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Wiesbadener Staatstheater : Finanzkrise im Komödienformat

Endstation Santa: Martin Müller, Rainer Kühn und Viola Pobitschka (von links) in der Wiesbadener Wartburg. Bild: Marcus Kaufhold

Am Wiesbadener Staatstheater kommt Kristof Magnussons Roman „Das war ich nicht“ auf die Bühne.

          Glückliches Amerika, wo man nicht nur vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, sondern auch den umgekehrten Weg gehen. Saisonbedingt böte sich jetzt allerdings auch ein Job als Nikolaus oder vielmehr „Santa“ an. Das dürfte das Los von Jasper, Henry und Meike werden. Die sitzen am Anfang, der das Ende ihrer Geschichte ist, als Nikoläuse auf einer Bank in Chicago. Meike, eine gewesene Literaturübersetzerin, Henry, ihr gewesener steinreicher Großautor, und Jasper, der gewesene Aktienhändler, der mit aberwitzigen Buchungs-Luftnummern seine Bank, Henry und schließlich das ganze System in die Pleite ritt. Drei Einsame, die vielleicht ja doch noch auf ein bizarres Happy End zusteuern - nach gut 90 Minuten Kalauer und Slapstick, Gegenwartsbefindlichkeitsanalyse im Miniaturformat und einer turbulenten Zusammenführung der drei sich zuvor Fremden.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          So wie es aussieht, braucht Regisseur Henner Kallmeyer den Weihnachtsbonus nicht - vermutlich ist mit der Komödie „Das war ich nicht“ in der Wartburg des Staatstheaters Wiesbaden wieder ein Langzeiterfolg zu sehen. Dort ist der deutsch-isländische Autor Magnusson schon mit „Männerhort“ vier Spielzeiten lang vertreten. „Das war nicht ich“, ursprünglich ein Roman, dessen Bühnenfassung von Ronny Jakubaschk stammt, der Anfang des Jahres in Basel die Theater-Uraufführung inszenierte, hat, so unterhaltsam das ist, einen nur allzu wahren Kern. Für den hat Magnusson auch in der Frankfurter Bankenwelt Feldforschung betrieben - weit bevor aus einzelnen Brandherden die Weltfinanzkrise wurde. Klug verwurzelt er die in persönlichen Krisen, mit Literatur kennt Magnusson sich ohnehin aus und so trieft seine Charakterisierung des eitlen und von Versagensangst geplagten Henry vor Ironie.

          Tempo stark gedrosselt

          Kallmeyer nimmt diese Fäden auf und er hat die passende Besetzung dafür: Rainer Kühn spielt Henry mit geradezu kulinarischem Genuss, Viola Pobitschka als Meike ist ein rosig-jugendfrisches Exemplar deutscher Pedanterie - nicht verdreht und krampfig, eher ein zartes, munteres Gegengewicht. Jasper gibt Martin Müller ein hochkomisches und doch glaubwürdiges Gesicht, mit seinen kaninchenängstlich aufgerissenen Augen, seiner kindlichen Zockermasche und dem Zollstock, der sowohl als Aktienkurve wie als Smartphone dient. An derlei originellen Einfällen und allerhand Nebenrollen, in welche die drei zur passenden Musik schlüpfen, mangelt es beileibe nicht.

          Dennoch bleibt das Tempo in der witzigen Klapp-Bühne (Lisa Rohde, auch Kostüme) eine ganze Weile lang stark gedrosselt. Was unter anderem daran liegt, dass Kallmeyer, ohne aufs Ganze zu gehen, immer mal wieder ein Häppchen beiseite spielen lässt, seine Schauspieler in Stotter-Loops verhakt und mit ein bisschen Postdramatik herumkugelt, ohne sich recht ans Zerlegen zu trauen. Bei den traditionellen Komödienleisten will er aber auch nicht bleiben - den Schwung, der da verschenkt wird, hätte das Stück noch gut brauchen können. Spaß allerdings macht es auch so - das Publikum war angetan.

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