seien bewaldet. Das allein bringe mehrere Probleme mit sich: Es seien Ausgleichsflächen nötig, Bäume dürften nur von September bis Februar gerodet werden, und eventuell müssten die Anlagen zeitweise aus Rücksicht auf Vögel oder Fledermäuse abgeschaltet werden. Außerdem stehe die Windkraft in Hessen ganz am Anfang - noch gebe es Unsicherheit bei Behörden und Investoren.

Verbindliche Regionalpläne sind für Hessen noch nicht vorhanden. Die Regionalversammlung Nordhessen hatte Ende Januar den Weg zum Bau von bis zu 800 Windrädern in Nord- und Osthessen freigemacht. Der Plan wird nun öffentlich ausgelegt. Ziel sei es, den Plan Ende 2013 endgültig zu beschließen, sagt ein Sprecher. Auch in Mittel- und Südhessen sind die Pläne derzeit noch in Arbeit. Weil noch kein Plan fertig ist, haben die Gemeinden theoretisch noch die Möglichkeit, frei zu entscheiden, wo Windparks gebaut werden. Maßgeblich ist dann das Bundesimmissionsschutzgesetz.

„Überraschungsangriffe“ vermeiden

Claus Brodersen, Geschäftsführer der iTerra Wind, rät dringend zu frühzeitiger und transparenter Planung: „Man muss die Bürger zu Beteiligten machen, nicht zu Betroffenen.“ Auch mit Naturschützern empfiehlt Brodersen offenen Umgang. Das könne schmerzhaft sein, sei aber unumgänglich, um spätere „Überraschungsangriffe“ zu vermeiden. Brodersens Firma hilft bei der Planung und dem Betrieb von Windkraftanlagen und ist seit 2008 auch in Gießen vertreten.

Naturschutzverbände befürworten den Ausbau der Windenergie grundsätzlich. Bedingung sei die optimale Nutzung der Windenergiepotenziale, heißt es in einer Stellungnahme des BUND zum Regionalplan Nordhessen. Der Klimawandel sei eine deutlich größere Gefahr für die Artenvielfalt als die Windenergie. Der schnelle Ausbau sei nötig, selbst wenn die Rotoren für einzelne Vogel- und Fledermausarten ein Risiko darstellten.

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Quelle: LHE

 
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