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Ausstellung zu Korallenriffen : Die Regenwälder der Meere

Bedrohte Schönheit: Korallenriff bei Raja Ampat in Indonesien Bild: Jayne Jenkins

Wie Korallenriffe funktionieren und warum sie sterben, zeigt nun eine Ausstellung im Senckenberg-Museum. Sie soll ein Bewusstsein für den drohenden Kollaps unter Wasser schaffen.

          Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn schon die jüngsten Kindergartenkinder sich für die Geschichten vom „Regenbogenfisch“ begeistern. Denn in den Bilderbüchern erfahren sie schon etwas über die ungeheure Artenvielfalt und das komplexe Zusammenleben eines Korallenriffs.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer es allerdings lieber genauer wissen will, hat nun die Gelegenheit, in der Sonderausstellung „Korallenriffe – bedrohte Schätze der Ozeane“ im Senckenberg-Museum wissenschaftlich Fundiertes über die größten naturgeschaffenen Bauwerke der Welt zu erfahren. Mit Präparaten aus dem Bestand des Senckenberg-Instituts, mit Modellen, Installationen und einem faszinierenden Film, gedreht vom einzigen bemannten deutschen Forschungstauchboot „Jago“. Den können sich die Besucher gemütlich auf einem Sofa sitzend ansehen, während die Geschichte der Riffe außenherum alles andere als gemütlich ist.

          Drohender Kollaps unter Wasser

          Anlässlich des internationalen Jahrs des Riffs haben Museumsleiter Bernd Herkner und sein Team die Ausstellung realisiert, die auch auf die Arbeit des Vereins Reef Check aufmerksam macht, der ein Bewusstsein für den drohenden Kollaps unter Wasser schaffen will. Seit Ende der neunziger Jahre bleichen die Korallen, allen voran das Great Barrier Reef vor Australien, aus. So schön nun in den Vitrinen die weißen bizarren Formen im bläulichen Raum leuchten: Weiß, das ist die Farbe toter Korallen, von denen nur noch das Skelett vorhanden ist.

          „Regenwälder der Meere“ nannten die Senckenberg-Mitarbeiter die Riffe nun bei der Präsentation der neuen Ausstellung. Denn wie die Regenwälder sind auch die Korallenfelsen riesige, extrem komplexe Ökosysteme, auch sie sterben durch menschengemachte Einflüsse, vor allem durch den Anstieg der Wassertemperatur und durch Verschmutzungen. Und sie sind bislang nur zu einem winzigen Teil erforscht – in ihren Zusammenhängen mit anderen Ökosystemen, in den Auswirkungen ihres Fehlens auf Umwelt und Mensch und in ihrem Potential etwa für die Medizin.

          Vorgeschmack auf das künftige, neu gestaltete Museum

          Erst vor wenigen Jahrzehnten etwa ist entdeckt worden, dass 1500 Meter tief im Meer sogenannte Kaltwasserkorallen existieren – ein Forschungsfeld, an dem Senckenberg-Wissenschaftler ebenso arbeiten wie an Warmwasserriffen. Ihre Arbeit erklären sie an Hörstationen.

          Schon ein einziges Präparat kann die Zusammenhänge illustrieren: Dornenkronenseesterne profitieren von den schädlichen Umwelteinflüssen auf die Korallen, vermehren sich massenhaft und vertilgen die Polypen der Korallen. Nur die Tritonschnecke ist ein Fressfeind des Dornenseesterns. Wie die riesige Schnecke einen solchen Seestern verspeist, ist nun im Präparat zu sehen. Es ist nicht das einzige Exponat, das einen Vorgeschmack auf das künftige, neu gestaltete Museum gibt: Ebenfalls geschaffen von den hauseigenen Präparatoren, soll bald ein begehbares Riff von sechs Metern Länge in einem Raum der Meeresabteilung den komplexen Lebensraum der Korallen dauerhaft zeigen.

          Die Ausstellung „Korallenriffe – bedrohte Schätze der Ozeane“ ist bis 10. Februar im Senckenberg-Museum zu sehen, in Verbindung mit der Dauerausstellung täglich 9 bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 und an Wochenenden und Feiertagen bis 18 Uhr.

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