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Willingen Hessischen Achthundertern den Buckel hinunterrutschen

Willingen hat das größte Skigebiet des Landes zu bieten. Ein moderne Kabinenbahn bringt die Wintersportler auf den Ettelsberg - und manchmal fühlt es sich an, als sei man in den Alpen.

© von Siebenthal, Jakob Dem Winterwetter sei Dank: Seit dem 13. Januar laufen die Lifte in Willingen ohne Unterbrechung

Es sind nur hessische Achthunderter, denen man den Buckel hinunterrutscht. Und nicht alpine Dreitausender. Aber das lässt sich immer wieder leicht vergessen. Allein schon beim Anblick der Ettelsberg-Seilbahn, einer der modernsten Kabinenbahnen Deutschlands, die in Sachen Komfort und Schnelligkeit an Top-Destinationen in den Alpen erinnert. Die Wartezeiten fallen auch bei großem Andrang kurz aus. 55 wuchtige Kabinen verfrachten je acht Skifahrer in schnellem Takt von der Willinger Talstation hinauf. Die Bahn schnurrt so kraftvoll und schnell, dass sie wohl jedem Gletscher trotzen könnte.

Doch nach nur 240 Höhenmetern ist definitiv und naturgemäß Schluss, weil der Gipfel des Ettelsberges (838 Meter) erreicht ist. Dort spuckt die Bahn ihre meist behelmten, Sonnenbrille und bunte Klamotten tragenden Passagiere aus. Skier klacken aneinander, Skischuhe knarzen, Rucksackriemen schaben über Anorakstoff - es sind die klassischen Geräusche der Pistenjünger. Egal ob im Upland oder in der Schweiz.

16 Pistenkilometer, sieben Lifte

Willingen, ein kleiner Ort im nordwestlichen Winkel des Landes gelegen, hat das mit Abstand größte hessische Skigebiet. 16 Pistenkilometer, verbunden mit sieben Schleppliften, liegen den Skifahrern zu Füßen, wenn sie aus der Seilbahn steigen. Beginnt die Piste unter der Bahn zunächst sanft und zahm zum Einfahren, klappt sie recht plötzlich steil ab und zwingt die Fahrer auf die Kanten der Skier. Die Zahl der Stürzenden steigt, die in einer weißen Schneewolke aufgehen und meist lachend mit dem Material verhedderte Glieder entwirren. Für absolute Könner auf Brettern und Boards mögen die Mittelgebirgshänge keine wirklichen Herausforderungen bereithalten. Aber für eine Skisause vor der Haustür, für einen (Familien-)Ausflug mit Skiern und Schlitten im Kofferraum, für eine Dosis rauschenden Winterfahrtwind im Gesicht taugt es allemal. Die Hütten verleiten zum zeitigen Einkehrschwung.

Das Spalier der Schneekanonen an den Pisten sorgt für sehr gute Bedingungen in diesen Tagen. Willingen, in dessen Wintersportinfrastruktur in den vergangenen Jahren Millionen geflossen sind, braucht nur wenig Naturschnee als Grundlage. Es bedarf vor allem der Minusgrade, um die Produktion der weißen Kunstpracht hoch zu halten. Die derzeit 70 Zentimeter dicke Schneedecke, in etwa zur Hälfte aus Natur- und Kunstschnee bestehend, lässt keine Wünsche offen. „Wir hoffen, dass wir bis März für die Wintersportler durchfahren können“, sagt Jörg Wilke, der Geschäftsführer der Ettelsberg-Seilbahn.

Zweisprachig beschildert

Etwas beschwerlich ist der Weg hinüber über die Straße zu den Pisten am Hoppernkopf (800 Meter). Die Verbindung erfordert ein Stück Wegstrecke mit geschulterten Skiern - was in Skistiefeln bekanntlich wenig Freude erzeugt. Dafür offenbart die gemütlich mäandernde, nicht wirklich steile Waldabfahrt am Hoppernkopf schöne Ausblicke über die Winterlandschaft. Die Mühlenkopfschanze, die größte Großschanze der Welt, liegt jedoch im Wald verborgen. Am vergangenen Wochenende erst hatten sich wieder Tausende aufgemacht, um den Skispringern bei ihrem Weltcup-Ausflug nach Hessen zuzuschauen.

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Willingen ist zweisprachig beschildert. „Ski-Verleih“ und „Ski Verhuur“, „Schlepplift“ und „Sleeplifte“ - auf der Piste hört man mindestens so viel Niederländisch wie Deutsch. Auf den Parkplätzen stehen so viele Autos mit gelben wie mit weißen Nummernschildern. Nicht umsonst werden die hessischen Achthunderter auch als die „holländischen Alpen“ bezeichnet.

Skifahren in Willingen

Preise: Tagesskipass 23 Euro (Kinder 15 Euro), halber 15 Euro (Kinder 10 Euro).

Betriebszeiten: 8.30 bis 17 Uhr. Abfahrten unter Flutlicht sind mittwochs, freitags und samstags zwischen 18.30 und 21.45 Uhr möglich.

Internet: www.skigebiet-willingen.de

Quelle: F.A.Z.

 
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