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Wildkatzen in der Wetterau Auf den Spuren eines scheuen Waldbewohners

 ·  Bei Ober-Mörlen im Taunus ist ein Wildkatzen-Erlebnispfad eröffnet worden. Den scheuen Tieren droht Gefahr durch den Straßenverkehr und Spaziergänger, die Jungtiere mitnehmen.

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Sie sind irgendwo da draußen. Gut versteckt, um die Dunkelheit abzuwarten. Schließlich sind Wildkatzen nachtaktive Jäger. Weil sie außerdem die Nähe des Menschen meiden, lässt sich die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) nicht zu leeren Politikerversprechen hinreißen. Selbst wenn sie einen Wildkatzen-Erlebnispfad eröffnet. „Mit relativer Sicherheit werden Sie die Katzen nicht sehen“, sagt sie, bevor sie das grüne Band am Eingangstor des Pfads durchschneidet.

Wer sich ein wenig mit dem Raubtier beschäftigt, ist vor falschen Erwartungen gefeit. Selbst Fachleute werden auf seine Anwesenheit nur indirekt aufmerksam. Ob es Wildkatzen in der Gegend gibt, wissen Förster meist erst, wenn eine überfahren am Straßenrand liegt. Von ihren domestizierten Verwandten ähnlicher Größe unterscheidet sich die Wildkatze vor allem durch ihr fahles, gelb-graues Fell. Die schwarze Schwanzspitze ist ebenfalls typisch, findet sich aber auch bei manchen Hauskatzen. Auf etwa 5000 bis 7000 Exemplare wird ihr Vorkommen in Deutschland geschätzt. Die sieben Kilometer lange Route durch den Wald bei Ober-Mörlen kann also nicht der direkten Beobachtung dienen. Sie soll nach Worten der Ministerin die Menschen vor allem für die auf der Roten Liste stehende bedrohte Art sensibilisieren.

Kosten von 70.000 Euro

Der Wald im Hochtaunus zählt zu ihren Lebensräumen. Die verschiedenen Vorkommen zu verbinden sei die wichtigste Aufgabe des Wildkatzenprojekts seiner Organisation, sagt Jörg Nitsch, Vorstandssprecher des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen. Durch Wald, Streuobstwiesen und Hecken müssten die Populationen zueinanderfinden können. Deshalb arbeiteten mehrere Landesverbände des BUND zusammen. Weitere Erlebnispfade sind zudem in Niedersachsen und Baden-Württemberg geplant. Die Naturschützer können dazu auf EU-Mittel zur Biotopvernetzung zurückgreifen. Die Stiftung Hessischer Naturschutz hat mit 60.000 Euro den größten Teil der 70.000 Euro Kosten für den Pfad bei Ober-Mörlen übernommen. Kooperationspartner sind hier außerdem der Naturpark Hochtaunus und der Landesbetrieb Hessen-Forst.

Los geht es auf dem Wanderparkplatz, einer einst vom amerikanischen Militär mit Betonplatten befestigten Fläche unterhalb des Wintersteins. Die Markierungen mit dem stilisierten Wildkatzenkopf sind nicht zu verfehlen. Die Strecke führt zunächst auf schmalem Pfad bergan zum Aussichtsturm auf dem Winterstein. Dann geht es auf breiteren Waldwegen weiter. Der Erlebnispfad liegt in einem Gebiet, das die umliegenden Kommunen zur Windkraft-Vorrangfläche machen wollen. Sarah Friedrichsdorf, die das Wildkatzenprojekt beim BUND Hessen betreut, sieht darin nicht unbedingt einen Widerspruch. In der Bauphase könne es natürlich zu Beeinträchtigungen kommen. Sonst gebe es aber keine Hinweise, dass Wildkatzen durch Windkraftanlagen gestört würden. Sie könnte sich sogar vorstellen, später auf die Windräder hinzuweisen.

Die Todesgefahr vor Augen geführt

Mitten in der Natur schlagen die Tafeln der zehn Stationen schon jetzt den Bogen zur modernen Technik. Unterhalb mancher Informationstexte findet sich ein quadratischer QR-Code. Wer sein Smartphone dabei hat, kann ihn einlesen und sich etwas über die Wildkatze anhören. An anderen Stationen geht es rustikaler zu. Kinder können ihre Geschicklichkeit auf Baumstümpfen beweisen oder barfuß erproben, wie sich unterschiedlicher Untergrund anfühlt. An einer Stelle hat der BUND den Waldweg zu einem kurzen Stück Straße umgestaltet, um die Todesgefahr durch Autos mit einem aufgemalten Katzenumriss drastisch vor Augen zu führen.

Eine Tafel weist auf eine ganz andere Art von Risiko hin. Denn gelegentlich begegnen Spaziergänger doch einer oder mehreren Wildkatzen: wenn die unerfahrenen Jungtiere unbedarft am Wegesrand spielen. Aus falscher Tierliebe werden die vermeintlich mutterlosen Tiere dann eingesammelt. Bei Thomas Götz vom Forstamt Weilrod sind in diesem Jahr schon drei abgegeben worden. „Dabei ist die Mutter fast immer in der Nähe, aber sie bleibt in Deckung“, sagt der Fachmann von Hessen-Forst. Die Kätzchen müssen dann aufgepäppelt und später ausgewildert werden. Dass es sich um Wildkatzen handelt, zeigt sich nach wenigen Tagen in Obhut: Auch die Jungtiere lassen sich dann nicht streicheln und schlagen sofort um sich.

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Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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