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Eintracht Frankfurt : Rotation um Nicolai Müller

Hoffen dürfen: Die Routine des Zugangs Nicolai Müller ist bis zur Weihnachtspause weiter gefragt. Bild: dpa

Trainer Adi Hütter setzt mit Erfolg auf einen stetigen Wechsel des spielenden Personals. Aus dem Frankfurter 36er-Aufgebot sind bislang 24 Akteure zu Einsatz gekommen. Nicolai Müller kämpft allerdings um seinen Platz.

          Der Unterschied könnte kaum größer sein. Als die Frankfurter Eintracht Mitte September aufbrach, um das erste Auswärtsspiel in der Europa League zu bestreiten, befand sich die Mannschaft in einer kritischen Verfassung: verunsichert, nach dem mäßigen Saisonstart mit Selbstzweifeln beschäftigt und teilweise nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Dass es trotz der schwierigen Ausgangslage zu einem 2:1 beim hochfavorisierten Team von Olympique Marseille reichte, veränderte mit einem Schlag die Situation. Der glückliche Sieg bei den Franzosen, die das Finale des Wettbewerbs in der vorigen Runde beinahe gewonnen hätten, brachte für die Frankfurter die angenehme Begleiterscheinung mit sich, dass ihr Selbstvertrauen dadurch spürbar wuchs. Im Gegenzug wurde die bis dahin allgegenwärtige Skepsis kleiner, dass es ein zu großes Wagnis gewesen sein könnte, mit neuem Trainer und abermals großem Personalwechsel aufs Neue sein Fußballglück suchen zu wollen.

          Am Donnerstag (18.55 Uhr) steht nun die zweite internationale Partie in der Fremde auf dem Programm – und die Eintracht tritt sie mit der Absicht an, auf Zypern den nächsten Achtungserfolg folgen zu lassen. Seit sieben Spielen ist sie nun ungeschlagen, das Vertrauen in die eigene Stärke könnte kaum größer sein. Mit einem Sieg in der Begegnung mit dem FC Apollon Limassol, der schon im Hinspiel Ende Oktober phasenweise vorgeführt und ohne große Mühen 2:0 bezwungen wurde, wäre das Weiterkommen frühzeitig gesichert. Die Frankfurter führen die Gruppe H mit neun Punkten vor Lazio Rom (6) sowie Marseille und Apollon (je 1) an. „Wir müssen hoch konzentriert bleiben und immer 100 Prozent abliefern“, sagte Adi Hütter, der es als „toll“ bezeichnete, wie alle Mann nach einem „holprigen“ Auftakt „den richtigen Weg“ gefunden hätten, „den wir weiter fortsetzen wollen“.

          Vor ein paar Wochen, so seine Feststellung, hätten das „nur wenige“ für möglich gehalten. Wobei auch er nicht davon ausgehen konnte, dass sich das Blatt nach dem Pokal-Aus in Ulm, einer Niederlage gegen Bremen gleich im ersten Heimspiel und dem chancenlosen Unterfangen beim BVB derart rasch wenden lassen würde. Für den Coach ist die in seiner Gruppe generell erkennbare Bereitschaft, individuelle Interessen nicht über das Gemeinwohl zu stellen, eine der Hauptursachen für den großen Fortschritt, der in der Liga nach dem ungefährdeten Sieg am Freitag in Stuttgart bis auf den fünften Tabellenplatz führte: „Jeder Spieler muss bereit sein. Mir gefällt, wie sie sich im Training in die Lage versetzen, für die Mannschaft da zu sein.“ 24 Akteure aus seinem 36er-Aufgebot setzte er bislang ein – ohne dass es zuletzt zu erkennbaren Leistungsabfällen gekommen wäre: Laufwege wirken abgestimmt, das kollektive Forechecking und Gegenpressing nach Ballverlust funktionieren reibungslos. Auch auf engen Räumen bewegen sich die Frankfurter geschickt und stoßen aus dem Mittelfeld sekundenschnell über wenige Stationen in den gegnerischen Strafraum vor. Ihre mentale und körperliche Verfassung ähnelt dem guten sportlichen Zwischenstand. Hütter deutete an, gegen Apollon Limassol die Rotation fortzusetzen. Nur drei Tage später geht es im Alltagsgeschäft weiter und da soll die Chance genutzt werden, sich in der Spitzengruppe des Klassements festzusetzen. „Jetzt können wir uns für das Sechzehntelfinale qualifizieren und haben danach Schalke. Da kann man viel erreichen“, nannte Torhüter Kevin Trapp die Marschrichtung.

          Routinier und Höhenflug

          Dass er auch Nicolai Müller nach wie vor als eine Option sieht, mit der er im Offensivspiel für Akzente sorgen kann, verdeutlichte Hütter mit der Hereinnahme des Sommer-Zugangs gegen den VfB in der zweiten Halbzeit, als es galt, den Schlussspurt der Schwaben unbeschadet zu überstehen. Der 31-Jährige brauchte nicht lange, um sich einzufügen. Neun Minuten nach der Einwechslung für Ante Rebic traf er zum 3:0-Endstand. Es war sein zweiter Saisontreffer. Gegen Freiburg hatte er Ende August die Führung erzielt und war in der 73. Minute ausgetauscht worden. Danach stand der ehemalige Hamburger nicht mehr in der Startformation, saß zumeist auf der Bank oder sogar der Tribüne.

          Zu seinem Nachteil sorgte die veränderte Defensiv-Taktik Hütters für Stabilität und bildet seitdem eine Grundlage des Höhenflugs. Die von ihm ursprünglich bevorzugte Viererkette wich einem 3-5-2-System, in dem zwei schnelle Flügelflitzer nötig sind. Auch aufgrund der Folgen seines Kreuzbandrisses vor 15 Monaten fällt Müller heute, was Handlungsschnelligkeit und Sprintstärke angeht, gegenüber den internen Mitbewerbern ab. Sowohl an Filip Kostic und Danny da Costa kommt er in der aktuellen Verfassung nicht vorbei. Hütter schätzt ihn dennoch, wie er verdeutlichte: „Ich finde trotzdem, dass Nicolai sehr, sehr gut trainiert. Er versucht, immer alles zu geben.“ Dass der Routinier, der ablösefrei von den abgestiegenen Hanseaten kam, mit der Konstellation nicht wunschlos glücklich sei, könne er nachvollziehen. „Er hat mir gesagt, dass er nicht ganz zufrieden ist. Das verstehe ich auch, das ist normal“, berichtete Hütter unlängst. Ob er in Müller eine Alternative sieht, um dem zuletzt abgeschlagenen Mijat Gacinovic oder Jonathan de Guzman auf Zypern eine schöpferische Auszeit geben zu können, verriet der Trainer vor dem Abflug an diesem Mittwoch nicht. „Es gibt Möglichkeiten“, stellte Hütter vielsagend fest. Stimmt: Alleine bis zur Weihnachtspause folgen für die Eintracht noch neun Einsätze und zwei weitere Englische Wochen.

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