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Wiesbaden OB-Kandidat Gerich spricht mit den Grünen

Am Donnerstag wollen Wiesbadens Grünen sich entscheiden, welchen OB-Kandidaten sie unterstützen. Der SPD-Bewerber geht aktiv auf sie zu. Denn Grüne und EBS könnten die Stichwahl beeinflussen.

© Kaufhold, Marcus Vergrößern Sucht Verbündete außerhalb der SPD, um in der Stichwahl gegen den CDU-Rathauschef Helmut Müller zu bestehen: Sven Gerich aus Wiesbaden

Am Donnerstagabend wollen die Wiesbadener Grünen sich entscheiden: Empfehlen sie ihren Wählern Sven Gerich, den sozialdemokratischen Herausforderer des amtierenden Stadtoberhauptes Helmut Müller (CDU), oder verzichten sie auf den Versuch, die Stichwahl zu beeinflussen? Sie findet am 10. März statt, nachdem Müller die absolute Mehrheit am Sonntag um zwei Prozentpunkte verfehlt hat.

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Daniel Herwig, einer der beiden Vorstandssprecher der Grünen, habe ihn eingeladen, sich den Mitgliedern am Donnerstag vorzustellen, berichtete Gerich. Er verbuchte im ersten Wahlgang 38,4 Prozent der Stimmen und hofft auf die Unterstützung der Ökopartei. Deren Kandidatin Christiane Hinninger hatte nur 9,3 Prozent bekommen. Das Argument, dass die ehemalige Stadträtin eine bekennende Linke sei, er aber den Wirtschaftsflügel der SPD repräsentiere, will Gerich nicht gelten lassen. „Hinninger muss mich nicht empfehlen“, sagte der Achtunddreißigjährige. Sie sei Fraktionschefin. Entscheiden werde aber die Partei.

Gericht in CDU-Hochburgen schwach

Dass es schon am vergangenen Sonntag eine signifikante Bewegung von den bürgerlichen Anhängern der Grünen hin zu Gerich gab, scheinen die Zahlen zu belegen, die gestern die Statistiker der städtischen Verwaltung präsentierten. Sie stellten fest, dass die besondere Gunst der Wähler in den traditionellen Hochburgen der Grünen nicht Hinninger, sondern dem Sozialdemokraten galt. Er bekam dort 48,1 Prozent und damit einen fast so hohen Anteil wie in den Stammregionen seiner eigenen Partei.

Wer geglaubt hatte, Gerich werde als Gewerbetreibender in der Anhängerschaft der Union auf größere Sympathien stoßen, sah sich allerdings getäuscht. In den Hochburgen der CDU schnitt der Sozialdemokrat um zehn Prozentpunkte schlechter ab als in den Wiesbadener Wahllokalen insgesamt.

Gerich, der mit seinem Mann im Künstlerviertel lebt, erwies sich als Liebling der Frauen. Unabhängig vom Geschlecht stellen die Wähler im Alter zwischen 25 und 59 Jahren die große Mehrheit seiner Unterstützer. Der Zuspruch der über Sechzigjährigen fällt hingegen deutlich schwächer aus. Sie schätzen den Amtsinhaber mehr.

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Der holte in den Stammregionen der Union durchschnittlich 58,3 Prozent. Wo die FDP traditionell stark ist, bekam er gar 59,9 Prozent. Die Liberalen hatten zugunsten von Müller auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Für seine bescheidenen Verhältnisse überdurchschnittlich gut schnitt in den Hochburgen von Union und FDP auch Torsten Hornung (Die Mitte) ab. Er bekam am Sonntag drei Prozent. Ob diese bürgerlichen Protestwähler im zweiten Durchgang für Müller erreichbar sind, ist unklar.

Die Statistiker glauben, dass der Rathauschef sein Wählerpotential in überdurchschnittlichem Maß ausgeschöpft habe. Seine Ergebnisse lagen jedenfalls deutlich über den Resultaten der CDU bei den Kommunalwahlen im Jahr 2011. Auch Gerich mobilisierte mehr Anhänger, als die SPD es vor zwei Jahren vermochte. Die schwache Wahlbeteiligung von 33,6 Prozent werde aller Erfahrung nach in der Stichwahl noch etwas sinken, glauben die Experten.

Müller zuversichtlich

“Die Leute sehen jetzt, dass es ernst wird“, sagte Müller. Zuversicht bezieht er aus dem Abstand von knapp zehn Prozentpunkten, der ihn von seinem sozialdemokratischen Herausforderer trenne. Außerdem hätten die Kandidaten von SPD und Grünen zusammen weniger Stimmen bekommen als er allein.

Um die Dinge zu seinen Gunsten zu wenden, will Gerich in den nächsten zwei Wochen inhaltliche Schwerpunkte setzen. Einer davon wird die EBS-Universität für Wirtschaft und Recht sein. Allerdings ist noch unklar, warum die SPD glaubt, von diesem Thema profitieren zu können. Denn es verdichten sich die Hinweise, dass der von Müller angestrebte Hochschulcampus im ehemaligen Gerichtsviertel allen Unkenrufen zum Trotz Wirklichkeit wird.

Nach Informationen dieser Zeitung ist die EBS zwar nicht in der Lage, das Millionenprojekt wie ursprünglich geplant allein zu bewältigen. Als zweiter Bauherr steht aber dem Vernehmen nach die ebenfalls private Hochschule Fresenius bereit. Sie hat ihren Hauptsitz in Idstein und ist auf Expansionskurs. An diesem Donnerstag will die EBS der Öffentlichkeit die Pläne vorstellen.

Quelle: F.A.Z.

 
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